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Kultur
Sonntag, 22. April 2018 27° 2

Eröffnung

Die neu entdeckte alte Frische

Vorhang auf: Das aufwändig konservierte Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth gewährt nach sechs Jahren wieder Einlass.
Von Veit-Mario Thiede

Das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth wird am 12. April wieder eröffnet und ist ab 17. April täglich zu besichtigen. Foto: Daniel Karmann/dpa

Bayreuth.Im Jahre 2012 erhob die Unesco das Markgräfliche Opernhaus von Bayreuth zum Weltkulturerbe. Die Begründung lautet: „Das zwischen 1746 und 1750 errichtete Markgräfliche Opernhaus gilt mit seinem nahezu vollständig original erhaltenen Logenhaus als das weltweit bedeutendste und best erhaltene Beispiel barocker Theaterarchitektur.“ Doch kaum war das verkündet, schloss das neue Weltkulturerbe wegen dringend notwendiger Instandsetzungsmaßnahmen für sechs Jahre seine Tore.

Wie schon die Einweihung 1748 wird auch die Wiedereröffnung am 12. April mit Johann Adolph Hasses Oper „Artaserse“ gefeiert. Mit Beginn der Bayreuther Residenztage steht das Haus ab 17. April täglich von 9 bis 18 Uhr wieder für Besichtigungen offen. Unter der Devise „Vorhang auf!“ gibt es bis zum 29. April Themen-, Musik- und Familienführungen, Vorträge, Theateraufführungen und Mitmachaktionen (Programm im Internet unter www.bayreuth-wilhelmine.de).

Beim Eintritt in das aus Holz und Leinwand bestehende Logenhaus ist man zunächst von der Vielfalt der Eindrücke überwältigt. Lichterglanz umspielt lächelnde Masken, geschnitzter Zierrat funkelt golden, weiße Figuren setzen zum Fanfarenstoß an und ganz oben herrscht reger Flugverkehr. Wer sich noch an die alte Guckkastenbühne erinnert, wird sich über die unerwartete Größe des jetzigen Bühnenportals wundern. Im 19. Jahrhundert auf 9,50 Meter Breite und 6,10 Meter Höhe verkleinert, ist es nun wieder wie ursprünglich 14 Meter breit und 10,5 Meter hoch. Die düstere Pracht des Zuschauerraums hat sich deutlich aufgeheitert. Denn die von Schmutzschichten und nachgedunkelten Überstreichungen befreite originale Bemalung der Logen mit zartem Meergrün als Grundton, dazu kühlem Blau und vereinzelt leuchtend roten Tönen zeigt sich in alter Frische.

Ausmalung weitgehend erhalten

Niemand hatte mit der Sensation gerechnet, dass von der Ursprungsausmalung noch 90 Prozent erhalten sind. Vom Publikum im Laufe der Jahrzehnte abgewetzte Zonen bleiben, wie sie sind. Die Expertengruppe unter der Fachaufsicht der Bayerischen Schlösserwaltung ging nach der Devise Konservierung statt Restaurierung, Erhaltung des Originals statt Rekonstruktion vor. Neu sind die Bodenbeläge, die 500 Plätze umfassende Bestuhlung und die technische Infrastruktur. Für dies und die bauliche Instandsetzung des Hauses wendete der Freistaat Bayern 29,6 Millionen Euro auf.

Eine Büste der Markgräfin Wilhelmine steht am Opernhaus in Bayreuth. Foto: Marcus Führer dpa

Das Markgräfliche Opernhaus steht künftig 30 Tage im Sommer zur Aufführung von Opern, Konzerten und Gastspielen bereit. Ganzjährig ist es als Museum geöffnet. Vor dem Rundgang erwartet den Besucher ein Film zur Geschichte und Funktion des barocken Opernhauses, in dem als Zeichentrickfigur die Bauherrin und Intendantin auftritt: Markgräfin Wilhelmine (1709 bis 1758). Sie war die Lieblingsschwester des preußischen Königs Friedrich des Großen. Indirekt gab der den Anstoß zum Bau des Opernhauses. Er fädelte nämlich die Vermählung der Elisabeth Friederike Sophie von Bayreuth mit Herzog Carl Eugen von Württemberg ein. Sie war das einzige Kind Wilhelmines und ihres Gatten Markgraf Friedrich (1711 bis 1763).

Da in Bayreuth ein prächtiger Festsaal für die Hochzeitsfeierlichkeiten fehlte, ließ die Markgräfin das Opernhaus erbauen. Für den erst 1750 vollendeten steinernen Außenbau zeichnete der Hofbaumeister Joseph Saint-Pierre verantwortlich. Für die Ausschmückung des hölzernen Logenhauses aber engagierte Wilhelmine den besten Theaterarchitekten, den es damals gab: Guiseppe Galli Bibiena. Ihm stand sein Sohn Carlo zur Seite. Das Logenhaus bildete 1748 den glanzvollen Rahmen für das Hochzeitmahl, die Aufführung französischer Komödien sowie der italienischen Opern „Artaserse“ und „Ezio“. Deren Bühnenausstattung entwarf Carlo Galli Bibiena. Nach dem Vorbild seines für „Ezio“ gezeichneten Bühnenbildentwurfs, der eine mit Statuen geschmückte Palasthalle zeigt, ließ die Bayerische Schlösserverwaltung anlässlich der Wiedereröffnung Kulissen anfertigen. Zwischen denen können die Besucher nun auf der Bühne wandeln.

Mehr über Markgräfin Wilhelmine erfahren Sie hier:

Wilhelmines Welt

  • Markgräfin Wilhelmine

    war ein mit vielen Talenten gesegneter Schöngeist. Sie malte, komponierte, beherrschte mehrere Musikinstrumente, verfasste Bühnenstücke und führte Regie. Mit ihrer regen Bautätigkeit putzte sie das rückständige Bayreuth zur attraktiven Residenzstadt heraus.

  • Zu den Sehenswürdigkeiten,

    die sie hinterließ, gehört neben dem Markgräflichen Opernhaus das Neue Schloss, in dem sie selbst die Inszenierung der Räume festlegte. Besonders interessant sind dort ihre Privatgemächer mit der fast vollständig erhaltenen historischen Einrichtung.

  • Ein Kuriosum

    ist das von Goldstuck umspielte Porträtensemble im Alten Musikzimmer, wo Wilhelmine Schauspieler, Sänger und Musiker ehrte.

Ein Wappenschild mit Krone

Der von den Bibienas gestaltete Festraum ist ein Meisterwerk höfischer Theaterkultur – und ebenso der glanzvollen Herrschaftsinszenierung. Über dem Bühnenportal prangt das riesige Wappen mit dem Roten Adler der Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth. Dem Wappenschild ist zu Ehren der aus königlich-preußischem Hause stammenden Wilhelmine eine monumentale Krone aufgesetzt. Zwei reich geschmückte Trompeterlogen flankieren die Bühne. In ihnen kündigten Pauker und Trompeter das Eintreffen des Herrscherpaares an. Das Deckengemälde des Zuschauerraums zeigt den Einflug der Musen im Gefolge Apolls, des Gottes der Dichtkunst und Musik.

Das sanierte Markgräfliche Opernhaus Foto: Daniel Karmann/dpa

Dass nach Ansicht Friedrichs und Wilhelmines unter ihrer Herrschaft im Markgraftum „goldene Zeiten“ angebrochen waren, signalisieren die Schnitzereien an den Zuschauerrängen: Auf lächelnden Masken sitzen zum Zeichen von Wohlstand und Überfluss reich gefüllte Körbe.

Nicht zuletzt der Einsicht des Bühnenrevolutionärs Richard Wagner ist es zu verdanken, dass das Markgräfliche Opernhaus in ursprünglicher Form erhalten geblieben ist. Bevor Wagner sein Festspielhaus in Bayreuth erbauen ließ, hatte er es als Aufführungsort ausersehen. Doch dazu hätte er die Architektur und Ausschmückung des Logenhauses stark verändern müssen. Das wollte er nicht: „Es wäre ewig schade, zerstörend in diesen alten, stilvollen Bau einzugreifen, an dem die prachtliebenden alten Zeiten ihren Geschmack erprobten“.

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