MyMz

Die Oberpfalz in duftigen Veduten

Johann Georg Hämmerl hielt seine Heimat in zarten Blättern fest. Eine neue Publikation stellt sein Werk vor.
Von Peter Pavlas, MZ

Kallmünz in einem Blatt von Johann Georg Hämmerl
Kallmünz in einem Blatt von Johann Georg Hämmerl Museen der Stadt Regensburg, Repro: Michael Preischl

Regensburg.Manchmal dauert es etwas länger, bis ein Künstler die verdiente Aufmerksamkeit erhält. Der Kirchen- und Landschaftsmaler Johann Georg Hämmerl, der 1770 im Markt Laaber auf die Welt kam, musste mehr als zwei Jahrhunderte darauf warten. Der Zufall spielte dabei keine unwesentliche Rolle. Seine Ortsansichten aus einer Zeit, in der es weder Gewerbegebiete noch Carports gab, sind nun in einem Buch erschienen.

Im Rahmen der Ausstellung „Tradition und Aufbruch. Die Oberpfälzische Kreisausstellung 1910“ im Historischen Museum Regensburg waren im Sommer 2010 Hämmerls Ortsansichten öffentlich präsentiert worden. „Wir wollten damals zeigen, dass die Oberpfalz nicht nur durch Landwirtschaft und Rückständigkeit geprägt war“, so beschreiben die Ausstellungsmacherinnen Karin Geiger und Sabine Tausch ihre Absicht. Im Museum sei man überrascht gewesen, welchen Anklang ausgerechnet diese nicht gerade zentral platzierten Werke gefunden hätten. Weil so viele Besucher die Motive auch bei sich zu Hause ansehen wollten, habe man sich zur Publikation entschlossen.

Hämmerl hatte seine Begabung sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen. Er entstammte einer Familie von Malern, die ursprünglich in Velburg ansässig waren und die im dortigen Umfeld Altarblätter und Fresken anfertigten. Sein Vater Joseph jedoch war bei der Geburt des kleinen Johann Georg bereits seit 30 Jahren Bürger von Laaber, seine Mutter Maria Eva Hoffmann stammte von der Schafbruckmühle. Später zogen die Hämmerls nach Kallmünz.

Ausstellungsmacherin Sabine Tausch, und Depotverwalter Michael Preischl
Ausstellungsmacherin Sabine Tausch, und Depotverwalter Michael Preischl

Das erste datierte Werk des jungen Talents ist das Altarblatt der Laaberer Filialkirche in Bergstetten. Im Alter von 20 Jahren schuf er die Figurengruppe, die das Martyrium des heiligen Laurentius darstellt. „Im Figürlichen noch etwas unbeholfen, aber um eine dramatische Komposition bemüht“, so sieht Gabriele Schneider, Vorsitzende des Kultur- und Heimatvereins Velburg, dieses Frühwerk. In der Folge widmete sich Hämmerl Arbeiten besonders im Vils- und Naabtal.

Einen größeren Radius schlug der Künstler zwischen 1798 und 1803 mit seinen klar konturierten, idyllischen Ansichten von Orten, die ehemals meist zum Herzogtum Pfalz-Neuburg gehörten. Zwischen Fronberg bei Schwandorf, Etterzhausen, Lutzmannstein bei Lengenfeld, dem Ingolstädter Raum bis kurz vor Freising zog Hämmerl umher in einer Zeit, als französische und österreichische Heere nicht nur Bayern erschütterten, Beethoven seine erste Sinfonie aufführte und Schiller seine „Maria Stuart“.

Motive tauchen in zwei Serien auf

Als Vorläufer mag er wohl auch Matthäus Merian und Michael Wening gesehen haben. Deren Kupferstiche – in relativ hohen Auflagen verkauft – künden ja noch heute in nicht wenigen guten Stuben von der Bildungsbeflissenheit der Bewohner. Hämmerls Blätter sind anders. Zum einen handelt es sich bei ihnen um Unikate, aquarellierte Tuschzeichnungen, jetzt im Besitz des Museums. Sie bewahren auch mehrere Geheimnisse. Es ist nicht klar, warum er zwei Serien von seinen Motiven anfertigte. Die zweite Werkreihe (im Privatbesitz) unterscheidet sich durch Einzelheiten, wie die Wiedergabe einer damals noch bestehenden Mauer zwischen der Burgruine seines Geburtsortes Laaber und dem Torturm. Die eher monochrome Fassung in warmen Sepia- und Brauntönen lässt die Details der Blätter noch plastischer hervortreten als es die zart kolorierten 28 Aquarelle der ersten Werkreihe können. In dem Band, den das Museum Regensburg herausgegeben hat, sind beide Fassungen, soweit verfügbar, reiz- und verdienstvoll gegenübergestellt.

Über den Zweck seiner Ortsansichten und die Identität seiner Auftraggeber kann nur spekuliert werden. Das Adelsgeschlecht der Tänzl von Trazberg könnte zu letzteren zählen.

Die Söhne erbten das Talent

Hämmerls Söhne Joseph und Karl erbten das Talent: Karl reüssierte an der königlichen Studienanstalt in Regensburg, Joseph wurde an der königlichen Porzellanmanufaktur München (jetzt: Nymphenburg) für seine Gabe gerühmt, Blumen und Insekten naturalistisch mit feinstem Pinselstrich auf Gefäßen wiederzugeben.

Altarblatt in Bergstetten, geschaffen von J. G. Hämmerl
Altarblatt in Bergstetten, geschaffen von J. G. Hämmerl Fotos: Peter Pavlas

Wer sich kundig machen will, wie sich die Oberpfalz in 220 Jahren verändert hat, für den sind Hämmerls Blätter Augenzucker. Auch wenn das eine oder andere Gebäude auf ihnen „geschönt“ sein sollte, stellen sie doch vielmals die erste Ansicht der Städtchen, Marktflecken und Schlösser überhaupt dar. Auch von der einstigen Pracht von Kirchen und Gebäuden, die im Bombenhagel zerstört oder sonstwie ein Raub der Flammen wurden, gibt Hämmerls Werk Zeugnis.

Zum Buch: „Historische Ortsansichten des Oberpfälzers Johann Georg Hämmerl (1770 - 1838)“, Herausgeber: Museum der Stadt Regensburg, Karin Geiger und Sabine Tausch, erschienen im Buch- und Kunstverlag Oberpfalz

Weitere Beiträge aus der Kultur finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht