mz_logo

Kultur
Montag, 23. Juli 2018 29° 2

Ausstellung

Die Regenbogenschlange im Refektorium

Gené Neurieder stellt in der Galerie St. Klara in Regensburg aus. Ihre Werke wirken hier wie aus einer anderen Galaxie.
Von Florian Sendtner

Gené Neurieder vor der „Regen- bogenschlange“ Foto: Sendtner
Gené Neurieder vor der „Regen- bogenschlange“ Foto: Sendtner

Regensburg.Kunst lebt vom Kontrast. Aber selten ist der Kontrast so krass wie in der neuen Galerie St. Klara in der Ostengasse, betrieben von der Katholischen Jugendfürsorge (KJF). An der Decke des renovierten Refektoriums des einstigen Klosters großflächige Heiligenfresken, über den Türen süßliche Herz- und Schmerz-Medaillons, mit denen den armen Nonnen des Klarissenklosters auch noch das Essen verleidet wurde. Das Highlight ist ein auf den ersten Blick wie ein Beichtstuhl anmutender Wandschrank aus dunklem Holz, der sich als drehbare Schleuse entpuppt: So waren die Nonnen vor jeglichen Einflüssen und Berührungen mit der Außenwelt geschützt.

Mike Reisinger singt aus voller Brust

Doch jetzt steht Mike Reisinger neben der mysteriösen Schleuse und spielt auf dem Akkordeon einen mitreißenden melancholischen Tango, später greift er zur Bassklarinette, im Duett mit einem Fön, schließlich singt er aus voller Brust ein irisches Volkslied. Der einst hermetisch abgeschottete Speisesaal der Nonnen offenbart eine voluminöse Akustik und weitet sich zum „offenen Raum für zeitgenössische Kunst aus Ostbayern“, wie Isolde Hilt von der KJF sagt.

Auch optisch ist der Kontrast auf die Spitze getrieben, denn in der Galerie St. Klara sind bis 20. Februar Werke von Gené Neurieder zu sehen, die angesichts der frömmlerischen Fresken wie aus einer anderen Galaxie wirken.

Lesen Sie auch: Im Refektorium gibt es Nahrung fürs Auge

Irgendwie funktioniert die Abschottungs-Drehschleuse gar nicht mehr. An der Stirnwand ein archaisch wirkendes Triptychon: „Drei Jäger“ auf der Pirsch, ein silhouettenartiges Kundschafter-Trio, ein Weitgereister. Kräftige schwarze Linien auf dunkel leuchtendem Ocker, aufs Elementare reduzierte Formen und Gestalten. KJF-Direktor Michael Eibl verweist in seiner Einführung auf Fels- und Höhlenmalereien, die Gené Neurieder in Europa, Afrika und Asien fasziniert haben.

Ein Blick weit über den Tellerrand hinaus

Vis à vis drei Kaltnadelradierungen, die das Sujet mit anderen Mitteln weitertreiben, still sekundiert von der Skulptur „Die Bescheidene“, daneben zwei Gemälde („Regenbogenschlange“ und „Die Jagd beginnt“), die in ihrer farbenfrohen Expressivität und in ihrer surreal-wuchernden Phantasie fast die wunderbaren Bilder übertreffen, die Herbert Achternbusch vor 30 Jahren gemalt hat. An der Längswand, von zwei afrikanischen Masken flankiert, eine aquarellartig wirkende Serie auf Papier in teils hellen Farben, in der das Motiv des Tanzes, der Fremdheit, der Maskerade in archaischem Gestus wiederaufgenommen wird. Ein furchtlos-neugieriger Blick weit über den Tellerrand hinaus. Man könnte ihn mit dem Titel einer anthropologischen Ausstellung auf den Punkt bringen, die 2017 im Neanderthal-Museum bei Düsseldorf zu sehen war (der sofort Internet-Hassprediger auf den Plan rief): „Zwei Millionen Jahre Migration“.

Hier geht es zur Kultur.


Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht