MyMz

Die Schatten an farbigen Wänden

Tobias Stutz’ interessante Arbeiten in derGalerie konstantin b.
Von Gabriele Mayer, MZ

Bilder von Tobias Stutz Foto: Galerie

Regensburg. Regelmäßig stellt die Galerie konstantin b. in Regensburg vielversprechende junge Künstler vor, die nicht primär aus der hiesigen Region kommen. Auch diesmal bewies Galerist Bernhard Löffler ein gutes Gespür für interessante Nachwuchs-Arbeiten. „Fassaden“ heißt die Ausstellung mit Ölgemälden und Zeichnungen von Tobias Stutz, Jahrgang 1983, Student an der Nürnberger Akademie. Sein Thema ist die moderne Stadtarchitektur mit ihrer geraden Nüchternheit, ihren rechten Winkeln, harten Kanten und hellen Anstrichen. Pastellig unnahbar und abweisend schimmern die Bilder. Alltagsvertraut wirkt dennoch die schmutzige Sterilität der Betonwände, der Glasflächen, der Metallverstrebungen oder spiegelnden Fenstergevierte.

Optische Harmonielehre

Den ästhetischen Reiz solch moderner Formen künstlerisch einzufangen, ist in bildender Kunst und Fotografie vielfach erprobt. Piet Mondrian war einer der ersten und landete dabei in jener Ungegenständlichkeit, die sich ganz den Verhältnissen von Flächen, Linien und Farben widmet und ihre Variationen im Sinn einer optischen Harmonielehre neu austariert. Diese Geschichte der Kunst hat wiederum Auswirkungen auf die Art, wie wir heute sachlich gestylte Architektur betrachten. Darauf baut Tobias Stutz auf. Und fügt dem Bekannten kleine konzeptuelle Volten hinzu, die die Konstellation von Gegenständlichkeit und Ungegenständlichkeit aufs Korn nehmen.

Bei den Bildern haben wir erst mal Orientierungsprobleme, um in den vielfältigen abstrakten Anordnungen die ausschnitthaft dargestellte Architektur zu erkennen. Ist dies gelungen, sind wir doch gleich wieder beim ästhetischen Reiz des Ganzen. Das Licht und der Schatten spielen eine bedeutende Rolle. Dreiecke, dunklere Flächen, hellere Flächen und Flecken, deren Ursprung in offenen Fenstern, Türen oder Mauern wir nicht sehen, verfremden die Abbildungen. Und tragen zu ihrer Lebendigkeit bei. Es scheint bisweilen, als wären die Bilder aus Einzelteilen zusammengesetzt, doch die Nahtstellen sind gemalt: malerische Nachahmung der Kunst und ihrer Verfahren Montage und Konstruktion. Hier werden sie als Illusion entlarvt.

Der Reiz der Kunst

Doch Stutz’ Idee von Kunst ist nicht einfache Nachahmung, sondern die Offenheit und die Verunklärung vermeintlicher klarer Positionen. In seinen Bildern ist eine Bewegung enthalten, die entschieden zum Kunstkonzept der Nachahmung der Realität tendiert, aber mit allen raffinierten Mitteln der Konstruktion und Komposition. Einstige avantgardistische Radikalität reiner Kunst wird zwar im Trend der Zeit zurückgenommen. Doch bleibt in den Bildern eine Ahnung bestehen von diesem großen Reiz, uns etwas zu zeigen, was es sonst nicht gibt.

Bis 7. Februar, Galerie konstantin b., Am Brixener Hof, Regensburg; geöffnet: Fr. 16 bis 21 Uhr und nach Vereinbarung

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht