mz_logo

Kultur
Donnerstag, 21. Juni 2018 29° 8

Ausstellung

Die Schönheit von Rost auf der Leinwand

Karin Ruhland zeigt im Leeren Beutel in Regensburg experimentelle Landschaften in materialintensiven Bildern.
Von Gabriele Mayer

Karin Ruhland mit Renate Christin (rechts) in der Jazzclub-Galerie im Leeren Beutel. Foto: P. Burkes
Karin Ruhland mit Renate Christin (rechts) in der Jazzclub-Galerie im Leeren Beutel. Foto: P. Burkes

Regensburg.Ruhiges Braun, verschiedenste Nuancen von Braun, vor allem Rostbraun, das in ein tiefes, stabiles und hartes Dunkelbraun übergeht, dazwischen hellblaue Farb-Wischer, die durchschimmern: Solche Bilder von Karin Ruhland hängen derzeit (bis 20. April) in der Jazzclub-Galerie im Restaurant Leerer Beutel an den Wänden. Es ist die erste größere Ausstellung der Künstlerin aus Oberhinkofen. Seit Jahren experimentiert sie, und sie ist quasi Autodidaktin, wenn auch am Anfang ein Acryl-, dann ein Aquarell-Kurs standen. Ruhland hat allmählich zu ihrer eigenen Art gefunden. Material-Kunst, experimentierende Malerei könnte man das nennen.

Das Experimentieren liegt darin, dass nicht genau vorhersehbar ist, wie sich die diversen Materialien entwickeln und verhalten. Ein wenig Acryl ist zwar immer dabei, aber vor allem Rost, dazu Marmormehl mit Pigmenten oder Patina mit Rost, oder Rost mit Öl, Tusche und Beize oder Kunstharz kombiniert. Einige der Arbeiten haben ein beinahe quadratisches Format, aber viele sind eindrucksvoll in die Breite gezogen, und die Strichführung ist horizontal auf die Breitenwirkung hin ausgerichtet. Karin Ruhlands Bilder erinnern an Landschaften, an Mondlandschaften, Sonnenaufgänge, Moore, wegen der erdigen Töne, aber auch wegen der Anordnung der Farben. Eine schmale, auffallend weiße Linie verläuft zum Beispiel quer in der Mitte eines Bildes von links nach rechts. An solchen mittigen Horizontlinien werden die Erde oder das Meer vom Himmel getrennt.

Am Ende entstehen anmutige Bilder

Aber je näher man an die Arbeiten herangeht, umso mehr kippt diese Anmutung und die Ungegenständlichkeit der Bilder und vor allem die reine Materialwirkung treten hervor. Diese Arbeiten leben aus den verwendeten „Zutaten“ heraus. Es ist kein neuer Standpunkt in der Kunst, ästhetische Effekte, oft auch Zufalls-Effekte der Materialien, auszunutzen und damit zu experimentieren. Ruhland erkundet etwa die Schönheit von Rost und die Skurrilität von Strukturen.

Kuratorin Renate Christin ging diesem Herumprobieren der Künstlerin nach. Ruhland untersucht, wie die Materialien harmonieren, wie Tiefe entsteht, wie fette und magere Materialien und Farbkombinationen funktionieren, wie man die Komposition erkennt und steuert, wohin die Beizen und der selbst angesetzte Rost und die Patina driften. Das Ganze muss zudem konserviert werden, damit es nicht von der Leinwand rutscht: das Körnige, Sandige, Blasen, harte, pastose Farbstoffe und weicher, fließender und flächiger Farbauftrag. Da wird getupft, gespachtelt, gestrichen, gepinselt, grob und fein. Und das Ergebnis: anmutig.

Hier geht es zu unserem Special Ausstellungen

Hier geht es zur Kultur.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht