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Vielfalt

Die schönsten Orgeln Europas

Eine von Franz Josef Stoiber herausgegebene Buch-Neuveröffentlichung dokumentiert 39 herausragende Instrumente.
Von Gerhard Dietel

Die Trost-Orgel in der Schlosskirche Altenburg, eine Abbildung aus dem von Franz Josef Stoiber herausgegebenen Buch „Schöne Orgeln“ Foto: Felix Friedrich
Die Trost-Orgel in der Schlosskirche Altenburg, eine Abbildung aus dem von Franz Josef Stoiber herausgegebenen Buch „Schöne Orgeln“ Foto: Felix Friedrich

Regensburg.„Die orgl ist doch in meinen augen und ohren der könig aller jnstrumenten“: So äußerte sich einst Wolfgang Amadeus Mozart in einem Brief gegenüber seinem Vater. Die Faszination, die das Instrument damals auf Mozart ausübte, hat sich in den nachfolgenden Generationen bis auf den heutigen Tag nicht verloren.

Schon der Anblick der kunstvoll gestalteten Pfeifenprospekte nimmt den Betrachter gefangen, und wie viel mehr noch der zwischen gewaltig brausendem Tutti und zartesten ätherischen Wirkungen wechselnde Höreindruck der Orgeln. Technische Wunderwerke sind sie, die in ihrem Tonumfang alle anderen Instrumente übertreffen und an Vielfalt der Klangfarben ohne Weiteres mit einem großen Orchester wetteifern oder es gar in den Schatten stellen können.

„Schöne Orgeln“ ist ein soeben erschienener, von Regensburgs Domorganisten Franz Josef Stoiber im Figaro-Verlag (Laaber) herausgegebener Band betitelt, der dem Leser in opulenter Aufmachung 39 herausragende Instrumente vorstellt. Die Entscheidung, welche „schönen“ oder vielmehr „wichtigen“ Orgeln im Buch berücksichtigt werden sollten, war freilich nicht leicht zu treffen und wurde letztlich auch von geografischen Rücksichten gesteuert. Das Ergebnis darf repräsentativ genannt werden. Quer durch die Epochen und durch die nationalen Orgellandschaften Europas führt die von Franz Josef Stoiber getroffene Auswahl den Leser, von Portugal und Spanien im Südwesten bis nach Lettland im Osten, und in Süd-Nordrichtung von Italien bis nach Großbritannien.

Die wichtigsten Daten zum Buch

  • Herausgeber:

    39 „schöne Orgeln“ aus ganz Europa beschreiben zahlreiche internationale Autoren in der vorliegenden Buch-Neuveröffentlichung, die vom Regensburger Domorganisten Franz Josef Stoiber herausgegeben wurde.

  • Preis:

    Erschienen ist der Band mit der ISBN 978–3–946798–17–0 im „Figaro-Verlag“ (Laaber). Er hat einen Umfang von 314 Seiten, enthält circa 120 farbige Abbildungen und kostet 58 Euro.

Das heimliche Zentrum

Einen zahlenmäßigen Schwerpunkt bilden freilich die 19 hier vorgestellten Orgeln aus deutschen Landen. Altehrwürdige sind darunter wie die Silbermann-Orgel im Dom St. Marien von Freiberg (Sachsen) oder die Arp-Schnitger-Orgel der Hauptkirche St. Jacobi Hamburg, doch auch ganz junge wie die durch ihre freie Aufhängung technisch so spektakuläre Mathis-Orgel im Regensburger Dom. Letztere bildet das heimliche Zentrum des Bandes, oder besser seinen Entstehungsanlass: „Die Idee zu diesem Buch entstand im Zusammenhang mit dem Bau der neuen Orgel im Regensburger Dom“, stellt Franz Josef Stoiber im Vorwort fest.

Was wird dem Leser jeweils von den Autoren der Einzelbeiträge geboten? In der Regel zunächst eine einleitende Geschichte der Kirchenmusik in der jeweiligen Stadt, dann Entstehungsanlass, Bau und Disposition des Instruments, schließlich seine Entwicklung bis zur Gegenwart, häufig geprägt von Beschädigungen, Restaurierungen und Umbauten im Zuge von Geschmackswandlungen. Das beigefügte reichhaltige Bildmaterial beginnt jeweils mit einer Ansicht des Orgelprospekts und zeigt den Zusammenhang zwischen Kirchenraum und Instrument. In den Textblock ist stets ein kurzer „Steckbrief“ (mit stichwortartigen Kurzbeschreibungen) eingebunden, eine „Mediathek“ bietet abschließend Literatur- oder Internethinweise und nennt CD-Einspielungen. Eine Besonderheit sind die individuell gestalteten „Epiloge“, kurze Geschichten, in denen oftmals eine persönliche Beziehung der Autoren zu den beschriebenen Orgeln deutlich wird.

Ein berührendes Erlebnis

Im Fall der neuen Regensburger Domorgel berichtet Franz-Josef Stoiber in seinem „Epilog“ von einem berührenden Erlebnis. Ein Orgelliebhaber aus Südafrika habe in einer Filmdokumentation von dem spektakulären neuen Instrument erfahren und sei darüber in helle Begeisterung geraten. „Nun wollte er nach Regensburg kommen und diese Orgel hautnah erleben, das sei sein größter Wunsch. Wenige Wochen später traf der ältere Herr vom afrikanischen Kontinent ein. Ehrfürchtig betrat er die Kathedrale und blickte staunend zur Orgel. Mit dem Orgellift traten wir die „letzte“ Reise ins Orgelinnere an. Als ich nun die Orgel zu spielen begann, war mein weit gereister Besucher so gerührt, dass er die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte und wollte: Sein lange gehegter Wunsch war Wirklichkeit geworden.“

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