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Die Summe des Durchdachten und Erfühlten

Der seit 1965 in Niederbayern lebende Bildhauer Hans Rieser hat in seiner ostbayerischen Wahlheimat viele Spuren hinterlassen
Meixner Andreas

Der Bildhauer und Zeichner Hans Rieser
Der Bildhauer und Zeichner Hans Rieser Foto: MATTHIAS BSCHEID

Straubing.Hans Rieser hat sich den Zugang zu seinen eigenen Formen der Kunst hart erkämpft. Der 1934 in Tirol geborene und seit 1965 in Niederbayern lebende Bildhauer hat in seiner ostbayerischen Wahlheimat viele Spuren hinterlassen, darunter etwa die riesige Brückenplastik an der Donaubrücke bei Bogen oder die Bronzeskulptur Thalia vor dem Straubinger Theater Am Hagen. Zahlreiche Brunnen aus seinen Händen zieren viele Dorfplätze, in nicht wenigen Kirchen und Kapellen finden sich Zeugnisse seiner enormen und vielseitigen Ausdruckskraft.

In seinen Plastiken und Zeichnungen spiegelt sich jene Detailversessenheit wider, die in den vielen Jahrzehnten nie verloren geht, sich aber stets weiterentwickelt, bis hinein in schlichte Aktzeichnungen, die scheinbar aus einem Strich, aus einer Bewegung heraus entstehen. Die immer stärkere Reduzierung und die Beschränkung auf das Wesentliche lassen ihn die Technik der Bleistiftzeichnung als adäquates und völlig ausreichendes Ausdrucksmittel erkennen.

In Hans Riesers Werk ist das Gegensätzliche ein tragendes Element, führt zu Brüchen, aber in seinen Skulpturen aus Holz, Stein und Bronze auch zu einer wuchtigen Eindringlichkeit, die in den Bann zieht und die Augen nach mehr verlangen lässt. Wenn sich Adam und Eva aus einem geteilten Baumstamm förmlich herausschälen, dann wird der Geburtsmoment des Menschen ganz unmittelbar greifbar.

Eine große Inspiration sind Aufenthalte in Griechenland, unzählige Zeichnungen vermessen die Kargheit der ägäischen Landschaft und die Architektur der Bergdörfer. Die tiefe Verbundenheit zur Natur ist ein anderer künstlerischer Eckpfeiler, an dem die Liebe zum Detail zum Vorschein kommt – als Mikrokosmos einer fast fotografischen Genauigkeit, aber stets in der wohlgesetzten Freiheit, die der Künstler sich selbst zugesteht.

Der Musikwissenschaftler und Publizist Thomas Emmerig hat nun mit Hilfe der Kunsthistorikerinnen Claudia Böckel und Roswitha Mair eine umfassende Werkbetrachtung im Morsbach Verlag vorgelegt, die sich nicht nur alleine in der präzisen Analyse, Beschreibung und Einordnung des Oeuvres erschöpft, sondern auch den Menschen Hans Rieser und seine Biographie stets in den Mittelpunkt stellt und Raum für die künstlerische Eigenreflexion entsteht. Die Autoren lassen den Künstler zu Wort kommen, wenn er über seine „bedingungslose Hingabe an eine freie Künstlerexistenz“ spricht, oder markig seine Grundinspiration beschreibt: „Mich interessiert der Mensch. Aber die Linie und ihr grafischer Reiz nehmen mir den Atem.“

Das wichtigste Ergebnis ist zweifellos, dass zum ersten Mal überhaupt der gesamte Umfang des künstlerischen Werkes von Hans Rieser in den wichtigsten thematischen Bezügen abgebildet wird – mit einer Fülle von Darstellungen und Fotos.

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