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Ausstellung

Mit Moni Müller in der Hängematte

Die Düsseldorferin zeigt eine ungewöhnliche Multi-Media-Schau in Regensburg.
von Gabriele Mayer

Die Künstlerin Moni Müller hat aus Werbebroschüren eine Hängematte gemacht. Foto: wolfram schmidt
Die Künstlerin Moni Müller hat aus Werbebroschüren eine Hängematte gemacht. Foto: wolfram schmidt

Regensburg.„Verdichtung“ lauten einige Titel der Werke, die die Künstlerin Moni Müller aus Düsseldorf im Neuen Kunstverein zeigt. „Verdichtung“ trägt in der Psychologie die Bedeutung von: Etwas nicht aussprechen können, es hinunterschlucken, innerlich gelähmt sein. Die Ausstellung hat viel mit der Person der Künstlerin zu tun, mit ihren Erfahrungen und mit dem, was sie daraus macht: Damit, dass die Energie, die Wärme, die verschlossen, verdichtet, hinuntergeschluckt und im Körper, im Denken und Fühlen angesammelt sind, umgewandelt werden und sich nach außen in die Energie eines Werks tragen, und so erneut eine andere Art von Verdichtung erzeugen. Darum geht es hier.

Schon beim Aufbau der Ausstellung wurden Vorübergehende von der überdimensionierten Hängematte angezogen, mit der einer der Schauräume fast ganz ausgefüllt ist. Sie besteht aus zu Knäueln verdichteten Werbe-Broschüren von Discountläden. Solche Zettel sind so hässlich, sagt die Künstlerin, dass sie etwas damit machen musste. Sie hat sie zu kleinen Ballen geformt, mit Draht umwickelt, dicht an dicht aufgefädelt und zu einem Mattennetz arrangiert, in das man sich am liebsten hineinlegen würde. Wie eine Steppdecke wirken die kugeligen kleinen, kunterbunten Papier-Ballen. Einladend, zum Ausruhen, – „Lazy sunny afternoon“ lautet der Titel der Schau – , zum Schaukeln statt zum Hetzen, statt zu kaufen, was man vielleicht nicht braucht und sich dabei leer verausgabt. Dann Fäden und Samen aus getrocknetem Federgras zu kleinen Bündeln verdichtet, wie Engelshaar: Sie demonstrieren hinter Glas erneut wie Verdichtungen wirken, wenn sie vergegenständlicht sind.

Am Abend der Ausstellungs-Eröffnung aber passierte bei einer Performance von Moni Müller das vielleicht Erstaunlichste. Das Ergebnis kann man während der gesamten Ausstellungsdauer betrachten. Die Geschichte geht so: Die Künstlerin hat über Jahre hinweg Notizbücher geführt und alles Mögliche, Wichtige, Pläne und Erinnerungen dort eingetragen. Die Bücher liegen jetzt auf einem Stapel. Es gehören des weiteren Nadel und Faden zu dieser Performance und ein sehr, sehr großes, überdimensioniertes Kinderkleid aus leuchtend rotem, seidigem Stoff, neben dem die Künstlerin saß. Aus den Notizbüchern riss sie nun bei der Performance immer wieder eine Seite heraus, steckte sie in den Mund, speichelte sie ein, kaute sie, nahm sie wieder aus dem Mund und nähte das nasse Knäuel in das leuchtend rote, riesige Kinderkleid ein. Was auf diesen Notizbuch-Seiten stand ist nun nicht mehr leserlich. Der Vorgang hat etwas Elementares, auch Märchenhaftes und Körperhaftes und gerade deshalb wirkt er so überzeugend in der ganzen Ambivalenz und Unauslotbarkeit der Empfindungen, die die Künstlerin selbst und die Betrachter dabei haben mögen. Die Ausstellung ist bis 11. August im Neuen Kunstverein zu sehen.

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