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Kultur
Montag, 20. August 2018 30° 1

In eigener Sache

Die wahren Sorgen eines Bürgermeisters

Ein Kommentar von Claudia Bockholt

Für einen grünen Bürgermeister gibt es in Regensburg viel zu tun: Pendler stehen im Dauerstau, Donau-Anwohner werden von Kreuzfahrtdiesel bedampft, das Flair der Altstadt leidet unter Parkplatzsuchverkehr und Hunderten Bussen, die völlig unzeitgemäß noch mitten durch die Stadt rumpeln. Da wartet reichlich Arbeit.

Jürgen Huber setzt indes andere Schwerpunkte. Am Mittwoch erreichte uns ein Schreiben aus dem Rathaus – mit dem Briefkopf des Oberbürgermeisters. Absender: Jürgen Huber. Adressat: die Chefredaktion. Inhalt: eine wortreiche Beschwerde darüber, dass die MZ „immer“ nur negative Schlagzeilen zum Stadttheater finde, die Bedeutung und die erfolgreiche Entwicklung dieser fabelhaften Kulturinstitution aber nicht ausreichend würdige.

Man reibt sich erstaunt die Augen angesichts der Unterstellung, die MZ werfe dem Theater vor, „nach Gutdünken“ Geld auszugeben und zu ignorieren, dass 319 Beschäftigte „mit viel Leidenschaft und Herzblut“ ihrer Arbeit nachgehen. Was für ein kapitaler Fehler muss da passiert sein, dass eine zweiseitige Klageschrift „im Namen aller Verwaltungsratsmitglieder und der Theaterleitung“ gleich als offener Brief breit gestreut wird?

Nun: Die MZ hat, wie jedes Jahr, über die Bilanz des Theaters berichtet. Die wirtschaftliche, wohlgemerkt. Die Bewertung der künstlerischen Arbeit findet umfangreich und meist positiv auf den Kulturseiten statt.

Der Brief zeugt von einem seltsamen Demokratieverständnis. Und er greift Lokaljournalismus in seinem Kern an.

Die Kollegin der Lokalredaktion hat wahrheitsgemäß berichtet, dass das Theater die städtische Einrichtung mit dem höchsten Zuschussbedarf – 13,1 Millionen Euro – ist, dass das Theater aber grundsätzlich solide wirtschafte, die Einnahmen dank guter Auslastung in den vergangenen Jahren sogar gesteigert wurden, die hohen Personalkosten aber nicht durch höhere Eintrittspreise ausgeglichen werden können. Normale Berichterstattung also, faktenbasiert und ausgewogen.

Dass dieser im besten Sinne aufklärerische Journalismus bei Bürgermeister Huber derartige Wallungen auslöst, dass er die Abwesenheit von Frau Maltz-Schwarzfischer gleich für einen offenen Brief mit OB-Siegel nutzt, ist ein ziemlich einmaliger Vorgang. Und er wirft Fragen auf: Haben die Bürger kein Recht darauf zu erfahren, was mit ihrem Steuergeld geschieht? Denkt Huber, sie seien nicht mündig genug, selbst zu entscheiden, ob 13 Millionen für das Theater in ihren Augen gerechtfertigt sind oder nicht?

Der Brief zeugt von einem seltsamen Demokratieverständnis. Und er greift Lokaljournalismus in seinem Kern an. Damit erweist Bürgermeister Jürgen Huber der Stadt und ihren Bürgern einen Bärendienst.

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