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Souljazz

Die warme Kirchentonart des Jazz

Yankee Meier beschwört im Leeren Beutel mit seiner Groovegang die Seele des Jazz.
Von Peter Geiger

Thorsten Skringer veredelt mit seinem Saxphon den Auftritt von Yankee Meiers Groovegang.  Foto: Gerhard W. Schmid
Thorsten Skringer veredelt mit seinem Saxphon den Auftritt von Yankee Meiers Groovegang. Foto: Gerhard W. Schmid

Regensburg.Dass Saxophonisten den Unterschied ausmachen, im Jazz wie im Soul, das ist eine Binsenweisheit. Fast 30 Jahre ist es her, da trällerte eine Sängerin namens Shanice ein eher harmloses Liedchen mit dem Titel „I love your smile“. Spätestens aber, wenn sie Superstar Branford Marsalis mit einem lasziven „Blow, Branford, blow!“ zum Saxophonsolo bat, dann war klar: Hier war ein Veredelungsprozess im Gange. Meterware wandelte sich zu einem Stück Extraklasse.

Ähnliches hat sich wohl auch der Regensburger Gitarrist Yankee Meier gedacht, als er bei Thorsten Skringer anfragte: Ob der Saxophonist nicht seine Groovegang verstärken wolle? Und der wollte prompt. Bekanntgeworden ist der Bläser durch sein Mitwirken bei den Heavytones – jener Showband, die lange Jahre dem Treiben von Stefan Raab in seiner TV-Total-Show Glanz verlieh.

Für Thorsten Skringer wiederum, der aus Zwiesel stammt und in Regensburg die Basis für seine musikalische Ausbildung legte, war das Angebot eine Genugtuung der Extraklasse: Darf er doch jetzt in Gestalt von Yankee Meier einen Gitarristen begleiten, zu dem er als Novize einst respektvoll aufblickte.

Beim Gastspiel im Leeren Beutel ist spätestens beim zweiten Stück, dem Jaco Pastorius-Klassiker „The Chicken“ klar, worum es an diesem Abend geht: Um zwei Prozent Jazz nämlich, der um 98 Prozent Soul und Funk angereichert wird. Bei dieser Spielart des Jazz, die in den 1960er Jahren von den Gebrüdern Adderley oder den Crusaders aus der Taufe gehoben wurde, dominieren Breakbeats, scharfe Themen und warme Harmonien.

Man könnte fast sagen: Bei aller Wildheit der Rhythmen (Funky-Drummer Peter Kraus war heuer im Frühjahr mit San2 schon mal in Regensburg) – die Themen dieser Kompositionen, sie entfachen rundweg glühweinartige Temperaturen. Vielleicht werden sie ja gerade deshalb von jeder Generation neu entdeckt? So war jedenfalls das im Anschluss auf der Playlist stehende „Cantaloupe Island“ von Herbie Hancock in den mittleren 90er Jahren das Stück, das am meisten zu jener Art von Soul-Revival beitrug, die damals unter dem Label „Acid Jazz“ lief.

Zweimal eine Stunde begeistert Yankee Meiers Groovegang an diesem Abend. Überhaupt scheinen die Musiker mit allen Wassern gewaschen und komplett infiziert worden zu sein, vom Soulvirus: Tom Kölbl leistet an den Tasten vor allem solistisch Großes. Bassist Hans Attenberger legt einen engmaschigen Rhythmusteppich aus. Und Yankee Meier verströmt mit seiner Stratocaster ein solches Maß an Spielfreude, dass Thorsten Skringer ihm wieder neidisch auf die Finger schaut. Und seine Spielpausen mit Luftgitarrengriffen überbrückt.

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