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Konzert

Die Welt der Musik einmal anders

Kristian Kuhnle lud zu einem heiteren Hörgenuss ein. Es wurde ein wohltuend ungekünstelter Abend mit Klavierinterpretationen.
Von Elisabeth Angenvoort

Beim Donauwalzer durfte getanzt werden.  Foto: Elisabeth Angenvoort
Beim Donauwalzer durfte getanzt werden. Foto: Elisabeth Angenvoort

Regensburg.Minutenlang hielt das erwartungsvolle Schweigen an, nachdem der Künstler Kristian Kuhnle die Bühne betreten hatte, deren minimalistische Ausstattung (ein Stuhl, ein Piano) vordergründig der übersichtlichen Anzahl an Zuschauern entsprach. Tatsächlich gestaltete sich der Abend unter dem Titel „Musik mal anders – Weiteres und Heiteres“ als wohltuend ungekünstelte und zugleich ganz persönliche Interpretation bekannter wie weniger bekannter Melodien, eingebettet in so kurzweilige wie informative Geschichten zu den jeweiligen Hintergründen: Natürlich hätte man sich dafür ein größeres Publikum gewünscht. Der Intensität und Interaktion zwischen Künstler und Zuschauern tat dies indes keinen Abbruch.

Sein Ziel sei es, immer wieder zu überraschen, sagte Kuhnle; deshalb habe er kein vorgefertigtes Programm. Er begann mit der für Klavier transkribierten Interpretation des Choros 1 des brasilianischen Komponisten Heitor Villa-Lobos – einer Hommage an den vor wenigen Tagen verstorbenen Jazz-Gitarristen Helmut Nieberle, „einer der besten Gitarristen nicht nur Regensburgs“. Dass im Beethoven-Jahr 2020 der Schlager „Für Elise“ nicht fehlen durfte, lag auf der Hand; allerdings „in der einzig richtigen Fassung“, nämlich im langsamen Tempo und mit der ausdrücklichen Aufforderung an das Publikum, „kräftig mitzuseufzen“. „Denken Sie immer daran, dass es nicht nur Noten sind, die Sie hören, sondern eine Geschichte“, sagte Kuhnle, der zudem anhand der Beethovenschen, avokalischen Kurzsignatur das Rhythmusgefühl und die Kooperationsbereitschaft seiner Zuhörer testete.

Es folgte eine wunderbare Klavierinterpretation von Frank Sinatras „My Way“ sowie die musikalische Erinnerung an die großartige Zusammenarbeit Charles Dumonts mit Edith Piaf. Das Publikum war zum Mitsingen aufgerufen.

Mit Mozarts „Ave verum“ führte Kuhnle in den zweiten Teil des Abends, der zunächst geprägt war von verhaltenen Tönen wie der „Träumerei“ Robert Schumans und, diesen „Zustand des Wegdämmerns“ in jazziger Version beschreibend, „Dreamer“ von Antonio Carlos Jobim – Entspannung durch alle Tonarten hindurch. Nach dem Intermezzo in A-Dur von Johannes Brahms, welcher in Wien mit Johann Strauß freundschaftlich verbunden war, dürfte dessen Donau-Walzer, von Kuhnle schwungvoll auf dem Klavier intoniert, den Höhepunkt des Abends gebildet haben. Gibt es doch nicht oft die Gelegenheit, im Rahmen eines Konzertes zu tanzen. Mit seinem „absoluten Lieblingsstück“ beendete Kuhnle den Abend; leise, so wie er ihn begonnen hatte: mit Händels Arie aus der Oper „Rinaldo“ in einer „traumhaften Fassung“ des romantischen Komponisten Moritz Moszkowski.

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