Jon Bon Jovi, 1962 als John Francis Bongiovi in Perth Amboy (New Jersey) geboren, ist seit mehr als drei Jahrzehnten als Sänger, Songschreiber und Schauspieler erfolgreich. Foto: dpa
New York.Von „Livin‘ on a Prayer“ über „Bed of Roses“ bis „It’s My Life“: Seit mehr als 30
Jahren feiern Bon Jovi einen Hit nach dem anderen. Jetzt bringt die Band mit „This
House is not for Sale“ ihr 14. Studioalbum heraus. Es sei ein Zeichen des Zusammenhalts
in einer „Zeit der Wiedergeburt“, sagt Frontmann Jon Bon Jovi im Interview der Deutschen
Presse-Agentur – und verrät wegen welchem Kollegen er einfach nicht aufhören kann
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#Hier hat alles begonnen. In diesem Raum haben wir unser erstes Album aufgenommen und
schon vorher, bevor es die Band gab, hatte ich hier „Runaway“ aufgenommen und mir
da drüben immer Kaffee geholt. Vor 36 Jahren habe ich hier als Laufbursche angefangen
und jetzt, in dieser Zeit der Wiedergeburt, haben wir hier unser neues Album aufgenommen,
das hat auch eine gewisse Ironie.
#Sie feiern seit mehr als 30 Jahren Erfolge – wie halten Sie sich motiviert und diszipliniert,
um immer wieder etwas Neues auf den Markt zu bringen?
#Mich treibt das Schreiben an, mehr als alles andere, mehr als das Aufnehmen, definitiv
mehr als auf Tour zu gehen. Wenn man schreibt, kreiert man - die mysteriöse Frage,
ob es gut ist, löst man dann im Studio. (...) Im Studio kommt Leben rein, dann fühle
ich mich schon gut, und wenn man dann rausgeht und es zum ersten Mal für die Menschen
spielt, dann weißt du wirklich, ob es funktioniert oder nicht. „Always“ hatte ich
zum Beispiel eigentlich für einen Film geschrieben, aber dann habe ich es denen doch
nicht gegeben, sondern wir haben es für das „Crossroads“-Abum aufgenommen. Wer hätte
ahnen können, wie groß das wird? Es war ein Monster-Song! Ich hatte keine Ahnung und
ich habe ihn geschrieben. Aber du musst dahin kommen, dass die Menschen sich die Songs
zu eigen machen. Das treibt mich immer weiter an.
#Gibt es auf dem neuen Album wieder eine Rock-Hymne?
#„This House is not for Sale“ ist mir sehr wichtig. Diesen Song lebe ich. Es geht um
mein Herz, meine Seele, mit jeder Zeile haue ich mir auf die Brust, denn es geht um
die Integrität der Band nachdem sie am Ende der letzten Tour in Frage gestellt wurde.
Nur weil unser Gitarrist Richie Samborra nicht mehr zur Arbeit gekommen ist, werde
ich mir nicht unseren jahrzehntelangen Erfolg kaputtreden lassen. So sehr wir den
Typ auch vermissen, lassen wir es uns davon nicht kaputtmachen, das wäre nicht fair.
#Wenn Sie auf ihr bisheriges Leben zurüsckschauen, bereuen Sie etwas?
#Nein. Die Hochs, die Tiefs – ich war nie einer dieser hätte-wäre-sollte-Typen. Möglicherweise
habe ich einige Dinge nicht geschafft oder war enttäuscht vom Ergebnis, aber es gab
nie einen Tag, wo ich das Gefühl hatte, versagt zu haben - ich hätte mein Leben nicht
anders leben wollen.
#Sie haben auf Tour ein Luxus-Problem: Sie wollen neue Songs spielen – aber alle wollen
die Klassiker hören. Wie gehen Sie damit um?
#Bei bester Gesundheit kann man in einem Set mit 25 Songs vielleicht neun neue Songs
unterbringen, die restlichen 16 müssen aus dem Katalog kommen. So sehe ich das zumindest.
Man kann nicht alle Balladen-Hits an einem Tag spielen, das sind zu viele langsame
Songs. „Livin‘ on a Prayer“ und „Wanted Dead or Alive“ muss man immer spielen, das
geht nicht anders. Aber einen Abend kann man „Always“ spielen, am nächsten „Bed of
Roses“, dann „I’ll Be There For You“. So funktioniert das.
#Im Lauf Ihrer langen Karriere hat sich die Musikindustrie um Sie herum sehr verändert
– wie halten Sie Schritt?
#Ich konsumiere Musik nicht mehr so wie früher und auch nicht mehr so oft. Nutze ich
Streaming-Dienste? Hm. Ja, im Sommer hatten wir da was laufen, aber ich habe keinen
abonniert. Es ist eine komplett andere Welt. Die Musik-Industrie, die ich kenne, gibt
es nicht mehr. Mir ist nur wichtig, dass sie die Kunstformen erhalten - Musik, Filme,
bildende Kunst, Bücher, das hängt alles voneinander ab. Und wenn das weiter ausgehöhlt
wird, kann die Geschichte nicht auf die nächste Generation übergehen, dann wird unser
Planet verdummen. Heutzutage sagen Kinder, wenn man sie nach ihren Berufswünschen
fragt, dass sie berühmt werden wollen – das ist kein Beruf! So ist das geschaffen
worden und ich mache dafür die Musik-Industrie, die Film-Industrie und die Politik
verantwortlich, die die Künste aus den Schulen genommen haben.
#Wie können Bands wie Bon Jovi relevant bleiben?
#Mit Songs, die ehrlich sind und von Herzen kommen. Wenn man einen Song von einem reinen
Ausgangspunkt aus schreibt, ohne auf Trends oder Moden zu achten, dann werden die
Menschen ihn zu ihrem eigenen machen.
#Sie waren so viel auf Tour – wie hält man da seine Wurzeln?
#Man muss einen Partner haben, der einem das ermöglicht. Und meine Kinder sind da rein
geboren, das ist alles, was sie kennen. Es ist das Leben, das wir uns ausgesucht haben.
#Hören Ihre Kinder Bon Jovi?
#Sie kennen meine Musik, klar. Ob sie von den ersten Alben alle Songs kennen, das bezweifle
ich, aber sie kennen alle Hits.
#Was haben Sie für Erinnerungen an Deutschland?
#Ich kann mich noch erinnern, als es die Mauer noch gab, dann an den 25. Jahrestag
des Mauerfalls, als wir dort gespielt haben. Auch im Zirkus Krone in München haben
wir gespielt und ich war in der früheren DDR – tausend Erinnerungen, gute Freunde
bis heute und sehr treue Fans.
#Nächstes Jahr werden Sie 55. Denken Sie ans Aufhören, oder sind Sie eher der Rolling
Stones-Typ?
#Ich kann mir keine Frist setzen, weil ich noch stolz genug bin. Diese Platte bedeutet
mir viel, also will ich sie wie einen Orden an der Brust tragen. Aber der Gedanke
daran, das 90. Konzert einer Tour zu spielen, das interessiert mich nicht. Aber wenn
ich gesund genug bin es auf die Art und Weise zu machen, dann werden wir wieder rausgehen.
Nur nicht so lang. Hoch lebe Mick Jagger, er war für mich immer die Messlatte, auf
der Bühne ist er mein Held, der Beste vom Besten. Wenn er aufhören würde, wüsste ich
zumindest, wo ungefähr die Endzone ist, aber er legt sich ja einfach nicht hin! Also
müssen wir alle - Neil Young, Roger Waters, Bono, Bruce Springsteen - immer weiter
Jagger die Straße runterjagen.
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