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Geheimtipp

Diese Instrumente sind die Exoten

Marimba, Vibraphon und Orgel sind zunehmend beliebt. Beim Jazzweekend sind sie dieses Jahr auffallend stark vertreten.
Von Sebastian Wintermeier

„Die Leute fragen sich: ,Was macht der da?‘“, sagt Florian Bührich (links, mit Marimba, und Felix Prihoda am Vibraphon). Foto: Heinz Prihoda
„Die Leute fragen sich: ,Was macht der da?‘“, sagt Florian Bührich (links, mit Marimba, und Felix Prihoda am Vibraphon). Foto: Heinz Prihoda

Regensburg.Vibraphonist Florian Bührich und Organist Andreas Osterholt sind Musiker verschiedener Bands. Was sie verbindet: Beide haben Instrumente im Gepäck, die das Publikum zunehmend schätzt.

Beim diesjährigen Jazzweekend sind Orgel, Vibraphon und Marimba stark vertreten. „Während man im Jazz zum Beispiel viele Gitarren sieht, genießen Vibraphon und Marimba noch einen gewissen Exotenstatus“, erzählt Bührich im MZ-Gespräch. Der gebürtige Niedersachse bearbeitet beim Jazzweekend die Marimba im Duo mit Vibraphonist Felix Prihoda.

Konzert-Termine

  • MarimbaVibes:

    Die Nürnberger sind beim Jazzweekend am Samstag, 21. Juli, 11 Uhr, am Kohlenmarkt zu erleben. Neben Eigenkompositionen spielen sie Latin-Klassiker wie Chick Corea’s Spain und Stücke von Keith Jarret.

  • Trio OMP:

    Mit der Band spielt Andreas Osterholt am Sa., 11 Uhr, im Brauhaus am Schloss. Helmut Kagerer ersetzt Gitarrist Yankee Meier.

  • Andreas Osterholt:

    Mit seiner Orgel ist er auch beim Konzert von Jazzymotion am 22. Juli, 15 Uhr, im Brauhaus am Schloss zu hören. (mws)

Das Vibraphon hat eine treue Fangemeinde. Was aussieht wie ein großes Xylophon mit metallenen Platten, ist in den 1920er Jahren als Klavierersatz speziell für den Jazz erfunden worden. Musiker wie Milt Jackson oder später Gary Burton, der viel mit Chick Corea zusammengearbeitet hat, haben das Instrument weltweit bekannt gemacht.

Bei der Marimba ist das anders. Beim Vorgänger des Vibraphons sind die Platten nicht aus Metall, sondern aus Holz. Die Marimba trägt gleich so viele davon, dass man ganze zwei Oktaven tiefer spielen kann als auf dem Vibraphon. Das ermöglicht große harmonische Bewegungen und macht sie in Bührichs Band „MarimbaVibes“ zum perfekten Begleitinstrument des höher klingenden Vibraphons.

Bührich, der Mitinhaber einer Nürnberger Berufsfachschule für Musik ist, versteht es, einem Lust auf die Marimba zu machen: „Es ist die perfekte Fusion aus Harmonie, Melodie und Rhythmus, also aus Klavier und Schlagzeug!“ Den Weg zur Marimba hat der 42-Jährige über genau diese beiden Instrumente gefunden.

Schweres Schleppen

Die Marimba habe ihm eine völlig neue Welt eröffnet, die er schrittweise betreten hat. „Für die Zuhörer ist es spannend zuzuschauen. Denn fast sieht es zärtlich aus, so, als ob ich die Platten der Marimba streichle, wenn ich einen Ton mit einem der vier Schlägel abdämpfe, um danach den nächsten Ton anzuschlagen. Die Leute fragen sich dann: ,Was macht der da eigentlich?‘“ Energischer geht es beim Transport solch großer Instrumente zu. Als Student musste Bührich einen Kredit für einen VW-Bus aufnehmen. Darüber, dass ihm dieser später direkt vor der Haustüre geklaut worden ist, kann er heute herzlich lachen: „Anders als sonst hatte ich an dem Abend, bevor der Dieb kam, meine Instrumente vom Bus ins Haus geschleppt.“

Organist Osterholt kennt solche Transportprobleme: „Wenn man mit einer 200 Kilogramm schweren Hammond-Orgel unterwegs ist, dann am besten in einem LKW mit Hebebühne.“ Weil es mittlerweile nur elf Kilogramm schwere digitale Nachbauten gibt, reicht auch ein normales Auto. Das garantiere aber keine reibungslose Heimfahrt, erzählt der Organist: „Auf dem Weg nach Hause von einem Auftritt hat mich einmal um drei Uhr morgens eine Polizeistreife angehalten. Der Beamte nahm es sehr genau und wollte Verbandskasten und Warndreieck sehen. Als ich den Kofferraum aufmache, sieht er meinen Leslie-Verstärker und entpuppt sich als Jazzenthusiast. Der hat mich glatt weiterfahren lassen!“

Ein einfach cooler Sound

Wie beim Jazzhören überhaupt kann es auch bei der Wahl des Instruments dauern, bis man auf den Geschmack kommt. Als Os-terholt 14-jährig zum ersten Mal eine Hammond-Orgel mit typisch schwebendem Klang hörte, war es der Standard „Ain’t misbehavin“ auf einer Platte von Count Basie. „Der typische Hammond-Orgel-Sound – der Leslie-Effekt, der durch die Rotation des Lautsprechers entsteht – hat mir überhaupt nicht gefallen!“ Es hat etwas gedauert, aber heute ist das „einfach sehr cool.“

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