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Differenzierter Blick ins Buch des Lebens

Christa Nothtroff präsentiert in Regensburg Arbeiten verschiedener Werkgruppen. Sie nähert sich auch Zitaten von Murakami.
Von Gabriele Mayer, MZ

Eine Ausstellungsbesucherin vor einer Arbeit von Christa Nothtroff: Die Künstlerin bearbeitet auch Zitate von Murakami.
Eine Ausstellungsbesucherin vor einer Arbeit von Christa Nothtroff: Die Künstlerin bearbeitet auch Zitate von Murakami.Foto: Haimerl-Brosch

Regensburg.Der Neue Kunstverein präsentiert nicht nur Werke regionaler Künstler, vielmehr blickt er auf immer wieder anregende Weise über den Tellerrand hinaus.

Zurückhaltende, winterliche Farben zeigt die Schweinfurter Künstlerin Christa Nothtroff. Natur und Verwandlung sind für sie zentrale Begriffe: Das Gesehene bleibt erkennbar, und es hat doch eine neue Gestalt und einen anderen Ausdruck. Sehr abstrahiert und reduziert sind ihre Arbeiten. Vor allem Linien werden betont. Die Schau zeigt ausschnitthaft verschiedene Werkreihen.

Gemalte Boote: eine massige und doch farblich auch poröse Form in monochromem Hintergrund schwebend. Leicht erscheint hier alles. Oder anders gesagt: Umrisslinien in Absetzung von einer weißen oder grauen Fläche sind zu sehen, zeichenhaft und belebend treten Linien hervor – und zurück in die Vielschichtigkeit der Farbe.

Durch Bilder blättern wie durch ein Buch

„Winterspuren“ heißt ein Buch, das etliche Mischtechnikbilder von Christa Nothtroff zeigt. In der Ausstellung sind sie großformatig im Original zu sehen, und zwar aufeinandergestapelt, so dass man sie wie ein Buch nacheinander ansehen kann. Weiße, pastose Farbschichten beherrschen die Flächen, dazu Blaugrau, dunkles Braun wie Erde und Schmutz. Geschabte Stellen, Collagierungen und Foto-Inserts zeigen sich partiell, unterschiedliche Oberflächenstrukturen, dazu dunkle Linien wie Grashalme oder Äste in den weißen Flächen: Schnee- und Winter-Natur, die die Umrisslinien der Dinge sehen lässt. Abstraktion ist Zurückhaltung, aber hier auch eine poetische Art der Wiedererkennung, als Anmutung. Der zweite und soundsovielte Blick ist gefragt und die Bilder halten ihn aus, geben ihm Material.

Ausstellungen beim Neuen Kunstverein Regensburg: hier mehr.

Zwei großformatige Gemälde sind vollständig mit Linien versehen. Es sind handschriftliche Textzeichen, und es handelt sich um Zitate aus Büchern des Schriftstellers Haruki Murakami, die Christa Nothtroff ohne Angaben von Autor und Herkunft notiert hat. Weniger als Kalligraphie ist die Schrift gedacht, wohl aber als eine in der ästhetischen Form erreichte Information, als Bedeutung, die man entziffern kann. Es geht auch dabei um Natur, genauer: um das Biographische, um das, was einem zustößt, und um das Empfundene. Um die Poetik in der Natur, und um die Interpretation der Natur, um Sicht- und Fühlweisen der menschlichen Natur.

Eine Arbeit von Christa Nothtroff aus der Ausstellung beim Neuen Kunstverein Foto: Nothtroff
Eine Arbeit von Christa Nothtroff aus der Ausstellung beim Neuen Kunstverein Foto: Nothtroff

Kunst, also auch Literatur, ist immer das Neue, die andere Deutung der Welt, eine der unzähligen individuellen, ganz persönlichen Codierungen der menschlichen Erfahrung, durch die wir uns ihr im Moment der Betrachtung ein wenig mehr und anders nähern als sonst. Kontemplative Bilder also zeigt diese Schau, passend zum Winter, nicht nur in den Farben.

Die Ausstellung dauert bis 18. Februar: Neuer Kunstverein, Schwanenplatz 4, Donnerstag und Freitag, 16 bis 19 Uhr, Samstag, 12 bis 15 Uhr.

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