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Ethik

Digitalisierung: Chance und Risiko

Erleichtert Künstliche Intelligenz unser Leben oder macht sie uns unfrei? Dies diskutiert eine Expertenrunde.
Von Katharina Kellner

„Maschinen können uns nicht beherrschen“, sagt Expertin Katrin-Cécile Ziegler. Das können nur Menschen mit deren Hilfe. Foto: Rungroj Yongrit/ dpa
„Maschinen können uns nicht beherrschen“, sagt Expertin Katrin-Cécile Ziegler. Das können nur Menschen mit deren Hilfe. Foto: Rungroj Yongrit/ dpa

Regensburg.Oscar-Preisträger Christoph Waltz hat seinen Argwohn vor Künstlicher Intelligenz (KI) in dieser Woche in drastische Worte gefasst: „Mir geht der Arsch auf Grundeis“, sagte er in einem Interview. Das Thema ist hochaktuell, nicht nur in Roman und Film. Am Freitag hat der Bundestag die Strategie der Bundesregierung zu KI diskutiert. Kritiker monieren, das Thema werde vor allem in Hinsicht auf Wettbewerb gesehen. Zu kurz komme der Aspekt des Gemeinwohls.

Wer sich für die Konsequenzen von KI für Lebens- und Arbeitswelt, aber auch die ethische Dimension des Themas interessiert, ist bei der nächsten Ausgabe der „Regensburger Gespräche“ richtig. Am 20. Februar diskutieren in der von Theater Regensburg und Mittelbayerischer veranstalteten Reihe drei Experten unter dem Titel: „Maschinen – die Vollendung der menschlichen Spezies“. Dass dies leicht provokant klingt, ist kein Zufall: Es bezieht sich auf ein Theaterstück des 1982 in Regensburg geborenen Autors Konstantin Küspert, der auch an der Diskussion teilnimmt. „Mensch Maschine“ feierte 2013 seine Uraufführung in Regensburg. Küspert legte dem Stück eine philosophische Frage zugrunde, wie Christina Schmidt, Chefdramaturgin des Theaters Regensburg sagt: Was macht den Menschen aus? Ist er mehr als die Summe seiner Hirnfunktionen? Und: Sind Maschinen in der Lage, sich „ethisch“ zu verhalten – können sie also Funktionen übernehmen, von denen wir glauben, dass sie allein Menschen vorbehalten sind?

Alles ist nur noch Simulation

Im Stück entführen Wissenschaftler einen Menschen, dessen Gehirn sie vom Körper abtrennen – er soll als erster Mensch „seine biologische Hülle transzendieren“. Ein Computer kontrolliert alles, was den Probanden umgibt, wie er Entscheidungen trifft und Sinneseindrücke verarbeitet. Dabei soll er nicht merken, dass die Welt um ihn herum nur Simulation ist. Küspert zeichnet da ein mit schwarzem Humor versetztes düsteres Bild einer Zukunft, in der Maschinen uns kontrollieren.

„Die digitale Entwicklung wird zwar von Daten getrieben. Benutzt werden Daten jedoch von Menschen.“

Katrin-Cécile Ziegler, Digitalökonomin und Journalistin

„Maschinen an sich sind unschuldig – sie können uns nicht beherrschen“, entgegnet Katrin-Cécile Ziegler dem Szenario des Künstlers. Die Digitalökonomin hat sich intensiv mit der digitalen Transformation und ihren Folgen auseinandergesetzt. Sie sagt: „Die digitale Entwicklung wird zwar von Daten getrieben. Benutzt werden Daten jedoch von Menschen.“

Furcht müsse man nicht vor Robotern haben, aber vorsichtig sein mit Organisationen, die andere mithilfe von KI kontrollieren wollen. Die Gesellschaft trage hier eine Mitverantwortung, die Digitalisierung moralisch und demokratisch auszugestalten. Digitale Chancen sieht Ziegler besonders in der Medizintechnik: „Dabei eröffnen sich uns neue Welten.“ Der Vorteil für die menschliche Gesundheit sei offensichtlich – allerdings dürfe dieser Fortschritt nicht nur einem elitären Kreis vorbehalten sein. Der ethische Aspekt ist in vielerlei Hinsicht relevant. Zum Beispiel stelle sich die Frage: Wen soll ein selbstfahrendes Auto im Konflikt töten? Das Kind auf der linken oder den Hund auf der rechten Straßenseite? Dies sei eine moralische Entscheidung, die bei der Programmierung bedacht werden müsse.

Zu den volkswirtschaftlichen Konsequenzen der Digitalisierung sagt Ziegler: „Wir werden Jobs verlieren, doch es kommen genauso viele hinzu. Berufsbilder und Qualifikationen verändern sich. Wenn ich vor etwas Furcht habe, dann, dass sich die Kluft in unserer Gesellschaft vergrößert.“

Ständige Selbstoptimierung

Die Auswirkung der Digitalisierung auf die Arbeitswelt ist auch das Thema von Karin Wagner von der IG Metall Regensburg. Sie bringt die Perspektive der Praktikerin in die Diskussion ein. Eine Chance sieht sie darin, dass monotone oder schwere körperliche Arbeit zugunsten kreativer Tätigkeit erleichtert werden könne. Viele Arbeitnehmer treibe der Gedanke um, wie weit die Rationalisierung in der digitalisierten Arbeitswelt gehe. Dabei sei Qualifizierung ein wichtiger Aspekt – „ein gangbarer Weg, um die Leute mitzunehmen“, sagt Wagner. Allerdings gebe ständiger Zwang zur Selbstoptimierung manchen Menschen das Gefühl, nie in einem guten „Ist-Zustand“ zu sein: „Das ständige Lernen muss man lernen.“

Schwerpunkt der Gewerkschaftsarbeit sei es, dass Betriebe Arbeitnehmern Zeit einräumten, sich zu qualifizieren. Auch das Thema Datenschutz brennt Wagner auf den Nägeln. Hier sei ein gesellschaftlicher Dialog nötig, sagt sie, die sich auf die Diskussion bei den „Regensburger Gesprächen“ freut. Sie wünscht sich, dass die Menschen in Hinsicht auf KI nicht derart entmutigt sind wie Christoph Waltz: „Niemand soll denken, dass das alles viel zu schwierig und kompliziert ist. Es ist besser, sich selbst einzubringen, ob am Arbeitsplatz, in einem Verein oder in der Politik.“

Lesen Sie dazu die preisgekrönte Serie zum Thema Künstliche Intelligenz, die Journalistin Jana Wolf für die Mittelbayerische schrieb:

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