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Kultur
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Musik

Dirigent Liebreich betritt Neuland

Der in Regensburg geborene Dirigent Alexander Liebreich wechselt zum Symphonieorchester des Tschechischen Rundfunks.
Von Michael Heitmann, dpa

Alexander Liebreich Foto: dpa

Prag.Als erster deutscher Chefdirigent eines polnischen Orchesters seit dem Zweiten Weltkrieg hat er Pionierarbeit geleistet: Nun betritt der gebürtige Regensburger Alexander Liebreich wieder Neuland. Ab September übernimmt der 49-Jährige als Künstlerischer Leiter und Chefdirigent den Taktstock beim Symphonieorchester des Tschechischen Rundfunks (SOCR), einer nationalen Institution, deren Wurzeln bis in die Anfänge des Rundfunks in den 1920er Jahren reichen.

Doch für Liebreich selbst spielt die Frage der Staatsangehörigkeit offensichtlich eher eine untergeordnete Rolle: „Ich tue mich schwer, in den klassischen nationalen Grenzen zu sprechen, weil diese nicht die Kulturgrenzen sind“, sagt der überzeugte Bayer im Rundfunkgebäude in der Prager Vinohradska-Straße. Er steht für eine gewisse Offenheit: „Ich glaube, dass man, wenn man in ein Land geht, sei es als Gastdirigent oder auch als Chefdirigent, in eine Begegnung geht mit einer gewachsenen Kultur“, sagt er – und spricht vom Genius Loci, also dem Geist des Ortes. In Prag ist es zudem eine Begegnung mit den eigenen Familienwurzeln. Das Sonntagsessen bei der Großmutter war einst geprägt von der mährischen Küche, geografisch angesiedelt zwischen Prag und Wien. Denn die Großmutter war in Brünn geboren worden. Von Spezialitäten wie den Kolatschen mit Quarkfüllung oder den Powidlbuchteln mit Pflaumenmus schwärmt Liebreich noch heute. Doch will er das auch nicht überbewerten. „Ob ich jetzt besser Dvorak mache, weil mein Vater in Usti nad Labem und mein Großvater in Brünn geboren ist, ich weiß es nicht.“

Liebreich entspannt in den Alpen

Die ersten Proben mit seinem neuen Orchester hat Liebreich, der an diesem Tag den Pullover wie sein großes Vorbild Claudio Abbado um den Hals trägt, bereits hinter sich – und sie waren positiv. „Ich finde es gut, dass es in Prag mit den anderen Orchestern eine kulturelle Spannungsebene gibt, sagen wir, eine sportliche Konkurrenz.“ Es sei wie beim Fußball, wenn sich beispielsweise Atlético und Real Madrid miteinander messen müssen und nicht als Platzhirsch in Gemütlichkeit verfallen können. Das Niveau sei entsprechend gut.

„Ich finde es gut, dass es in Prag mit den anderen Orchestern eine kulturelle Spannungsebene gibt, sagen wir, eine sportliche Konkurrenz.“

Liebreichs Terminkalender ist prallvoll. Erholung findet der umtriebige Dirigent in den Bergen. Seitdem er in München lebt, das von Prag nur etwas mehr als vier Autostunden entfernt ist, fährt er oft in die Alpen. Seit Herbst 2017 ist Liebreich zudem künstlerischer Leiter des Richard-Strauss-Festivals in Garmisch-Partenkirchen.

Der tschechische Rundfunk plant für die Zukunft ein sehr breit gefächertes Programm, das von Barockkompositionen bis hin zu zeitgenössischen Werken reicht, einschließlich tschechischen Erstaufführungen und Weltpremieren. Es geht damit deutlich über die böhmischen Nationalklassiker Bedrich Smetana und Antonin Dvorak hinaus. „Prag war ja im Puls der multikulturellen Hauptstädte im 19. Jahrhundert, aber davon kann man nicht ewig leben“, sagt Liebreich.

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