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Musik

Donovan: Cool und ein großer Erzähler

Der Songwriter trat beim Zeltfestival Lappersdorf auf. Er trägt die Message von Frieden und Liebe in die heutige Zeit.
Von Daniel Pfeifer

Donovan bei seinem Auftritt in Lappersdorf Foto: Pfeifer
Donovan bei seinem Auftritt in Lappersdorf Foto: Pfeifer

Lappersdorf.Wer so ein unglaubliches und langes Künstlerleben hinter sich hat wie Donovan, der hat drei Dinge: Erstens die Ruhe weg. Zweitens absolut nichts mehr zu beweisen. Und drittens eine ganze Menge zu erzählen. Dementsprechend tiefenentspannt brachte der schottische Sänger, Songwriter und Weltstar der 60er-Jahre beim Zeltfestival Lappersdorf am Sonntagabend eine Revue seiner größten Songs auf die Bühne. Nur Donovan, ein schlichter Barhocker und seine waldgrüne Gitarre.

Sein Lieblingsmedium zum Geschichtenerzählen waren immer die Texte seiner Lieder. Mit ihnen stieg der Junge aus Glasgow 1964/65 innerhalb kürzester Zeit in die Stratosphären der musikalischen Revolution Großbritanniens der 60er Jahre auf. Mit Liedern wie „Catch the Wind“, „Hurdy Gurdy Man“, „Universal Soldier“ und „Sunshine Superman“ prägte er eine Generation. Psychedelischer Folk voll von philosophischen Themen und Geschichten über Liebe und Drogen.

Er redet gerne mit den Fans

Doch nicht nur in seinen Liedern erzählt Donovan gern. Ganz im Gegensatz beispielsweise zu Bob Dylan, von dem man auf Konzerten inzwischen nicht mal mehr ein „Hallo“ erwarten kann, redet Donovan sehr gerne mit seinen Fans im Publikum. Den 350 Zuhörern am Sonntagabend malte er zwischen seinen Songs farbenfrohe Bilder von der „Bohemian Revolution“: seiner Glanzzeit in den 60ern.

Er erzählt von Songwriting-Sessions in der Pampa von Mexiko, ohne Strom, fließend Wasser und feste Häuser. Von Liedern, die einfach aus der Seele solcher Orte zu ihm gekommen waren, aus den Farben des Sonnenuntergangs, aus dem Rauschen des Meeres, aus den Klängen fremder Kulturen, darunter der Trip ins indische Rishikesh.

Bis heute habe dieser Besuch die Einstellung des Westens gegenüber Meditation verändert, meint Donovan. Viel ist passiert in der Zwischenzeit. Nichtsdestotrotz: „Peace and Love“ ist immer noch das Motto des schottischen Sängers. Und solche Songs wie sein Cover „Universal Soldier“ wirken heute noch ganz genauso relevant wie damals im Kalten Krieg. Klar, die weiche, kristallklare Stimme eines 18-jährigen Donovan hat in den über 50 Jahren seit seinen ersten großen LPs einiges mitgemacht. Die eine oder andere Delle hier und da. Sie ist kratzig geworden und findet manchmal die komplexen Melodielinien nicht. Das stört aber um ehrlich zu sein genauso wenig, wie je eine einzelne falsche Note bei Bob Dylan gestört hätte.

Schiefe Töne spielen keine Rolle

„Lalena, Jennifer Juniper, yeah... A lot of my songs have girl names. I did not sleep with all of them.“ Und da ist sie wieder, seine trockene, entspannte Art. Diese Lockerheit, mit der er jeden schiefen Ton sofort wieder vergessen lässt. Man kann es nicht anders sagen: Er ist schon ein ziemlich cooler Typ, der Donovan. Die Art von Künstler, bei der man sich wünschte, man würde ihn zufällig auf der Bühne einer kleinen, intimen Kneipe antreffen.

Mit seiner „Song-of-the-Sea“-Tour, die er 2015 in England startete, zieht er nach Lappersdorf noch weiter durch Deutschland. In Kürze erscheint ein Film über seine Zeit in Rishikesh. Neue Musik gab es von Donovan schon lang nicht mehr. Und wenn man sich das Alter seiner Konzert-Setlist von Sonntagabend so ansieht, kann man sich eines schon denken: Donovan weiß selbst, dass sein musikalisches Denkmal fest in der Mitte der 60er-Jahre steht – in der Bohemian Revolution.

Für diese großen Songs hat er heute einen Platz in der Rock’n’Roll Hall of Fame, Orden, Ehrendoktortitel. Deshalb hat er sich jetzt abgefunden mit seinem Job: Als Chronist der 60er, der das Lebensgefühl und die Message von Frieden, Liebe und Toleranz bis in die heutige Zeit tragen und am Leben erhalten will. Das, so erzählt er zwischen „Hurdy Gurdy Man“ und „Mellow Yellow“, war doch im Prinzip der Grund, warum er und all die anderen Musik machten. Um diese Botschaft von Peace&Love über die Welt zu verbreiten.

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In Rishikesh entstanden viele Songs

  • Indien:

    Zu den fremden Kulturen, von denen Donovan in Lappersdorf erzählte, gehörte auch Indien. 1968 packte er seine Sachen, vier Jungs aus Liverpool mit den Namen John, Paul, Ringo und George und reiste nach Rishikesh.

  • Meditation:

    Im fernen Indien lernten Donovan und die Beatles über einige Wochen die Welt der transzendentalen Meditation kennen. In dieser Zeit entstanden eine Vielzahl an Songs, sowohl für Donovan, als auch für die Beatles.

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