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Theater

Drastischer „Woyzeck“ in München

In München feiert Büchners Stück Premiere. Die Inszenierung von Abdullah Karaca zeigt die Hauptfigur klassisch – als geschundene Gestalt.
Von Britta Schultejans, dpa

  • Magdalena Wiedenhofer als Marie und Jakob Geßner als Tambourmajor agieren im „Woyzeck“ des Volkstheaters München. Foto: Volkstheater München/Gabriela Neeb/dpa
  • Jetzt in München zu sehen: Jakob Geßner als Tambourmajor, Silas Breiding als Hauptmann und Sohel Altan G. als Woyzeck Foto: Volkstheater München/Gabriela Neeb/dpa
  • Lenja Schultze (Margret) und Sohel Altan G. (Woyzeck) im Stück „Woyzeck“ des Volkstheaters München Foto: Volkstheater München/Gabriela Neeb/dpa

München.Demütigung, Folter, Vergewaltigung: Das Münchner Volkstheater blickt in menschliche Abgründe und hat eine harte Version des wohl berühmtesten Fragments der deutschen Dramengeschichte auf die Bühne gebracht. Regisseur Abdullah Kenan Karaca inszeniert Georg Büchners „Woyzeck“ weitgehend klassisch als das, was es ist: ein schreiendes Klagelied über Ohnmacht, Unmenschlichkeit und die unendliche Überheblichkeit des Menschen einem Schwächeren gegenüber.

Dabei hält er sich nicht sklavisch an den überlieferten Text über die Mär der Freiheit und das Ausgeliefertsein des Individuums – die Geschichte erzählt er trotzdem. Seine Interpretation beginnt an einem lieblich plätschernden Bach und einem klaren Wasserfall an einer Felswand. Vor dieser überaus reinen Kulisse begegnen sich Woyzeck und seine Marie und kommen sich näher. Doch aus dem Dunkeln rollt es drohend heran: ein unaufhaltsames, Unheil ankündigendes Dröhnen.

Begeisterter Applaus

Unheil verkündet auch „Karl, ein Idiot“ (Okan Cömert), der das Beispiel des klassischen Narren nachahmend und Jojo spielend wirr kommentiert oder das Märchen vom „Rumpelstilzchen“ zitiert.

Ansonsten ist Karacas Inszenierung eine weitgehend klassische, in der der Hauptdarsteller alles gibt. Sohel Altan G. schreit seine Verzweiflung hinaus und geht an die Grenzen des Zumutbaren. Als Woyzeck muss er Experimente über sich ergehen lassen und Wein vom Boden auflecken, auf den der perfide Hauptmann (Silas Breiding) gespuckt hat.

Um die Demütigungen vom Hauptmann und von seinem Arzt (Pascal Fligg) zu ertragen, muss Woyzeck immer wieder die Augen schließen. Sein Zittern verrät, wie schwer es ihm fällt, sich zu beherrschen. Wenn die hohen Herren vom Privileg individueller Freiheit sprechen, kann ihm das nur wie Hohn erscheinen. „Im Menschen erklärt sich die Individualität zur Freiheit.“

Bei der Premiere am Donnerstagabend gibt es begeisterten Applaus für das Regie-Team sowie für Altan in der Titelrolle und Magdalena Wiedenhofer als tragische Geliebte Marie. Die Anstrengung ist beiden nach dem rund eineinhalbstündigen Stück deutlich anzusehen.

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