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Drei Stars und ihre Eigenheiten

Gidon Kremer, Martha Argerich und Lucas Debargue gastieren im Audimax Regensburg – und ernten frenetischen Beifall.
Von Andreas Meixner, MZ

Gidon Kremer und Martha Argerich im Audimax
Gidon Kremer und Martha Argerich im Audimax Foto: altrofoto.de

Regensburg.Mit stehenden Ovationen feierte das Publikum im voll besetzten Audimax ein herausragendes, aber auch eigentümliches Konzert. Ein Konzert, das programmatisch nur bedingt befriedigte, aber durch das Starensemble dann doch künstlerisch zu begeistern vermochte.

Was war geschehen? Gidon Kremer holte zu seiner Jubiläumstour nicht nur die Kremerata Baltica, sondern auch die Grande Dame des Klaviers, Martha Argerich. Als wäre das nicht genug, durfte auch Starpianist Lucas Debargue mit. Er bestritt mit dem Quintett f-Moll für Klavier und Streichquintett op. 18 des polnischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg (hier einer Bearbeitung für Kammerorchester und Schlagwerk) den ersten Teil des Abends. Weinbergs fünfsätziges Werk aus dem Jahr 1944 ist ein hochdramatisches, episches Monument seiner Zeit. Düsternis, eine kaum lösbare Traurigkeit legt sich über die Sätze, sprengt die traditionellen Kammermusikstrukturen und kommt in den 45 Minuten Gesamtdauer kaum zu einem friedvollen Grundton. Lediglich das Largo findet zu einem ruhigen Puls, der jedoch stets trügerisch bleibt. Das abschließende Allegro agitato beginnt dann fast heiter, aber auch das bleibt nur Strohfeuer, das letztlich in einem fast offenen Ende verglimmt.

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Debargue durchlebt diese Tristesse mit großem körperlichen Einsatz, fordert mit affektierten Gestus das hochkonzentrierte Orchester zur Dynamik auf. Martialische Oktaven, aber auch hochvirtuose, rhythmisch vertrackte Miniaturen lassen ihn völlig in der Wucht der Musik aufgehen. Das ist zweifellos hohe Kunst und ein atemberaubendes Werk. Nach der Pause dann völliger Szenenwechsel.

Sehen Sie hier ein Video mit Gidon Kremer und Martha Argerich.

Gidon Kremer und Martha Argerich zeigen mit Schumanns Sonate Nr. 1 a-Moll mal kurz, wo kammermusikalisch der Hammer hängt. Dabei überzeugte die Starpianistin mit ihrer unglaublichen Ruhe, technischen Brillanz und Souveränität am meisten. Kremer wirkte an der Violine ein wenig bemühter. Es gelang ihm, erstaunlicherweise, auch nicht alles fehlerfrei, aber der überaus feine Ton und seine beseelte Musikalität in den drei Sätzen waren überragend. Fast symbiotisch und bis in den letzten Winkel detailreich, blieb es ein Erlebnis, den beiden zuzuhören.

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Den Abschluss machte Mozarts Konzert für Flöte, Harfe und Orchester, in einer Bearbeitung für Violine und Klavier als Soloinstrumente. Wenig blieb von der besonderen Klanglichkeit und Kontrastierung der Originalbesetzung. Mag im Programmheft auch noch so dafür eingetreten werden, das Klavier sei die eigentlich Idealbesetzung, so bleibt kurz und knapp anzumerken: Mozart wusste, was er tat. Der Höreindruck blieb deshalb auch über das gesamte Werk matt und farblos, wenngleich engagiert und nobel musiziert.

Gidon Kremer und Martha Argerich ernten im Regensburger Audimax standing ovations. Foto: altrofoto.de
Gidon Kremer und Martha Argerich ernten im Regensburger Audimax standing ovations. Foto: altrofoto.de

Die Zuhörer waren dennoch restlos begeistert und befeuerten zu etlichen Zugaben. Ein Abend mit großen Musikern, der jedoch dramaturgisch nicht ganz überzeugte.

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