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Ausstellung

Drei unter 30 und ganz viel Heu

Eine Ausstellung in Regensburg zeigt Erhellendes und Amüsantes von Carl Klein, Bernhard Weiß und Florian Toperngpong.
Von Claudia Böckel, MZ

  • In der Ausstellung „3 x Junge Kunst“: Carl Klein und seine Assistentin Frau Dobermann vor einem Heuhaufen Foto: altrofoto.de
  • „3 x Junge Kunst“: die drei Debütanten Carl Klein, Florian Topernpong und Bernhard Weiß mit Georg Haber (rechts), dem Vorsitzenden des Kunst- und Gewerbevereins Regensburg Foto: altrofoto.de

Regensburg.Ein singender Ökobauer, der Ärschlinge zur Welt bringen und Installationen bauen kann, ein indisch-oberpfälzischer Gestalter, Spurensucher und Archivar, der Fotos und Fundstücke mit Texten in Beziehung setzt, klassifiziert und in Karteikästen oder Bildgruppen präsentiert, und ein ganz normaler Maler aus Stulln: Das sind die drei Debütanten der Ausstellung „3 x junge Kunst“ im Kunst- und Gewerbeverein in Regensburg.

Alle drei sind um die 30 Jahre alt und erhielten in diesem Jahr die Debütantenförderung des Berufsverbandes Bildender Künstler Niederbayern/ Oberpfalz. Und sie nutzten sie ganz unterschiedlich und innovativ. Nur einer, der Maler Bernhard Weiß, ließ sich auf einen traditionellen Ausstellungskatalog ein. Seine Bilder sind bunt, zeigen Figuren inmitten von Landschaften oder anderen Lebensräumen in Neongrün oder Pink. Schriftzeichen können einen Hinweis zum Bildinhalt geben, diesen aber auch verunklären. Seine Menschen sind entweder gesichtslos, haben Fratzengesichter oder sie sind emotionslos schön wie aus der Welt der Werbung.

Die Malweise ist eher grob, holt sich Anleihen aus der Sprayer-Ästhetik, aber auch aus der Klassischen Malerei (Picassos Guernica). Das blaue Selbstporträt zeigt Weiß selbst mit einer Burka-ähnlichen Gesichtsmaske mit Augenschlitz und Extraöffnung für den Glimmstängel. Oft gibt es Kinder in seinen Bildern – und meist sind sie nicht unbeschwert, sondern in Grenzsituationen dargestellt, in den Armen zwielichtiger Gestalten. Umrisshaft sind diese Figuren, schwarz umrandet, bunt, unmodelliert. Sie ziehen wie in einem bösen Comic durch die Welt.

Performance vorm Heuschober

Carl Klein gestaltete zur Eröffnung der Ausstellung eine Performance vor seinem Heuschober, der mit roter LED-Anzeige in seinem Inneren Informationen gibt: die aktuellen Börsenkurse und Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Zusammen mit Frau Dobermann, der Hostess, und seiner Cousine am Akkordeon gab Klein Einblicke ins Künstlerleben, erhellend, durchaus amüsant. Seine Installationen haben auch mit seinem Leben in der Höllmühle zu tun: Milchkanne und andere ländliche Utensilien tauchen auf. Anstelle eines Katalogs hat Klein eigentlich ein Buch schreiben wollen, sich dann aber für eine erweiterbare Edition, die man quasi abonnieren kann, entschieden. Für die kleine Information zwischendurch hat er sich ein paar Seiten in der aktuellen Ausgabe des Donaustrudels gesichert, der einen guten Überblick über seine künstlerischen Aktionen und Positionen gibt. Mit zwei Euro sind Sie dabei. Und der Donaustrudel bekommt auch noch ein paar Säcke Kartoffeln aus eigener Produktion spendiert.

Frau Dobermann, Carl Klein, Bernhard Weiß und Florian Topernpong (von links) beim Kunst- und Gewerbeverein Regensburg
Frau Dobermann, Carl Klein, Bernhard Weiß und Florian Topernpong (von links) beim Kunst- und Gewerbeverein Regensburg Foto: altrofoto.de

Ganz anders arbeitet Florian Toperngpong. Er baut seit Jahren das Mills-Archiv auf, mit dem Ziel, nichtwissenschaftliche Recherchen zu den Themen Zufall, Vorherbestimmung oder freiem Willen zu betreiben. Nicht auf der Suche nach der Vergangenheit, eher auf der Suche nach der Zukunft und ihren Möglichkeiten stellt er Fundstücke meist schriftlicher oder bildlicher Art in Zusammenhänge, die der Betrachter selbst dekodieren muss.

Der Betrachter ist gefragt

Ohne Reihenfolge, Gewichtung oder Hierarchie sind Fotos und Texte kombinierbar, mit Hinweisen auf den sehr ästhetisch gehängten Bildtafeln versehen, für den Rezipienten selbst in Verbindung zu bringen in dem Karteikasten des Mills-Archivs, dem ganz außerordentlich gut gestalteten „Katalog“ zur Ausstellung.

Toperngpong, Sohn des verstorbenen Wirtes des legendären Baanthai, der durchaus auch Ambitionen in Richtung Kochen hat, ist eigentlich Kommunikationsdesigner. Er schlüpft in die Rolle des ersten Archivars des Mills-Archivs, gibt damit philosophische, kreative, sinnliche Anregungen zur eigenen Recherche des Betrachters. Sein Karteikasten ist eher etwas für zu Hause, zum Eintauchen, zur Kontemplation. Hat man ihn gekauft, fühlte man sich gelobt durch Carl Kleins Ausruf während der Performance: „Sie haben indirekt in Kunst investiert, worüber wir uns freuen. Kunst ist toll.“

Die Ausstellung „3 x junge Kunst“ ist noch bis zum 12. April im Regensburger Kunst- und Gewerbehaus (Ludwigstraße) zu sehen.

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