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Theater

Dresdner Herkuleskeule schlägt seit 50 Jahren zu

Von Jörg Schurig, dpa

Wolfgang Schaller musste mit der «Herkuleskeule» die schwierige Zeit der Wende meistern.

Dresden.Bei den Kabarettisten der Dresdner Herkuleskeule geht es dieser Tage Schlag auf Schlag. Einmal wird «Die nackte Wahrheit» verkündet, ein anderes Mal «Der letzte Schrei».

Doch die aktuellen Programme bilden nur den Rahmen für die große Show: An diesem Sonntag (1. Mai) hebt sich im Dresdner Schauspielhaus der Vorhang für eine Gala, bei der die Künstler um «Keule»-Chef Wolfgang Schaller nur indirekt die Hauptrolle spielen. Zum 50. Geburtstag des Ensembles haben sich Kollegen wie Dieter Hildebrandt oder Ex-Herkules Wolfgang Stumph angesagt. Nachher ziehen die feinsinnigen Komödianten zur Party ins Stammhaus der Herkuleskeule.

Was für manche Zeitgenossen heute befremdlich klingen mag: Auch in der DDR wurde viel gelacht - anfangs sogar mit staatlicher Hilfe. Vielerorts gründeten sich um das Jahr 1960 im Arbeiter- und Bauern- Staat Kabaretts, die Missstände im Lande humorvoll und sogar bissig aufs Korn nahmen. Selbst die Nationale Volksarmee hatte eine solche Spaßtruppe. In den großen Städten entstanden Profi-Ensembles. Nachdem sich der Bitterfelder Weg - eine programmatische Neuausrichtung der DDR-Kulturpolitik - zunehmend als Sackgasse erwies, verging auch den Kabarettisten manchmal das Lachen. «An Aufhören dachten wir aber nie», erinnert sich Intendant Wolfgang Schaller an turbulente Zeiten.

Als der heutige Chef und Cheftexter Schaller 1970 zur «Keule» kam, war das Ensemble schon aus den Kinderschuhen gewachsen. Vor allem Hans Glauche und Fritz Ehlert gaben als «Gustav und Erich» der Truppe ein Gesicht. Nach ihnen fragen Fans noch immer, obwohl die beiden schon in den Achtziger Jahren starben.

Die Wende leitete die vielleicht schwierigste Phase im Leben der Kabarettisten ein. «Plötzlich lebten wir in einem anderen Land, mit anderen Problemen», sagt Schaller. Die Straße gehörte Demonstranten, das Leben fand im Zeitraffer statt. «Eigentlich brauchten wir Zeit zum Nachdenken und Innehalten, doch bei uns musste täglich der Vorhang aufgehen.» Der Alltag der Kabarettisten geriet oft zur Sisyphos-Arbeit. «Man hat vormittags Texte geschrieben, mittags einstudiert und abends nicht auf die Bühne gebracht, weil sie schon wieder unaktuell waren.»

Auch zwei Jahrzehnte später halten die Dresdner am politischen Kabarett fest und wollen nicht wie viele Kollegen nur die reine Comedy bedienen. Schaller sieht seinen Auftrag darin, «gegenüber der Macht kritisch zu bleiben». Kein leichtes Unterfangen, denn ein Kabarett hat heute mehr als zuvor verschiedene Erwartungen zu bedienen. Schaller sieht Menschen im Saal, die aus Enttäuschung «ihre Freude an der Politik und ihre Freude an der Kritik von Politik» verloren haben. Jedes Programm wird so zum Spagat.

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