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Orgelkonzert

Eigenwilliges Programm voller Kontraste

Musikdirektor Andreas Boltz vom Frankfurter Kaiserdom gestaltete im Dom zu Regensburg einen abwechslungsreichen Abend.
Von Gerhard Dietel, MZ

  • Andreas Boltz, Musikdirektor am Frankfurter Kaiserdom St. Bartholomäus, war an der Rieger-Orgel des Regensburger Doms zu Gast. Foto: www.wellenwerk.de

Regensburg.Die sommerlichen Orgelkonzerte im Regensburger Dom finden offenbar breite Resonanz: Wie schon am Eröffnungsabend vor einer Woche waren auch diesmal die Bankreihen dicht besetzt, als Andreas Boltz, Dommusikdirektor am Frankfurter Kaiserdom St. Bartholomäus, an der Rieger-Orgel des Doms zu Gast war.

Eigenwillig konzipiert war das Konzertprogramm, das er darbot: vier Sätze aus der Orgelsymphonie Nr. 5 von Louis Vierne, dem einstigen Titularorganisten von Notre-Dame in Paris, bildeten den Rahmen. Dazwischen bekamen die Zuhörer stilistisch höchst verschiedene Werke deutscher Komponisten dargeboten, die jeweils einen biografischen Bezug zu Frankfurt, dem Wirkungsort von Andreas Boltz, hatten.

Schwer zu greifende Musik

Wie aus der Ferne kommend, dann in der Lautstärke sacht anschwellend begann Boltz seinen Vortrag mit dem „Grave“ aus Viernes Orgelsymphonie. Fallende Terzenketten vernahm man, gefolgt von chromatischen Wendungen, Motive, die in den folgenden Sätzen der Sinfonie immer wieder die thematische Substanz bildeten.

Das galt ebenso für das großorchestral konzipierte „Allegro molto marcato“ mit seiner unruhig fluktuierenden, in der Gestalt oft schwer zu greifenden Musik wie auch für das sanft-meditative „Larghetto“ und den Finalsatz: ein typisch französisches „Carillon“, das sich wie ein Meer schwingender Glocken in Bewegung setzte. Reminiszenzen an die grüblerische Chromatik der vorangegangenen Sätze wurden am Ende von der Carillonmusik hinweggefegt, in einem rauschhaften Sturmläuten, das den ganzen Dom zum Mitschwingen brachte.

Rückblick in die Renaissance

Starke Kontraste zu Viernes spätromantischer Orgel-Sinfonik bildeten die übrigen zwischengeschalteten Werke. In die Spätrenaissance zurück blickte Boltz mit einer „Canzona“ Hans Leo Hasslers, die er mit kraftvollen Zungenstimmen erklingen ließ: teils polyphon gestaltet, teils mit echoartig angelegten homophonen Abschnitten.

Der Klassizismus des 19. Jahrhunderts war mit Mendelssohns vierter Orgelsonate vertreten, in der die barocke Präludien- und Fugenkunst wieder aufgegriffen wird, ergänzt durch typische spätere Idiome: ein ganz romantischer Glaubenshaltung entsprungenes „Andante religioso“ und ein „Allegretto“ voll leichtgewichtigem Linienspiel, das an den Lyrizismus von Mendelssohns „Liedern ohne Worte“ erinnerte.

Klar herausgezeichnete Melodiestimme

Und dann gab es noch zwei Choralvorspiele Georg Philipp Telemanns zu hören: Im Triosatz mit klar herausgezeichneter Melodiestimme gestaltete Andreas Boltz Telemanns Bearbeitungen von „Komm, Heiliger Geist“ und „Wie schön leuchtet der Morgenstern“.

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