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Theater

Ein altes Liebespaar in der Apokalypse

Jona Manow inszeniert Becketts „Glückliche Tage“ im Regensburger Theater am Haidplatz. Am Freitag ist Premiere.
Von Susanne Wiedamann, MZ

Winnie (Doris Dubiel) beschwört die glücklichen Tage. Ihr Mann Willie (Gerhard Hermann, l.) ist in dieser Inszenierung sehr präsent. Foto: Jochen Quast
Winnie (Doris Dubiel) beschwört die glücklichen Tage. Ihr Mann Willie (Gerhard Hermann, l.) ist in dieser Inszenierung sehr präsent. Foto: Jochen Quast

Regensburg.Endzeitdrama, Tragödie der Postapokalypse, Trauma der Ausweglosigkeit oder irrwitzige Komödie der beiden letzten Menschen – Samuel Becketts „Glückliche Tage“ sind schon auf vielfache Weise adaptiert und inszeniert worden. Am Freitag um 19.30 Uhr hat das Stück im Theater am Haidplatz Premiere. Regisseur Jona Manow will all den Lesarten des Dramas eine weitere hinzufügen.

Nicht ohne einander

„Ich habe das Stück das erste Mal sehr negativ gelesen. Ich dachte darüber nach, wie diese Frau den Mann fertigmacht.“ Inzwischen sieht Manow das Drama auf ganz andere Weise: „Dies ist eine tolle Liebesgeschichte von zwei Menschen, die nicht ohne einander können.“ Folgerichtig setzt er den Schwerpunkt anders. Nicht die halb in einem Erdhügel steckende, vor sich hin monologisierende Winnie stellt er in den Vordergrund. „Bei uns ist die Figur des Willie gleichwertig.“ In anderen Inszenierungen spielt der Mann, der sich kaum bewegen kann und wenig spricht, so gut wie keine Rolle, ist manchmal versteckt, fast nicht vorhanden. „Bei uns ist er sehr präsent.“

Manow (Jahrgang 1986) freut sich, dass sein sehr junges Regieteam – dazu gehören Michael Lindner (Bühne) und Maria Preschel (Kostüme) – die Inszenierung mit zwei der erfahrensten Ensemblemitglieder erarbeiten konnte. Doris Dubiel gibt die Winnie und Gerhard Hermann spielt den Willie. „Das ist unglaublich, was sie schon in den ersten Proben angeboten haben, welchen Schatz an Erfahrung sie einbringen können.“ Und trotzdem gab es zu Beginn Unsicherheiten, wie was darzustellen sei. „Das ist wie bei den Jungen“, sagt Jona Manow.

Glückliche Tage

  • Das Drama

    Das Stück von Samuel Beckett (1906 bis 1989) erlebte 1961 in New York seine Uraufführung. der Zweiakter zählt zu Becketts meistgespielten Stücken.

  • Die Inszenierung

    Für das Theater Regensburg hat Regisseur Jona Manow die Inszenierung im Haidplatztheater übernommen. Die Bühne stammt von Michael Lindner, die Kostüme gestaltete Maria Preschel. Lichtregie führte David Herzog. Die Dramaturgie besorgte Stephanie Junge.

  • Das Ensemble

    In dem Zwei-Personen-Stück spielen Doris Dubiel (Winnie) und Gerhard Hermann (Willie).

  • Aufführungstermine

    Premiere ist am Freitag, 29. September, 19.30 Uhr, im Theater am Haidplatz. Weitere Aufführungstermine sind am 30. September, 2., 5., 6., 10., 14., 17., 19. und 20. Oktober und 2. und 5. November, jeweils um 19.30 Uhr. Karten gibt es unter Telefon (09 41) 507 24 24.

Der Regisseur schätzt Beckett nicht nur wegen seiner „absolut einmaligen Sprache. Seine Figuren befinden sich oft in einer absurden Situation, die aber zutiefst menschlich ist.“ Seine Protagonisten sind einer Umwelt ausgesetzt, die sie nicht begreifen können. „Aber das hat etwas Kafkaeskes. Die Figuren befinden sich nicht resignativ in der Situation, sondern richten sich darin ein.“ Wie Winnie und Willie. Um sie herum ist nichts mehr. Die Welt scheint kurz vor dem Untergang. Aber Winnie schminkt sich, beide pflegen ihre Rituale und strukturieren den Tag in ihrer Zweisamkeit. „Wie die da auf glückliche Tage machen“, das habe etwas Anrührendes.

Keine falsche Geschichte erzählen

Das Regieteam: Michael Lindner, Jona Manow und Maria Preschel Foto: Christina Iberl
Das Regieteam: Michael Lindner, Jona Manow und Maria Preschel Foto: Christina Iberl

Michael Lindners Bühne schafft einen Raum aus Natur. „Wüstenähnlich“, nennt Jona Manow die Atmosphäre und Farbgebung. Es gebe eine Inszenierung des Stücks, die voll im Wasser stattfinde. Aber Manow will nicht ablenken von seinen Figuren. Er steckt Winnie nicht zur Hälfte beispielsweise in Müll, weil dies aktuelle Bezüge erlauben würde. „Man erzählt da schnell eine andere Geschichte mit, die aber nicht stimmt. Winnie und Willie sitzen nicht im Müll“, sagt der Regisseur.

„Es geht um diese zwei Menschen. Das ist die total schöne Geschichte eines Paars“, sagt Manow. Kostümbildnerin Maria Preschel hat sich deshalb bei der Kleidung von Künstlerpaaren inspirieren lassen. Sie sieht die beiden nicht als gewöhnliche alte Leute. „Das sind sehr moderne Kostüme, am Bühnenentwurf orientiert“, sagt Preschel.

„Wie die beiden mit der Wirklichkeit umgehen, ist unser Hauptaspekt“, erklärt Manow. „Wie gehen sie damit um, dass sie bald verenden?“ Beckett ist zeitlos, Winnie und Willie sind es auch. Wie sie sich kurz vor ihrem Ende glückliche Tage vorgaukeln, das hat, sagt Manow, „etwas Bemitleidenswertes, aber auch total Rührendes.“

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