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Jubiläum

Ein an Glanzlichtern reicher Abend

Mit einem Festkonzert feierte das Symphonieorchester der Universität Regensburg das 50-jährige Bestehen der Hochschule.
Von Gerhard Dietel, MZ

Das Symphonieorchester der Universität Regensburg und der Universitätschor boten beim Festkonzert Leistungen auf durchweg hohem Niveau. Foto: altrofoto.de
Das Symphonieorchester der Universität Regensburg und der Universitätschor boten beim Festkonzert Leistungen auf durchweg hohem Niveau. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Darf eine „Akademische Festouvertüre“ in grämlichem c-Moll und im Pianissimo beginnen? Bei Johannes Brahms schon, der meist einen längeren Anlauf brauchte, um zu entspannter Freude zu finden. Die Komposition, mit der sich Brahms bei der Universität Breslau bedankte, die ihn zum Ehrendoktor ernannt hatte, entfaltet nach ihren eigenartigen Anfangstakten dann doch noch viel Frohsinn, wenn sie damals geläufige Studentenlieder zitiert und in eine schmissige Apotheose des „Gaudeamus igitur“ mündet.

Brahms’ „Akademische Festouvertüre“ bildete den passenden Einstieg in jenes Festkonzert, mit dem das Symphonieorchester der Universität Regensburg das fünfzigjährige Universitätsjubiläum feierte.

Ein Brahmsbild mit Doktorhut fand sich zum Vergnügen der zahlreichen Besucherschar an die Wand des Audimax projiziert: als Bildmontage aus der Hand Wolfgang Horns, des Ordinarius für Musikwissenschaft, der noch dazu in angelsächsisch angehauchter akademischer Kleidung auftrat, um gleichermaßen informativ wie humorvoll in Brahms’ Komposition einzuführen, und anschließend auch in jene Sinfonie Nr. 92, die Joseph Haydn aus Anlass seiner Ehrenpromotion im Jahre 1791 in Oxford aufgeführt hatte.

Auf fast professionellem Niveau

Eine würdige Feier entwickelte sich nicht nur durch diesen Rahmen, sondern auch musikalisch, weil das Orchester vom ersten Ton an höchst konzentriert zu Werke ging und, mit winzigen Abstrichen, auf professionellem Niveau musizierte: mit sattem Streicherklang, vorzüglichen Holzbläsern und viel Wirkungsmacht, wenn bei großen Höhepunkten Blech und Schlagzeug hinzutraten.

Man darf sich freuen, dass das Symphonieorchester der Universität nach der an Höhepunkten reichen Ära Graham Bucklands in Arn Goerke einen höchst kompetenten neuen Leiter gefunden hat. Mit akzentuierter Zeichengebung führte Goerke die Musiker auf dem Podium zu einer geschlossenen Leistung mit klarer interpretatorischer Handschrift.

Eine hochdifferenzierte Darstellung

Besonders Haydns „Oxford-Sinfonie“ erlebte eine hochdifferenzierte Darstellung: mit viel Schwung in Kopfsatz und Finale und klarer Gegenüberstellung von spielerischer Leichtigkeit und dramatischen Akzenten. Dazwischen sprechende Pausen, Anläufe, die ins Nichts führen, geistreiche Spiele mit enttäuschten Erwartungen: Zuhörend begriff man, warum die Universität Oxford den Komponisten Haydn als des Ehrendoktors würdigen Intellektuellen ansah.

Zum Orchester trat der von Roman Emilius bestens einstudierte Universitätschor, als nach der Pause Mendelssohns Sinfonie-Kantate „Lobgesang“ auf dem Programm stand. Auch dieses Werk fügte sich inhaltlich vorzüglich in den Rahmen des Universitätsjubiläums: wurde es doch 1840 geschaffen, um die Erfindung des Buchdrucks zu feiern. In seinen geschickt kombinierten Bibel-Texten verherrlicht es den Geist der Aufklärung: „So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.“

Ein mächtiger „Lobgesang“

Das Zentrum von Mendelssohns Komposition ist das Finale, dessen suggestiv aus den Worten „Alles was Odem hat, lobe den Herrn“ entwickeltes Grundthema freilich schon vorab instrumental zitiert und verarbeitet wird. Mächtig stimmte der Universitätschor diesen „Lobgesang“ an, den Mendelssohn zu einem Chorsatz von fast Händelscher Wucht entwickelt hatte, mit breitem homophonem Klang, aber auch manch sicher gestalteten polpyhonen Verzweigungen und fugierten Abschnitten.

Vokalsolisten brillierten

Weitere Glanzlichter setzten die drei Vokalsolisten: als Erste Sopranistin Elisabeth Wimmer mit einem hell strahlenden „Lobe den Herrn, meine Seele“. Zu ihr gesellte sich beim Duett „Ich harrete des Herrn“ Gesche Geier. Weich schmiegten sich die beiden Frauenstimmen ineinander und vernetzten sich mit den Einwürfen des Chors zur Fülle des Wohllautes.

Dramatischere Akzente setzte Thomas Blondelle (Tenor), der seine Partie in klarer Diktion dynamisch abschattierte. „Hüter, ist die Nacht bald hin“ fragte er eindringlich, um schließlich von Elisabeth Wimmer die leuchtende Antwort zu erhalten: „Die Nacht ist vergangen.“

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