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Rundgang

Ein Blick ins Kunstmuseum der Zukunft

Der Neubau in Mannheim zeigt Wege auf, wie das Erlebnis Museumsbesuch mit virtuellen Strategien erweitert werden kann.
Von Harald Raab

Ein transparentes Metallgewebe mit einem Gewicht von 44 Tonnen umhüllt die sieben Ausstellungshäuser des neuen Museumskomplexes der Kunsthalle Mannheim. Foto: Raab
Ein transparentes Metallgewebe mit einem Gewicht von 44 Tonnen umhüllt die sieben Ausstellungshäuser des neuen Museumskomplexes der Kunsthalle Mannheim. Foto: Raab

Mannheim.Deutschlands Kunstmuseen stehen am Scheideweg. Entweder sie machen so weiter und bedienen ein begrenztes Publikum, das in bildungsbürgerlicher Tradition an Ausstellungen interessiert ist. Oder sie wandeln sich zu modernen Kulturorten für alle. Dazu müssen sie kulturelle Bildung eng mit einem Erlebnischarakter verknüpfen. Das Museum und seine Angebote müssen dabei auf mehreren Ebenen erfahrbar werden: als offenes Haus zur realen Begegnung mit Kunst und gleichzeitig als eine Plattform für multimediale Kommunikation im Museum selbst und standortunabhängig weltweit.

Dieser Paradigmenwechsel macht den Neubau der Kunsthalle Mannheim zu einem Pilotprojekt mit Strahlkraft über Baden-Württemberg hinaus. „Wir realisieren das Kunstmuseum der Zukunft“, gibt Kunsthallendirektorin Ulrike Lorenz als ambitioniertes Versprechen ab. Welche hohen Erwartungen an das Vorhaben geknüpft sind, zeigt das große Interesse an der Fertigstellung des Museumskomplexes. Am 18. Dezember kommen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Ministerpräsident Winfried Kretschmann zur Schlüsselübergabe des Neubaus. Es ist der zur Zeit größte Neubau eines Kunstmuseums in Deutschland.

Konzept zeigt neue Wege auf

Schon Konzipierung und Abwicklung des Bauvorhabens zeigen neue Wege auf: Bauherr des futuristisch puristisch anmutenden Gebäudekomplexes mit klar gegliederter bronzefarbener Fassade ist die eigens dafür errichtete Stiftung Kunsthalle Mannheim. Sie übergibt nun den Bau an den Nutzer, die Stadt Mannheim. Nach erfolgtem Umzug der Kunstwerke aus einem Depot wird das Museum im kommenden Jahr für das Publikum geöffnet sein.

Und auch das ist nicht alltäglich: Die veranschlagten Baukosten in Höhe von 68,3 Millionen Euro wurden eingehalten, ebenso die geplante Bauzeit von zweieinhalb Jahren. Mit dem für zusätzliche 22 Millionen Euro 2013 renovierten alten Jugendstil-Ensemble an der Rückseite des Museumsquartiers steht ein außerordentlicher Begegnungsort mit Kunst von der Romantik bis zur Postmoderne zur Verfügung.

Die neue Kunsthalle unterscheidet sich fundamental vom alten Typ des Museums. Ihr liegt das architektonische Konzept des international tätigen Architekturbüros gmp Gerkan, Marg und Partner zugrunde, das Erfahrung mit Museumsbauten vor allem in China hat. Das Motto für Mannheim: eine Stadt in der Stadt. Entstanden ist entsprechend der Quadrate-Struktur der Rhein-Neckar-Metropole eine Ansammlung von sieben „Ausstellungshäusern“. Sie gruppieren sich um ein 22 Meter hohes Lichtatrium.

Die in Höhe und Breite variierenden 13 Ausstellungsräume sind mit Gassen, Terrassen und Brücken verbunden. Die 13 000 Quadratmeter Nutzfläche ergeben etwa die Größe von zwei Fußballfeldern. Umfangen ist das Ensemble von einem nachts beleuchteten Metallnetz aus Drähten und Röhren.

Schutzraum für Kultur

„Wir nehmen die demokratische Grundmaxime der Institution Museum als Schutzraum für Kultur sehr ernst und definieren sie neu für die Bedürfnisse von heute und in der Zukunft“, sagt Museumsdirektorin Lorenz: „Der Neubau ist ein Statement. Wir verbinden uns architektonisch und inhaltlich mit dem Kulturverdichtungsraum Stadt.“

Grundsätzlich sei jeder im Atrium mit angeschlossener Gastronomie willkommen. „Wir verstehen uns als Treffpunkt für alle. Man kann sich hier bei Regen unterstellen, kann sein Handy aufladen, sich mit Freunden verabreden – erst einmal alles, ohne Eintritt zu bezahlen.“ Danach könne man sich entscheiden, ein Ticket zu erwerben, um die Ausstellungen zu besuchen. Dort soll nicht mehr Kunstgeschichte im klassischen Stil anhand von Meisterwerken erzählt werden: „Wir überraschen die Menschen in einem Parcours von Begegnungen mit Kunst. Jeder Besuch soll zum Erlebnis werden. Unser Motto ist: Museum in Bewegung. Kunst wird in immer neuen Zusammenhängen dargestellt.“

Dabei spielt das digitale Konzept gerade für junge Besucher eine zentrale Rolle. Es gibt im Atrium eine „Collection Wall“. Sie ermöglicht differenzierte Einblicke in die Sammlung. Ein Kreativ-Labor lädt zum Ausprobieren der eigenen Kreativität ein. Hier kann man sich eine eigene Ausstellung erarbeiten, einen persönlichen Museumskatalog erstellen und ausdrucken. In einem virtuellen Skulpturengarten erhält der Besucher eine neue Sicht auf die Skulpturen der Sammlung.

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