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Ausstellung

Ein buntes Fest für die Augen

Das Künstler-Duo Römer+Römer zeigt pixelartig verfremdete Malerei. Erstmals sind die Arbeiten in Regensburg zu sehen.
Von Gabriele Mayer

Faszinierender Blick auf Menschen: Torsten und Nina Römer vor ihrem Gemälde „Superacao“ Foto: altrofoto.de
Faszinierender Blick auf Menschen: Torsten und Nina Römer vor ihrem Gemälde „Superacao“ Foto: altrofoto.de

Regensburg.Das volle Leben, der lebendige Augenblick, Feiern, Feste, Tanzen am Strand. Manchmal werden Personen hervorgehoben, mit denen sich der Betrachter identifizieren kann, Bildtitel wie „Brians enge Strumpfhose“ unterstreichen es. Aber alles und alle sind in Bewegung, ein Flirren, ein Lichtschimmern in buntem Farbenspiel: Bilder beseelter Gemeinschaftlichkeit. Eine Magie zieht den Betrachter an.

Das hat mit der ganz speziellen Machart der Arbeiten von Römer+Römer, dem Künstlerpaar Torsten und Nina Römer, zu tun, die ihre aufwendigen Öl-Bilder immer gemeinsam malen. Studiert haben sie bei A.R. Penck. Ihr Metier sind aber nicht runenartig abstrahierte Icons, sondern winzige, gepinselte übereinander und nebeneinander gelegte Farbpixel, wobei der Bildaufbau insgesamt polyphon ist wie bei Penck.

Ihre Bildmotive suchen sie immer dort, wo Menschen, sei es aus politischen Gründen oder zum Vergnügen, auf Festivals, zusammenkommen. Für Bewegungen, auch im übertragenen Sinn des Wortes, interessiert sich das Künstler-Duo. Ihre Serien gelten bisweilen als moderne Historienmalerei, modern auch deshalb, weil statt staatstragenden Herrschern das Volk und seine Aktivität und Bewegtheit gezeigt werden: Unkomplizierte Kommunikation, entspannte Momente, darauf kommt es Römer+Römer an. Zunächst machen sie Fotos von Szenen im öffentlichen Raum, etwa von einem „Tanz auf der Seebühne“. Und verwandeln sie in ihrer pixelartigen Malerei zu Szenen, die den Augenblick als Augenblick, als ein Fließen, ein Schillern und Leuchten zur Geltung bringen, und das Lebendige des Lebens vergrößern und künstlerisch idealisieren.

Das Bild hinter dem Bild

Die Wirkung solcher Stimmungsmotive lässt sich heute mit Fotografien nicht leicht herstellen. Sie scheinen in dieser Hinsicht abgenutzt, man denke nur an die unzähligen bunten Fotos aus der Hippie-Ära. Außerdem geht es dem Duo auch darum, das Verhältnis der darstellenden Malerei zum Hauptmedium der Abbildung, der Fotografie, zu reflektieren, so dass auch der Betrachter zu einer Auseinandersetzung animiert wird. Inwiefern die ungewöhnliche Malerei von Römer+Römer etwas erzeugt, was die Fotografie so nicht kann, zeigt jetzt ihre erste Ausstellung in Regensburg im Kunstkabinett. Bereits die cinemascopeartig in die Breite gezogenen Bildformate bringen das Vorbeiziehen, aber auch das Sich-Dehnen, die Präsenz der Zeit zum Ausdruck. Und bei „Schulmädchen im Meer des Friedens“ scheinen die Wellen direkt aus dem Bild heraus zum Betrachter hinzufluten. Das hat mit der Lichtbrechung dieser ungewöhnlichen Pixel-Malerei zu tun. Bei anderer Beleuchtung schienen die Bilder und ihre Motive dagegen wie aus lauter glitzernden, kostbaren Konfettikörnern zufällig aus dem Moment heraus zusammengewürfelt zu sein. Aus der Ferne wirken sie stattdessen ungemein fotografisch.

Die Ausstellung

  • Künstler:

    Römer+Römer, die Berliner Künstler Torsten und Nina Römer, studierten an der Düsseldorfer Akademie bei A.R.Penck. Ihre pixelartig aufgebauten Öl-Gemälde fertigen sie stets gemeinsam. Seit 1998 arbeitet das Künstler-Duo zusammen.

  • Arbeiten:

    Das Kunstkabinett zeigt bis zum 20. November erstmals in Regensburg Arbeiten des Künstler-Duos Römer+Römer.

Bei Nahsicht verändern sie sich wie durch Zauberei, und die wunderlichen Farbflecken wirken fast als kämen sie vom Digitalstudio. Aus der unmittelbaren Nähe löst sich alles in diese abstrakten Farbflecken auf, das rekurriert auch auf den Impressionismus, der das Flirren und Sichauflösen der Dinge in der Sonne, die stete Veränderung der Wahrnehmung im Fluss der Zeit und des Lichts und des empfundenen Augenblicks darstellt. Nebenbei spielen die Künstler mit der Konstruktionslust des Betrachterhirns, die Flecken wieder zu erkennbaren Figuren zusammenzusetzen, wie bei der uns vertrauten Übung, das Sich-Aufbauen eines digitalen Bildes zu betrachten, ohne dass die Malerei diesen Vorgang imitieren will.

Eine Ebene der Verwandlung

Denn die Malerei als Malerei unterläuft von sich aus die Programme und Verfahren des Digitalen, indem sie sie nicht nur aufgreift, sondern darstellt, Römer+Römer ziehen mit ihrer Kunst sozusagen eine Ebene der Reflexion, der Verwandlung und Überhöhung ein. Darin liegt der gewisse Charme dieser mit Oberflächenreizen spielenden Kunst.

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