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„Ein Dichter, den man versteht, enttäuscht die Erwartungen“

Matthias Kneip wagt den Sprung ins nur scheinbar seichte Fach mit dem Band „blöd aber sinnig“.
Von Susanne Wiedamann, MZ

Matthias Kneip liest am Donnerstag aus „Blöd aber sinnig“.Foto: sw

Regensburg.Nein, das hätten wir nicht von ihm gedacht. Er war doch immer so ernsthaft, ein fleißiger junger Mann, dem das Verständnis für Polen so am Herz liegt. Und nun das: Ein Gedichtband mit dem Titel „blöd aber sinnig“. Was ist passiert? Was bewegte den Regensburger Dichter Matthias Kneip, sich in bissigen und köstlichen Aphorismen zu ergehen?

„Ich habe diese Gedichte immer mal wieder für mich so zum Spaß geschrieben. Ich habe mich zunächst nicht getraut, sie in einem richtigen Lyrikband zu veröffentlichen“, erklärt Matthias Kneip. Nach mehreren Buchveröffentlichungen kratzen ihn diese Bedenken heute nicht mehr. Feuer frei für „blöd aber sinnig“, für Lyrik, die sich reimt, die verständlich ist, aber weder platt noch verkopft. Die sich auf den Alltag der Menschen bezieht, Verweischarakter hat, wie Kneip erklärt. Bei der sich hinter der ersten Ebene noch eine zweite, hintergründige versteckt. Die mit Sprache spielt – und Spaß macht. „Der fehlende Spaß beim Lyriklesen ist der Grund, dass das so abgesoffen ist“, sagt Kneip.

„Ein Dichter, den man versteht, enttäuscht die Erwartungen“, kritisiert Kneip in einem seiner Aphorismen den Literaturbetrieb. Und spricht: „Auch in Schrebergärten lassen sich Weisheiten verkünden“. Lyrik muss für Schüler wie Senioren gleichermaßen funktionieren, fordert er. „Da komme ich ein bisschen aus der polnischen Schule.“ Seine Themen findet er buchstäblich auf der Straße: Die vielen Hundehaufen auf der Grünfläche einer Hochhaussiedlung in Polen inspirierten ihn 1995 zu einem seiner ersten „Spaßgedichte“. „Warum nicht ein Gedicht über einen Hundehaufen schreiben?“ dachte sich Kneip und ließ alle Berührungsängste fallen. Ob Mauerfall, die Bundesbahn, Europa, Herzblatt oder das Eheversprechen, nichts ist dem Lyriker Kneip heilig.

„Überflüssiges Gedicht“ heißt der erste Text in dem Bändchen (House Of The Poets), das von Tom Meilhammer wunderbar illustriert wurde. „Mein Freund, es tut mir wirklich leid. Auch ich bin gänzlich ohne Sinn. Bedauerlich für deine Zeit, doch mir genügt es, dass ich bin“, spricht das Gedicht, das natürlich Sinn hat. Das genaue Anschauen von Sprache und von Wörtern wie „ver-liebt“ ist Kneip wichtig. „Diese Art Lyrik ist ein Beispiel für sinnbildende Unterhaltung.“

Am Donnerstag liest Kneip ab 19.30 Uhr in der Stadtbücherei Regensburg, Haidplatz 8. Am Piano begleitet Robert Seitz. Dazu gibt es eine Ausstellung von Tom Meilhammer.

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