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Sammlung

Ein doppelter Hölzel im Kunstforum

Ein außergewöhnliches Bild ergänzt den großen Regensburger Bestand: Der Künstler hat auch die Rückseite bemalt.
Von Ulrich Kelber, MZ

  • Die Vorderseite des Gemäldes von Adolf Hölzel: Capodistria, 1905. Es ist eine Leihgabe des Vereins der KOG-Förderer und des Freistaats Bayern. Foto: Wolfram Schmidt
  • Die Rückseite des neu erworbenen Gemäldes von Adolf Hölzel: Dachauer Landschaft, um 1902 Foto: Wolfram Schmidt

Regensburg.War der Künstler sparsam, oder war er mit dem zunächst gemalten Bild von 1902 – einer Winterlandschaft bei Dachau – nicht zufrieden? Als Adolf Hölzel mit seiner Frau Emmy kurz vor Weihnachten 1904 auf Italienreise ging, nahm er bei seinen Malutensilien jedenfalls die zusammengerollte Leinwand mit. Der Künstler besuchte bei dieser Tour auch Istrien, das damals noch zum Habsburgerreich gehörte. Koper, heute eine große Hafenstadt, stand zu diesem Zeitpunkt noch ganz im Schatten von Triest, war ein Fischernest mit malerischen Häusern und trug noch den italienischen Namen Capodistria.

Hier gab es Motive, die dem Künstler gefielen. So hielt Hölzel auf der Rückseite seines Dachau-Bildes nun eine ganz andere Landschaft fest: Die Adriaküste mit der Ufermole und einer schäbig wirkenden Häuserzeile, dazu im Hintergrund die Karsthügel. Fahles Blau und gedämpftes Beige dominieren. In Punkten und Flecken auf die Leinwand aufgebracht, ergibt sich eine Farbstruktur, aus der ersichtlich wird, wie intensiv sich Hölzel in jenem Jahr mit dem Neoimpressionismus beschäftigte.

Die Echtheit ist gesichert

Dieses Doppel-Gemälde stellten Direktorin Agnes Tieze und Sammlungsleiter Gerhard Leistner am Montag als jüngste Neuerwerbung des Kunstforums Ostdeutsche Galerie vor. Das Geld für den Ankauf stellten der Verein der „Freunde und Förderer des Kunstforums“ und das bayerische Sozialministerium zur Verfügung. Den genauen Preis – er lag im niedrigen fünfstelligen Bereich – wollte das Museum nicht nennen. Dies sei Wunsch des Sammlers, von dem das Gemälde direkt erworben werden konnte, betonte Leistner. Die Provenienz des Gemäldes ist gut belegt. Es befand sich lange Zeit im Besitz der Familie eines Handwerkers, der für Hölzel tätig gewesen war. Die Echtheit ist also gesichert – auf dem Kunstmarkt sind nämlich auch schon gefälschte Hölzel-Bilder aufgetaucht.

Adolf Hölzel, der 1853 in Olmütz geboren wurde, kam 1876 nach München und lebte von 1888 an in Dachau, wo er zu den wichtigsten Persönlichkeiten der dortigen Künstlerkolonie gehörte. 1906 wurde Hölzel Professor an der Kunstakademie in Stuttgart, wo er 1934 starb. Das Kunstforum in Regensburg besitzt neben dem Stuttgarter Kunstmuseum „die weltweit größte Sammlung von Hölzels Werken“, insgesamt weit über 50 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen. In der Dauer-Ausstellung des KOG gibt es einen eigenen Hölzel-Raum, in dem jetzt auch das neu erworbene Bild gezeigt wird. Mit diesem Werk aus dem entscheidenden Jahr 1905 kann Hölzels Weg vom Naturalismus, Realismus und Impressionismus hin zur Abstraktion und zur Konzentration auf die Farbkomposition noch schlüssiger dargestellt werden.

Bei der Bild-Präsentation dankte Tieze dem Förder-Verein für die „tatkräftige Unterstützung“. Dessen Vorsitzender Wilhelm Weidinger hob hervor, dass es nicht nur um Unterstützung bei Ankäufen gehe. Sein Anliegen sei es, „das Museum unter die Leute zu bringen“. Es gehe um die Förderung museumspädagogischer Projekte, denn das Kunstforum solle „in die Gesellschaft hineinwirken“. Derzeit haben die „Freunde und Förderer“ etwa 250 Mitglieder.

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