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Kunst

Ein eigener Kanoldt für das Kunstforum

Der Maler zeigte eine entrückte, kühle Welt. Das Regensburger Museum konnte nun ein Stillleben von ihm erwerben.
Von Claudia Böckel

Die ersten Betrachter des neuen Kanoldt-Stilllebens Foto: Claudia Böckel
Die ersten Betrachter des neuen Kanoldt-Stilllebens Foto: Claudia Böckel

Regensburg.Alexander Kanoldts nüchterne Stillleben mit den charakteristischen Zimmerpflanzen gelten als Inbegriff der Neuen Sachlichkeit. Im Kunstforum Ostdeutsche Galerie war Kanoldt (geboren 1881 in Karlsruhe, 1939 in Berlin gestorben) jahrelang durch großzügige temporäre Leihgaben anderer Museen vertreten. Durch verschiedene Zufälle, durch das Auftauchen dieses Bildes im Kunsthandel und durch das Zusammenwirken verschiedener Institutionen ist nun der Ankauf des Gemäldes „Stillleben I / 1927“ von Kanoldt für die eigene Sammlung möglich geworden.

Malerei

Wenn die Leinwand doppelt genutzt wird

Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie geht auf Spurensuche. Von autorisierten Gemälden wird die Rückseite aufgedeckt.

Das Bild kommt einem bekannt vor, weil es sich zeittypischer Versatzstücke bedient. Eine Pflanze und zwei Gefäße sind auf einem Tischchen vor Stroffdraperien arrangiert. Die Darstellung ist realistisch, aber doch zugleich unwirklich. Dr. Agnes Tieze, die Direktorin des Kunstforums, hob bei der Enthüllung des neuen Bildes die Vorliebe Kanoldts für kubische Formen hervor. In der Formgebung gehe er nicht von der Pflanze, einer Schusterpalme, aus, sondern von den streng modellierten Gefäßen. „Kanoldts Realismus ist durch die Moderne hindurchgegangen“, sagt sie. Er zeige eine entrückte, kühle Welt. Im Jahr 1927 dürfte das Bild bei der ersten Ausstellung der von Kanoldt gegründeten Badischen Secession in Freiburg im Breisgau zu sehen gewesen sein.

Porträt

Das Leben von Katharina Sieverding

Ein Gespräch mit der Künstlerin über Schaffen und ihre aktuelle Ausstellung „Deutschland wird deutscher“.

Viele Geschichten ranken sich um dieses Werk. Es stammt aus der Zeit Kanoldts als Professor an der Staatlichen Hochschule für Kunst und Gewerbe in Breslau – heute polnisch Wroclaw. Im Jahr der Entstehung erwarb das jüdische Sammlerehepaar Smoschewer aus Breslau das Bild und wurde 1939 gezwungen, es zu verkaufen. „Kriegsbedingt wurde es ausgelagert, gestohlen, von einem deutschen Museum erworben und 2017 an die ursprüngliche Sammlerfamilie restituiert. Vorkriegskunst aus Schlesien mit einer exemplarischen Objektgeschichte kann nirgends sinnvoller gezeigt werden als im Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg. Wir haben gerne dazu beigetragen“, freut sich Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung.

„Der Erwerb verpflichtet das KOG in besonderer Weise, geschehenes Unrecht zu benennen und die Aufklärung aktiv zu gestalten.“

Markus Hilgert

Professor Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder, wies auf die Pflicht und Chance aktiver Erinnerung hin. Das Gemälde stehe exemplarisch für die rechtmäßige Restitution von Kulturgütern aus jüdischen Sammlungen auf Basis der Washingtoner Prinzipien. „Der Erwerb verpflichtet das KOG in besonderer Weise, geschehenes Unrecht zu benennen und die Aufklärung aktiv zu gestalten.“

Besonderer Dank ging an Kulturstaatsministerin Monika Grütters, die das Projekt förderte und an den Verein der Freunde und Förderer des KOG. Alle Institutionen haben bestens zusammengearbeitet bei diesem im Hinblick auf den Marktwert des Künstlers ambitionierten Ankauf. Am Sonntag, 22. September, gibt es um 11 Uhr es eine Expertenführung mit Dr. Michael Koch, dem Verfasser des Werkverzeichnisses von Kanoldt.

Hier geht es zur Kultur.

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