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Kino

Ein Film über Mut und Mitgefühl

„Todeszug in die Freiheit“ erzählt die Rettung von KZ-Häftlingen. Der Film, gerade preisgekrönt, läuft im Ostentor-Kino.
Von Marianne Sperb

Ein KZ-Häftling am Bahnhof Roztoky, kurz vor Prag: Für „Todeszug in die Freiheit“ konnten die Regisseure sogar Original-Material auftreiben. Foto: Vladimir Fyman
Ein KZ-Häftling am Bahnhof Roztoky, kurz vor Prag: Für „Todeszug in die Freiheit“ konnten die Regisseure sogar Original-Material auftreiben. Foto: Vladimir Fyman

Regensburg. Doch, man hätte können. Man hätte helfen können, statt wegzusehen. Das beweisen die Menschen im einstigen Protektorat Böhmen/Mähren, die im Frühjahr 1945 dafür sorgten, dass die Häftlinge eines KZ-Transports nicht in den Tod fuhren, sondern in eine Zukunft.

„Todeszug in die Freiheit“, unter diesem Titel haben der Regensburger Journalist Thomas Muggenthaler und seine Kollegin Andrea Mocellin eine Geschichte von Mut und Mitgefühl recherchiert, die sich in den letzten Kriegstagen ereignet hat.

4000 halb Verhungerte werden damals von Leitmeritz, einer Außenstelle des KZ Flossenbürg, in Richtung Mauthausen geschickt, auf eine Reise ohne Wiederkehr. Aber die tschechische Bevölkerung greift ein. Sie wirft den Eingepferchten da und dort Essen in die oben offenen Güterwaggons. Die Helfer handeln von Station zu Station organisierter. In Roztoky, kurz vor Prag, verhelfen sie 300 Häftlingen zur Flucht und richten ein Notlazarett ein. In Velešín schließlich stoppen sie den Zug. 1500 Menschen überleben dank der Zivilisten. Die Rettung war ein singulärer Akt der Menschlichkeit, den es „in dieser Form im Deutschen Reich nicht gegeben hat“, wie Jörg Skriebeleit, der Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, im Januar 2018 sagte, vor der Eröffnung einer Ausstellung über den Todestransport.

Sondervorführung im Ostentor-Kino

Für ihr Filmdokument, das ein schmerzhaftes Thema behutsam, mit Respekt und vor allem mit Empathie behandelt, wurden Muggenthaler und Mocellin am vergangenen Wochenende in Olmütz geehrt. Bei der Verleihung des Deutsch-tschechischen Journalistenpreises 2018 erhielten sie den Sonderpreis „Milena Jesenská“. Die Auszeichnung überreichte der 96-jährige Felix Kolmer, der selbst mehrere Konzentrationslager überlebt hat und heute Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees ist. Der Preis ist übrigens bereits der zweite, den der Film erhalten hat. Kameramann Sorin Dragoi wurde für seine Arbeit an der Doku mit dem Deutschen Kamerapreis ausgezeichnet.

In Olmütz, bei der Verleihung des Deutsch-tschechischen Journalistenpreises 2018: Thomas Muggenthaler (links) und Andrea Mocellin mit dem jüdischen Auschwitz-Überlebende Professor Felix Kolmer aus Prag, der die Auszeichnung überreichte Foto: Muggenthaler
In Olmütz, bei der Verleihung des Deutsch-tschechischen Journalistenpreises 2018: Thomas Muggenthaler (links) und Andrea Mocellin mit dem jüdischen Auschwitz-Überlebende Professor Felix Kolmer aus Prag, der die Auszeichnung überreichte Foto: Muggenthaler

Mehr als 70 Jahre liegen die Ereignisse von Roztoky und Velešín zurück. Dennoch gelang es, Original-Material aufzutreiben, Fotos und sogar Filmschnippsel, die Rettungsaktionen dokumentieren, und mit Zeitzeugen zu sprechen. Um zwei Frauen zu treffen, die 1945 im Todeszug saßen, reiste das Team bis Moskau.

Die ARD strahlte „Todeszug in die Freiheit“ im Januar 2018 aus. Im BR und auf Phoenix war der 45-minütige Film mehrfach zu sehen. Jetzt zeigt ihn das Ostentor-Kino in Regensburg in einer Sondervorführung: am 25. November (16.30 Uhr). Thomas Muggenthaler und Jörg Skriebeleit sind anwesend.

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