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Kultur
Freitag, 22. Juni 2018 18° 3

Konzert

Ein ganz intimes Ding mit Lenny Kravitz

Der schöne Schlaks zeigt in München, was er alles kann: Funk, Groove, krachenden Rock, Pop. Die Botschaft: Liebe herrscht!
Claudia Bockholt

Lenny Kravitz in der Münchner Olympiahalle Foto: Jens Niering
Lenny Kravitz in der Münchner Olympiahalle Foto: Jens Niering

München.Der Auftakt der Raise Vibration Tour in Europa ist für Lenny Kravitz nicht verheißungsvoll. Der rückwärtige Teil der Münchener Olympiahalle ist abgehängt – damit die leeren Ränge nicht so unangenehm auffallen. Und trotzdem klaffen auch vorne noch große Lücken. Die richtigen Knaller des 54-Jährigen liegen schon halt deutlich länger als zehn Jahre zurück. Die heute 20-Jährigen kennen Kravitz eher als Schauspieler, vor allem als Cinna aus „Die Tribute von Panem“ denn als Rockstar. Egal: Es sind trotzdem einige Tausend Fans aus ganz Bayern angereist.

„Low“ heißt der einzige bislang bekannte Song des neuen Albums, das voraussichtlich im September erscheinen wird. Ein typischer Song aus dem Hause Kravitz: funkig, rockig groovend, tanzbar, erdig. Und mit einem Retorten-Kiekser des unsterblichen Michael Jackson als Dreingabe zur Legendenbildung. Auch das kann als Erklärung dienen, warum das Haus nicht voll ist: Wer geht schon auf Tour, wenn das neue Album noch nicht auf dem Markt ist?

Nächste Frage: Warum gilt der schöne Schlaks mit Rastalocken als Sexsymbol? Es ist ein kleines Mysterium. Auf der Bühne bewegt er sich eher ungelenk, fast schüchtern. Ungefähr so wie ein furchtsames Topmodel unter den gnadenlosen Blicken Heidi Klums. Und trotzdem kreischen Frauen, die nur noch bedingt als Girlies durchgehen, ohne Unterlass und ohne Dezibelbeschränkung.

„Zwischen Rock und Schmalz“: Hier mehr über Lenny Kravitz

Die Lightshow ist solide, aber nicht atemberaubend. Die Akustik ist, nun ja, indifferent. Und doch schafft es dieser zarte Mann aus Brooklyn, mit zwei Stunden Live-Musik die komplette Olympiahalle auf die Beine zu bringen. Die Zahl der Hits, die er zwischen 1989 und 2000 geschrieben hat, reicht locker für ein umjubeltes „Best-of“-Konzert. Das beginnt bei „American Woman“, das in einen smoothen Marley-Reggae übergeht: „Get Up, Stand Up“. Dazu passen die 70er-Jahre-Accessoires auf der Bühne: Schlaghosen, ein Bob-Dylan-Hut und riesige Räucherschalen auf beiden Seiten der Bühne. Die Musik klingt besser, als sie riecht.

Let Love Rule: Lenny Kravith in München – hier im Video.

Lenny Kravitz zeigt mit einer musikalisch perfekten Show, was er so alles kann: Funk, Groove, krachenden, röhrenden Rock, Pop-Balladen wie „It Ain’t Over Till It’s Over“ , die haarscharf am schlimmen Kitsch vorbeischrammen. Die Stimme klingt so charismatisch und dynamisch wie eh und je, die Band liefert eine musikalisch makellose Show. Wobei: Eine Show sei es ja nicht, zirpt Kravitz schmeichelnd ins Mikro. Es ist vielmehr ein ganz intimes Ding zwischen ihm und jedem Einzelnen im Publikum: „I belong to you and you belong to me, too. You make my life complete, you make me feel so sweet“, flirtet er ins Mikro. Es geht um eine bessere Welt. Und um Liebe. Die soll, das fordert er in seiner Zugabe, die Alleinherscherin sein. Wer sollte da nicht die Arme nach oben reißen, tanzen und mitsingen, bis die Stimme bricht: „Let Love Rule“!

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