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Kirchenmusik

Ein glänzender Gesamteindruck

Die Chorphilharmonie, ihr Orchester sowie ihr Kammerensemble vocapella interpretierten in Herz Jesu eine Bach-Motette und Haydns „Missa Cellenis“.
Von Gerhard Dietel, MZ

  • Die Chorphilharmonie interpretierte Joseph Haydns „Cäcilienmesse“.
  • Das Kammerensemble vocapella

Regensburg.In kleiner Besetzung begann dieses Mal das von der Regensburger Chorphilharmonie in der Regensburger Pfarrkirche Herz Jesu veranstaltete geistliche Konzert: Johann Sebastian Bachs Trauermotette „Jesu meine Freude“ gestaltete vocapella, der Kammerchor der Chorphilharmonie, nur gestützt vom Orgel- und Cello-Continuo.

Horst Frohn als Leiter des Ensembles und seine locker und unangestrengt agierenden Sängerinnen und Sänger folgten dabei einem Interpretationskonzept, das bewusst die bildkräftige Sprache des Werks in den Vordergrund stellte. Selbst in den reinen Choralstrophen wurden die breit strömenden Vokallinien immer wieder durch Herausheben von Textworten durchbrochen. Erst recht ließ es sich vocapella nicht nehmen, antithetische Wendungen des Textes („Tobe, Welt, und springe/ Ich steh’ hier und singe“) einander in Ausdruck und Artikulation deutlich gegenüberzustellen.

So filigran Bachs Motette mit ihrem durchsichtigen, drei- bis fünfstimmigen Satz erklang, so monumental wirkte danach das Hauptwerk des Konzerts, Joseph Haydns um 1770 geschaffene „Missa Cellensis“, früher auch als „Cäcilienmesse“ bezeichnet. Dass Haydn diese Komposition für den liturgischen Gebrauch geschaffen hat, kann man sich kaum vorstellen: Dazu sind ihre Formen, zumal im ausgedehnten „Gloria“, zu ausladend. Mit der demonstrativen Verwendung kontrapunktischer Künste und ihrer eher in die Barockzeit zurückblickenden Stilistik ist diese Messe wohl eher als Kunst-Demonstration zu verstehen, die zeigen sollte, dass ihr Verfasser den traditionellen, erhabenen Kirchenstil beherrscht.

Der groß-oratorische Zug der „Missa Cellensis“ konnte sich bei ihrer Aufführung in „Herz Jesu“ unter der souveränen Gesamtleitung von Horst Frohn voll verwirklichen. Das Orchester der Chorphilharmonie durfte oft genug noch vor dem Einsatz der Sänger den Grundcharakter der einzelnen Messenabschnitte formulieren, wobei die Musiker in den zahlreichen glanzvollen, freudig bewegten C-Dur-Teilen als treibende Kraft ein temperamentvoll vorwärtsgehendes Brio entwickelten.

Flexibel zeigten sich die Sängerinnen und Sänger der Chorphilharmonie den Anforderungen der Partitur gewachsen. Nach breiter, ruhiger Piano-Klangentfaltung im Kyrie-Beginn verstanden sie es, nahtlos zu jubelndem Überschwang zu finden und den homophon-flächigen Abschnitten der Komposition immer wieder in sicherer Verzahnung der Stimmen ausgedehnte polyphone Verläufe folgen zu lassen: innerlich bewegte, aber auch kantabel angelegte Fugen, bei denen der Chorklang von der Bassregion aus kraftvoll bis zu den Sopranhöhen aufgebaut wurde.

Erfreuen konnte sich die zahlreiche Zuhörerschar auch an den Leistungen der Gesangssolisten. Doris Döllinger ließ ihren Sopran im „Laudamus te“ nach verhaltenem Beginn hell aufleuchten und erwies sich in der Folge stets beweglich und koloraturgewandt. Frauke May gestaltete ihre Altpartie höchst eindringlich mit dunkel glühendem Timbre, während Juan Carlos Falcón in seinen Tenorarien gelegentlich die Sphäre der Oper streifen durfte. Holger Ohlmanns kerniger, markant hervortretender Bass rundete den vorzüglichen Gesamteindruck ab, den das Solistenquartett und die gesamte Aufführung hinterließen.

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