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Konzerte

Ein Glücksfall für die Neue Musik

Das Festival an der Musikhochschule verzauberte das Publikum und Fachleute.
von Andreas Meixner

Ausnahmekünstler Hans-Ola Ericsson an der OrgelFoto: altrofoto.de
Ausnahmekünstler Hans-Ola Ericsson an der OrgelFoto: altrofoto.de

Regensburg.Sechs Tage am Stück waren die Sinne geflutet, das Zeitgefühl schien aufgehoben, weil die Musik der Gegenwart alles an Aufmerksamkeit abverlangt. Am Anfang der Tage Neuer Musik an der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik stand in Auftrag gegebene Musik des Komponisten Biagio Putignano, mit flächigen Clustern der Instrumente, aufgebrochen durch vier Männerstimmen, dialogisierend mit Anleihen an gregorianische Linien. „Abimes parmi naus“ bildete in vier Sätzen unter der Leitung von Steven Heelein den würdigen Auftakt des Festivals, das dem bisherigen Projekttag „Erstmal Neues“ im zehnten Jahr nachfolgt. Putignano verbeugt sich damit vor der Musik von Olivier Messiaen, dessen Quartett „Vom Ende der Zeit“ exakt 78 Jahre nach seiner Uraufführung in einer atemberaubenden Interpretation das Publikum entrückt und am Ende nicht mehr loslassen will. Der vierte Tag: Nach intensiven Kompositionsseminaren und Orgelkursen ist die Faszination von John Cages „4‘33“ ungebrochen, der Konzertsaal als Klangträger der Stille, die es am Ende doch nicht geben kann, wird in seiner Passivität zusammen mit der zum Nichtstun angehaltenen Pianistin zu einem konzentrierten Erleben – und der Hustenanfall einer Zuhörerin zum Teil des Stücks.

Das nachfolgende Podiumsgespräch kann nicht anders, als darauf noch einmal Bezug zu nehmen. Hans-Ola Ericsson, der John Cage und Olivier Messiaen so gut kannte, öffnet weit seine Seele, wenn er seine Gedanken zu diesen Menschen und zu seiner eigenen Welt des Komponierens ausbreitet, während Biagio Putignano und Steven Heelein mit Leidenschaft versuchen, ihr Kompositionshandwerk zu erklären. Es ist nur eine Annäherung, weil es am Ende doch so persönlich und intim ist, die eigene Kreativität in Worte zu fassen. Dann wird die Nacht zum Tag: Eric Saties „Vexations“ wird in 840 Wiederholungen simultan zu John Cages „ASLSP/Organ“ bis in die frühen Morgenstunden aufgeführt. Die Zuhörer wandeln durch die Gänge und Räume, halten inne, ziehen weiter. Die ganze Hochschule ist ein organischer Klangraum.

Die Neupfarrkirche wird zum Ort zweier Ausnahmekonzerte an der Orgel, das eine von Dominik Susteck, das andere von Hans-Ola Ericsson. Bei Ericssons zweistündiger Klangorgie muss man sich im Kirchengestühl festhalten, um nicht von der emotionalen Wucht und Energie der Musik von Ericsson selbst, von Messiaen, aber auch von Bach weggefegt zu werden. Das hat man so noch nicht gehört. Was fehlt, ist ein noch größerer Publikumszuspruch. Die Regensburger sollten das Festival schnell für sich erobern. Es ist ein Gewinn für Geist und Seele.

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