MyMz

Konzert

Ein großartiger Beethoven

Die Chorphilharmonie Regensburg, unterstützt von Sängern des Kammerchors Kobe, und ihr Orchester führten in der Herz-Jesu-Kirche die „Neunte“ auf.
Von Gerhard Heldt, MZ

Der Kammerchor Kobe – hier beim Konzert am Samstag in Neunburg vorm Wald – verstärkte die Sänger und Sängerinnen der Chorphilharmonie Regensburg auch am Sonntag. Foto: Gohlke

Regensburg. Die voll besetzte Kirche Herz Jesu in der Kreuzgasse entpuppte sich beim Konzert der Chorphilharmonie Regensburg am Sonntagnachmittag als geradezu idealer Raum für groß besetzte Konzerte. Denn das schuhschachtelartige Kirchenschiff (hoch, lang, schmal) hat eine Akustik, die die Musik direkt und ohne großen Nachhall beim Hörer ankommen lässt. Das brachte der 110-köpfige Chor und das adäquat besetzte Orchester zu einer Leistung, die in Regensburg nicht alltäglich ist.

Die Chorphilharmonie Regensburg, aus dem Vokalensemble Laaber hervorgegangen, hatte für zwei Schlüsselwerke von Brahms und Beethoven etwa 80 Sängerinnen und Sänger aufgeboten, die von 30 Mitgliedern des japanischen Kammerchors Kobe unterstützt wurden. Das international besetzte Orchester der Chorphilharmonie mit Streichern des Philharmonischen Orchesters an den ersten Pulten war in allen Belangen ein bestens aufeinander abgestimmter Klangkörper mit immer wieder schönen Einzelleistungen aller Gruppen.

Horst Frohn leitete souverän

Horst Frohn, seit mehr als 20 Jahren spiritus rector, hatte mit „Nänie“ op. 82 von Johannes Brahms eine selten zu hörende Komposition dem Hauptwerk des Abends, Beethovens 9. Sinfonie, vorangestellt. Den altrömischen Klagegesang schrieb Brahms zum Tod des befreundeten Malers Anselm Feuerbach. Beim insgesamt homogen singenden Chor, bei dem mitunter der Tenor leicht herausstach, war die Sorgfalt der dynamischen Gestaltung auffallend; nicht ganz so gut war es um die Textverständlichkeit bestellt. Doch die Bandbreite vom tragenden Pianissimo bis zum voll tönenden Forte ließ darüber leicht hinweghören.

Das Hauptwerk, Beethovens „Neunte“ mit Schillers Schlusschor „Ode an die Freude“, stellt an alle Mitwirkenden hohe Anforderungen. Die Hauptlast liegt beim Orchester, das bei zahlreichen Tempowechseln innerhalb der einzelnen Sätze einer kundigen Leitung bedarf. Horst Frohn blieb hier wie zuvor bei Brahms nichts schuldig, leitete mit sicherer Schlagtechnik und ausgeprägtem Tempo- wie Klanggefühl Sänger wie Instrumentalisten. Die Kernmotive in Beethovens Sinfonie, fallende wie aufsteigende Quint-, Quart- und Oktav-Intervalle, rhythmisch stets straff formuliert, kamen wie gemeißelt. Überzeugend vor allem der zweite Satz, ein Scherzo im Tempo „Molto vivace – Presto“ mit heiklen Übergängen ins Trio und zurück, wo agogisches Mitgehen schon einmal von kleinen Wacklern begleitet war. Den Zusatz „cantabile“ im Adagio nahm Frohn wörtlich, ließ seine Instrumentalisten, zunächst die Streicher, dann die Holzbläser, die langen Linien der Hauptmelodie singen.

Ein glänzendes Finale

Im wohlbekannten Finale mit Schillers Ode an die Freude kamen dann auch die Solisten zu Wort: mit prächtigem Sopran Katharina E. Leitgeb-Cardini (Sopran), die exzellente Altistin Kaori Shiromori, der kurzfristig eingesprungene, seine Aufgabe glänzende meisternde Tenor Juan Carlos Falcón und der stimmgewaltige Bass-Bariton Hidenori Komatsu, der an der Hochschule der Künste Bremen lehrt. Hier agierte der Chor durchgehend textverständlich und glänzte wie schon bei Brahms, mit augefeilter Dynamik. Die rezitativisch gehaltenen Vorwegnahmen des Bass-Solos in den Violoncelli und Kontrabässen kamen exakt, und die „alla Marcia“-Passagen, untermalt von Piccolo-Flöte, Becken und großer Trommel, drängten sich nicht mit martialischer Gewalt in den Vordergrund – insgesamt ein Erlebnis, das hohen Respekt einfordert.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht