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Kultur
Dienstag, 25. September 2018 15° 1

Konzert

Ein klangästhetischer Hochgenuss

Das Capricornus Consort Basel begeistert die Zuhörer in der Minoritenkirche mit perfekter Klangkultur.
Von Andreas Meixner

Das Capricornus Consort Basel in der Minoritenkirche Foto: Meixner
Das Capricornus Consort Basel in der Minoritenkirche Foto: Meixner

Regensburg,.Für den Abend der Sonnenwende ist die Minoritenkirche wahrlich nicht der schlechteste Ort. Fast bis zum Ende des Konzerts blieb es hell, unmerklich lösten die Kerzen das Tageslicht ab und tauchten die Musiker des Capricornus Consort Basel in eine mystische, stimmungsvolle Illumination. Seit seiner Gründung im Jahre 2006 widmet sich das Ensemble der Aufführung seltener und solistisch besetzter Werke des Barocks und des Hochbarocks.

In den wenigen Jahren des Bestehens gab es bereits zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Preis der Deutschen Schallplattenkritik für die Aufnahmen mit Werken von Franz Xaver Richter. Ob eine spöttische Bemerkung Mozarts über Richters Alkoholkonsum in einem Brief allein dafür verantwortlich ist, dass er in Vergessenheit geriet, ist zu bezweifeln. Und schon gar nicht liegt es an der Qualität seiner Musik aus der Zeit des Übergangs zwischen Barock und der Wiener Klassik. Die Triosonate a-moll grenzte sich in ihrer vielschichtigen Klangsprache und Farbigkeit von den anderen Werken des Abends auffällig ab, gerne hätte man mehr aus dessen Feder gehört. Doch Peter Barczi und seine Mitstreiter wollten sich in der ganzen Breite der barocken Kammermusik-Kunst präsentieren und stellten eine geschickte Collage bekannter und weniger bekannter Komponisten zusammen, allesamt Sonaten in kleinerer und größerer Besetzung.

Der direkte Vergleich zwischen der Musik Händels, Vivaldis, Scarlattis, Corellis und Bachs, flankiert mit weniger bekannten Werken von Marco Uccellini, Dario Castello und Philipp Heinrich Erlebach, war für sich unterhaltsam und erkenntnisreich. Die überragende Klanglichkeit und Stilästhetik dominierte das Geschehen, die hohe Kultiviertheit des virtuosen Vortrags, die lupenreine Intonation und das perfekte, nahezu symbiotische Zusammenwirken machte die Frage, welches Stück gerade zu hören war, eher zweitrangig. Peter Barczi und Eva Borhi spielten sich auf ihren Barockviolinen die Bälle zu, ansatzlos im Bogenzug, butterweich in der Tongebung. Daniel Rosin zeichnete mit David Blunden am Cembalo dagegen akzentuiert den Generalbass. Sie sorgten dafür, dass sich der Vortrag nicht völlig im Schönklang verlor. Wenn überhaupt, so ist genau dieser Aspekt der Ansatz für Kritik: Die vier Musiker erliegen fast der hohen Klangkultur, eine forcierte und freche Interpretation ist ihnen fremd, die Tempiwahl ist zügig, nie sportlich.

Die stilistische Abgrenzung zwischen den verschiedenen Komponisten geschah nur mit sehr feinen Konturen, als Zuhörer lief man Gefahr, von der Schönheit des Vortrags völlig eingelullt zu werden. Allerdings: Allein das war zugegeben schon ein großer, sinnlicher Genuss.

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