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Klassik

Ein Konzert als spirituelles Erlebnis

Regensburger EosEnsemble begeistert in der Sallerner Kirche.
Von Gerhard Dietel

Das EosEnsemble trat in der Kirche „Mariä Himmelfahrt“ in Sallern auf. Foto: Dietel
Das EosEnsemble trat in der Kirche „Mariä Himmelfahrt“ in Sallern auf. Foto: Dietel

Regensburg.„Ave maris stella“ hat das Regensburger EosEnsemble seinen Auftritt im Rahmen der „Konzerte Sallern“ überschrieben. „Marienlob in der Musik des 15. bis 17. Jahrhunderts“ bildet den roten Faden des Programms, und welcher Ort wäre besser dafür geeignet als die Sallerner Kirche „Mariä Himmelfahrt“?

Eine konzentrierte Stunde geistlicher Musik, aufgelockert durch einige Instrumentalnummern, bieten Marina Szudra (Sopran), Verena Kronseder (Viola da gamba und Blockflöte) sowie Markus Rupprecht (Orgel) den Zuhörern zur Abendstunde. Diese lassen sich ganz in den Bann der Vortragsfolge ziehen und verzichten auf störenden Zwischenapplaus zugunsten anhaltenden Schlussbeifalls für ein interpretatorisch hochrangiges Konzert, das zugleich zum spirituellen Erlebnis wird.

Zu Beginn erklingt der alte lateinische Hymnus „Ave maris stella“ als einstimmige Choralmelodie, bevor ihm mehrstimmige Bearbeitungen aus späterer Zeit folgen. Von den ersten Tönen an nimmt Marina Szudras leicht beweglicher, gut geführter Sopran das Publikum gefangen. Noch im mezza voce, über das der Gesang selten dynamisch hinauswächst, besitzt ihre Stimme eine Ausstrahlung, die den Hörer unmittelbar berührt. Diese Intensität bleibt bei den weiteren vokal-instrumentalen Programmbeiträgen des Abends erhalten, ob es sich nun um Guillaume Dufays reich melismatisches „Ave virgo“ handelt oder um ein schwärmerisch-inniges „Ave Maria“ eines anonymen Meisters um 1500.

Wunderbar verbindet sich hier wie in der Folge die Sopranstimme mit den Linien von Verena Kronseders Gambenspiel und der zarten Orgelgrundierung Markus Rupprechts. Affektreicher gegenüber den Werken der Renaissance wirken die Programmbeiträge aus der Barockzeit, die vermehrt mit rhetorischen Mitteln arbeiten: so Philipp Friedrich Böddeckers „Magnificat“, Bonifatio Gratianis „Salve Regina“ und, wohl als inhaltlicher Höhepunkt, Claudio Monteverdis herzbewegender „Pianto della Madonna“.

Mehrere Instrumentalwerke treten zwischen die marianischen Gesänge. Ein aus Italien stammendes „Falla con misuras“ scheint in seinem Dialog zwischen Gambenfundament und Fiorituren der Orgel auf mittelalterliche Organa zu verweisen, während sich in Dario Castellos „Sonata secunda“ für Blockflöte und Orgel die formal noch ungebundene Klangrede der frühbarocken Musiksprache entfaltet.

Zwei Orgelsoli ergänzen die Vortragsfolge: eine „Fancie“ von William Byrd mit zunehmend virtuosen Zügen, und Frescobaldis „Canzona quarta“, deren Abschnitte Markus Rupprecht in wechselnden Registrierungen farbig beleuchtet.

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