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Ein Meister der Landschaftsmalerei

Diese Werkschau sollte niemand verpassen: Peter Langs bemerkenswerte „Malerei“ in der Regensburger Galerie ArtAffair.
Von Helmut Hein, MZ

Galerist Karl Friedrich Krause präsentiert die Bilder vom Künstler Peter Lang (rechts).
Galerist Karl Friedrich Krause präsentiert die Bilder vom Künstler Peter Lang (rechts). Foto: Art Affair

Regensburg.Er selbst sagt, er lebe im Tal der Ahnungslosen. So heißt die Gegend in der Nähe von Furth im Wald, weil dort der Handy-Empfang so schlecht ist. Für kreative Geister hat das offenbar einen gewissen Reiz. Ganz in der Nähe wohnen zum Beispiel die Malerin Pia Mühlbauer und der Schriftsteller Bernhard Setzwein. Und die Kehrseite der erzwungenen Ahnungslosigkeit ist bei ihnen, wie bei Peter Lang, eine bemerkenswerte Weltläufigkeit. Setzwein etwa hat gerade einen Roman über den Adeligen Coudenhove-Kalergi geschrieben, der spät zum Wahl-Regensburger wurde und hier als bestauntes Original seine letzten Jahre verbrachte. Lang wiederum zieht es immer wieder hinaus in die Weiten ferner Kontinente, etwa nach Patagonien.

Weil ein Künstler aber nie einfach Urlaub macht, sondern immer arbeitet, hat sich Peter Lang für seine nomadische Zweit-Existenz ein Container-Atelier konstruiert. Sechs Meter lang und geräumig breit, mit zwei Betten, Ofen und Kochgelegenheit mehr als nur notdürftig ausgestattet und vor allem sehr mobil. Denn einen Container kann man bekanntlich per Schiff, Bahn und, wenn es sein muss, Truck, verschicken, wohin immer man will. Und dann ist man mitten in der Fremde und doch bei sich. Peter Lang muss viel unterwegs sein. Denn er ist nicht, wie es auf den ersten Blick scheinen könnte, ein Vertreter der Abstraktion oder gar der konkreten Kunst, der es nur um Farben und Flächen geht, sondern ein Landschaftsmaler in der Tradition eines Caspar David Friedrich. „Dann sind Sie ja ein Romantiker!“, staune ich und er sagt nur: „Unbedingt.“ Er räumt aber gleich mit einem Vorurteil auf. Alle Romantiker mögen zwar den Sinn und Geschmack fürs Unendliche teilen, von dem schon Friedrich Schleiermacher sprach, aber ungenaue Gefühle und verwaschene Ideen sind ihre Sache nicht. „Das waren alles konzeptuelle Künstler“, sagt er und zwar so, dass es keinen Widerspruch zulässt.

Das Neue im Bekannten

Mit dieser Bestimmung ist man sofort im Herzen seiner eigenen Ästhetik und Arbeitsweise. Denn die sind unübersehbar sehr bewusst und präzise. Auch wenn es um die Darstellung begriffsloser Erfahrungen, von Stimmungen und Atmosphären geht, muss Kunst, die etwas taugt, vor allem eins sein: klar. Bei Peter Lang verbinden sich methodische Strenge und Weite der Anschauung. Jedes Bild baut sich auf fast schon irritierende Weise aus Farbzeilen auf. Er hat da seinen Trick! Die jeweilige Figur oder Szene entsteht erst spät, verweigert sich dem raschen ersten Blick.

Dem Künstler, meint Lang, muss bewusst sein, dass sich zu allem, was es gibt, im Netz immer schon beliebig viele Bilder finden, die unser Verständnis, ja selbst den scheinbar unmittelbaren sinnlichen Eindruck „kodieren“, bevor wir selbst überhaupt mit dem Sehen anfangen. Dieses falsche, tückische A priori unterläuft er, indem er das, was alle schon zu kennen meinen, zunächst fremd erscheinen lässt.

Dass sich die Bilder der Eindeutigkeit verweigern, hat mit ihrem kommunikativen Mandat zu tun. Das Bild hat seinen Ort nicht auf der Leinwand, sondern im Auge, ja im Kopf des Betrachters. Es ist das Resultat einer Interaktion, deren Resultate nie von einer Seite allein bestimmt werden. Jedes konkrete Bild ist zugleich Schlussstein und Synthese. Ohne die Arbeit des Malers würde die komplexe Form sofort in sich zusammenstürzen. Und doch ist dieses Bild, das wir vor uns haben, das Produkt all der Bilder nicht nur im Kopf des Malers, sondern auch in unserem eigenen. So gesehen setzt es sich aus vielen Bildern zusammen und ist nie fertig. Die Freiheit der Kunst besteht darin, dass sie sich dem festen Sinn, der Vor-Schrift verweigert und vieles nicht nur zulässt, sondern überhaupt erst ermöglicht.

Gedichte, hatte einst Gottfried Benn seine Verehrer beschieden, die zu leicht ins Schwärmen gerieten, bestehen aus Worten. Bilder, müsste man hinzufügen, aus Farben, Formen und Flächen. Alles andere ist im besten Fall Folge, Effekt. Wie wichtig für Peter Lang die Farbe ist, zeigt sich daran, dass er sie, wie einst der frühe Picasso, entschieden periodisiert. Bei seinen jüngsten Arbeiten fällt die Dominanz eines Rot auf, das man, je nach eigener Stimmung, als düster oder gleißend empfinden kann. Am „klassischsten“ aber sind die Landschaften, bei denen ein vielschichtiges Grün-Gelb vorherrscht.

Im Sommer auf die Alm

Oder ein Weiß, wie bei seinen Island-Bildern, in denen Peter Lang die Erfahrung der Weite bis in ihr Extrem treibt, die der Leere, des Nichts. Mit ihnen war er zusammen mit seinem Galeristen eben auf der Art Karlsruhe. Und Peter Lang und Karl-Friedrich Krause haben dort für Furore gesorgt. Es gibt bei dieser Kunstmesse einen bemerkenswerten Wettbewerb, dessen Preis nicht nur die Arbeit des Künstlers, sondern auch die seines Galeristen honoriert (weil er in einem Budget für den Ankauf eines Bildes besteht, von dem beide profitieren). Zweihundert Künstler hatten sich in dieser sogenannten „One Man Show“ beworben, drei kamen in die engere Wahl. Zwei davon sind Künstler der Galerie ArtAffair; neben Peter Lang auch Stefan Bircheneder. Gewonnen hat schließlich eine Künstlerin, die Krause vor einem Jahr noch vertröstet hatte, weil ihm ihre Arbeiten nicht „reif“ genug erschienen.

Und wie geht es mit Lang weiter? Den Sommer wird er auf einer Alm in den österreichischen Bergen verbringen. „Mit Kühen?“ – „Ohne“, antwortet er trocken. Er hat anderes vor.

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