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Fotografie

Ein neuer Stern am Himmel: Nova Noir

Eveline Kooijman präsentiert im Straubinger Schlachthof Unschärferelationen und andere physisch-metaphysische Sensationen.
Von Florian Sendtner, MZ

Der Planet „Nova Noir“ zieht Betrachter magisch an.
Der Planet „Nova Noir“ zieht Betrachter magisch an. Foto: Sendtner

Straubing.Irgendwann wächst Gras über die Sache. Das ist das Beruhigende. Und gleichzeitig das Erschreckende. Bei der Schlacht von Eggmühl, ein paar Kilometer südlich von Regensburg, wurden am 22. April 1809, also vor gerade mal 200 Jahren, 2800 Mann hingemetzelt. Und was sieht man heute noch davon? Die Regensburger Fotografin Eveline Kooijman hat sich auf Spurensuche begeben und zeigt das Ergebnis ihrer Recherche: Nichts sieht man, rein gar nichts. Eine Talaue, durchzogen von zwei riesigen Starkstrommasten, die Strom von Ohu nach Regensburg bringen (über deren Bau regte sich damals niemand auf – war ja nur Atomstrom), im Hintergrund ein bewaldeter Hügel, ein Kirchturm, das war‘s. Nicht die leiseste Andeutung davon, was die Fotografin literarisch in einem Gedicht, bei dem Ernst Jandl Pate stand, so ausdrückt: „KRGRHFNN / mrsch / mrsch / Msktr mrsch/ schrtt - schrtt / schrt-t-t-t“.

Die Unschärfe der Erddrehung

Neben den Schlachtfeldbildern, auf denen von den Schlachtfeldern nichts zu sehen ist: großformatige Fotografien von Blättern, sattes Grün en gros und en detail. Nur ein bisschen unscharf. Wegen der Erddrehung. Das ist übertrieben? Ist es nicht! Denn die Erde dreht sich am Äquator mit einer Geschwindigkeit von 1670 km/h, innerhalb des Regensburger Breitengrads sind es 1095 km/h. Macht pro Sekunde 304 Meter, bei einer Belichtungszeit von einer Viertelsekunde immerhin noch 76 Meter. Und da soll so ein Foto nicht unscharf werden!?

Die 1980 in Holland geborene Fotografin Eveline Kooijman betätigt sich im seltenen Genre der Philosophischen Fotografie, und was sie dem Betrachter an Unschärferelationen und anderen physisch-metaphysischen Sensationen zumutet, ist keine Kleinigkeit. Da präsentiert sie vier Rückenakte und verbindet die kaum sichtbaren Leberflecken auf jedem Rücken mit dem Lineal wie zu einem Sternbild, denn: „Jedes Kohlenstoff-Atom unseres Körpers stammt aus dem Inneren eines Sterns.“ Das ist mal eine Astrologie, die das Prädikat „individuell“ verdient!

Ein geheimnisvoller roter Planet

Und über allem leuchtet geheimnisvoll der bis vor kurzem unbekannte Planet „Nova Noir“. Der leicht poröse Himmelskörper ist von einem roten Feuerschein umgeben und zieht nicht nur die weiblichen Ausstellungsbesucher magisch an. Man muss sich mit Gewalt losreißen von diesem betörenden Anblick, um nicht ins delir noir zu verfallen.

Zu sehen sind die Arbeiten bis 8. März in der Galerie Halle II im Alten Schlachthof Straubing, Heerstraße 35

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