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Premiere

Ein neues Festival für Regensburg

Benedikt Wiedmann und Lorenz Kellhuber wollen der Kammermusik neue Fans erschließen - mit Qualität und local heroes.
von Katharina Kellner

Benedikt Wiedmann, Lorenz Kellhuber und Christoph Pickelmann organisieren das Kammermusikfestival. Foto: Katharina Kellner
Benedikt Wiedmann, Lorenz Kellhuber und Christoph Pickelmann organisieren das Kammermusikfestival. Foto: Katharina Kellner

Regensburg.Es sei jetzt nur noch die Frage, wie man Fußball in dieses Festival integrieren könne, damit wirklich kein Wunsch mehr offen bleibt, scherzen Benedikt Wiedmann, Lorenz Kellhuber und Christoph Pickelmann. Die drei Freunde haben nicht nur eine ausgeprägte Leidenschaft für Musik, sondern auch für das runde Leder. Vermutlich wird der Fußball-Aspekt bei diesem Projekt zu kurz kommen. Doch die Musikstadt Regensburg wird damit um eine spannende Facette bereichert: Sie bekommt ein Festival der Kammermusik, das die ganze Bandbreite dieses Genres auslotet.

Das Faure Quartett wurde ausgezeichnet mit dem Echo Klassik und dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Am 23. September präsentiert es mit den beiden Klavierquartetten ihres Namenspatrons Gabriel Faure einen Höhepunkt französischer Kammermusik im Neuhaussaal. Foto: Tim Klîcker
Das Faure Quartett wurde ausgezeichnet mit dem Echo Klassik und dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik. Am 23. September präsentiert es mit den beiden Klavierquartetten ihres Namenspatrons Gabriel Faure einen Höhepunkt französischer Kammermusik im Neuhaussaal. Foto: Tim Klîcker

Geplant ist das Festival für 20. bis 27. September. Dass die Corona-Pandemie den Termin gefährden könnte, ist den Organisatoren natürlich bewusst. Dennoch möchten Sie das Festival jetzt ins Gedächtnis des Regensburger Publikums rufen: „Es ist wichtig, gerade in diesen Zeiten in die Zukunft zu schauen“, sagt Benedikt Wiedmann.“

Nach dem Konzept von Wiedmann und Kellhuber verbindet das Festival Internationalität und regionale Verankerung gleichermaßen: „Wir wollen nicht irgendwelche Stars einkaufen, sondern Leute einbinden, die von hier sind.“ So ist zum Beispiel Schauspieler Michael Heuberger mit von der Partie: Er ist der Sprecher in der Musiktheateraufführung „Die Geschichte vom Soldaten“ und tritt mit sieben Musikern aus verschiedenen Ländern auf. International tätig und verwurzelt in Regensburg sind auch die Intendanten: Violinist Wiedmann, Jahrgang 1984, ist in Regensburg aufgewachsen, Pianist Kellhuber, Jahrgang 1990, im Landkreis. Beide sind Kulturförderpreisträger der Stadt Regensburg und geben dort regelmäßig Konzerte. Wiedmann schloss sein Studium an den Musikhochschulen in Detmold und Zürich mit Auszeichnung ab und lebt heute in Norwegen. Dort ist er Mitglied des Opernorchesters der Stadt Oslo.

Lorenz Kellhuber, hier 2018 bei einem Konzert, vereint in sich Internationalität und regionale Verwurzelung: Er stammt aus dem Landkreis Regensburg und hat sich international einen Namen als Jazzpianist gemacht. Foto: Michael Scheiner
Lorenz Kellhuber, hier 2018 bei einem Konzert, vereint in sich Internationalität und regionale Verwurzelung: Er stammt aus dem Landkreis Regensburg und hat sich international einen Namen als Jazzpianist gemacht. Foto: Michael Scheiner

Kellhuber lebt aktuell in Berlin. Er hatte ab 2006 am Jazz-Institut Berlin bei Kurt Rosenwinkel, Hubert Nuss, Greg Cohen und John Hollenbeck studiert. Während des Studiums ging er nach New York und arbeitete dort mit Aaron Goldberg und Fred Hersch. Er trat bei namhaften Jazzfestivals wie in Montreux oder Basel auf.

Kennengelernt haben sich er und Wiedmann in den Kammermusikkursen der bayerischen Frühförderklasse von Conrad von der Goltz, Professor im Fachbereich Violine an der Regensburger Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik. Aus Anlass von von der Goltz‘ 80. Geburtstag gründeten seine Schüler 2008 ein Projektorchester, die Camerata Goltz. Auch Cellist Christoph Pickelmann, der sich um Logistik und Sponsorensuche kümmert, hat eine „Goltz-Vergangenheit“: Ihn unterrichtete einst Goltz‘ Tochter Kristin. „Wir können uns alle gut mit der Kammermusik identifizieren“, sagt er.

Jazztrio und Streichquartett

Die Camerata Goltz fungiert als Festivalorchester. Veranstalter des Kammermusikfestivals ist der Kulturverein Regensburg, den Wiedmann und Kellhuber zusammen mit Constantin Graf von Walderdorff 2018 ins Leben gerufen hatten.

Konzert

Jubel mit Händen und Füßen

Das Orchester am Singrün überzeugte mit den Solisten Benedikt Wiedmann und Benedikt Don Strohmeier.

Geplant ist, dass es von 20. bis 27. September, ein tägliches Abendkonzert geben soll. Dabei wechseln sich feste Ensembles ab mit solchen, die exklusiv für das Festival zusammenarbeiten. Dabei wollen die Initiatoren die ausgetretenen Pfade des Klassik-Betriebs verlassen: „Es soll kein reines klassisches Kammermusikfestival werden, wie man das kennt: erste Hälfte - Pause - zweite Hälfte“, erklärt Kellhuber. Vielmehr sollen die Konzerte kompakt in maximal 70 Minuten ohne Pause über die Bühne gehen. Zu Beginn soll es eine Einführung zu den Stücken geben, nach den Konzerten sollen die Zuhörer die Musiker treffen, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Das Schweizer Trio Rafale hat internationale Wettbewerbe in Melbourne und Osaka gewonnen. Im Regensburger Neuhaussaal stellt es am 23. September Klaviertrios aus der frühen und späten Schaffensperiode von Johannes Brahms gegenüber. Foto: Priska Ketterer
Das Schweizer Trio Rafale hat internationale Wettbewerbe in Melbourne und Osaka gewonnen. Im Regensburger Neuhaussaal stellt es am 23. September Klaviertrios aus der frühen und späten Schaffensperiode von Johannes Brahms gegenüber. Foto: Priska Ketterer

Ort dieser Gespräche wird das Degginger in der Regensburger Altstadt sein, das als täglich geöffnete Festival-Lounge dient, erklärt Wiedmann: „Da kann ich hingehen, um interessante Leute zu treffen oder auch nur, um ein Bier zu trinken, Tickets zu kaufen oder Informationen zu bekommen.“

Den Begriff Kammmermusik legen die drei Musiker großzügig aus. Kellhuber sagt: „Ein Jazztrio kann genauso kammermusikalisch sein wie ein Streichquartett. Die Grenzen sind fließend und genauso ist das Programm angelegt.“ Wiedmann ergänzt: „Es geht darum, zwischenmenschliche und zwischenmusikalische Konstellationen zu schaffen, die eine besondere Energie erzeugen. Dabei soll jeder Musiker sich für das Projekt verantwortlich fühlen.“

Das in London beheimatete Barbican String Quartet mit dem Regensburger Bratschisten Christoph Slenczka hat den ersten Preis beim Joseph Joachim Kammermusikwettbewerb 2018 gewonnen. In Regensburg ist es am 27. September um 11 Uhr im Thon-Dittmer-Palais zu hören. Foto: Andrej Grilc
Das in London beheimatete Barbican String Quartet mit dem Regensburger Bratschisten Christoph Slenczka hat den ersten Preis beim Joseph Joachim Kammermusikwettbewerb 2018 gewonnen. In Regensburg ist es am 27. September um 11 Uhr im Thon-Dittmer-Palais zu hören. Foto: Andrej Grilc

Groß schreiben wollen die Initiatoren den Dialog mit dem Publikum, um der Kammermusik neue Fans zu erschließen. Ausführlich besprochen werden sollen vor allem die beiden bisher unbekannten Kompositionen, die extra für das Festival in Auftrag gegeben wurden: Die Camerata Goltz eröffnet das Festival am 20. September mit Richard Strauss‘ Metamorphosen für 23 Solostreicher. Dabei kommt die neue Komposition des amerikanischen Komponisten Marshall McDaniel zur Uraufführung.

Am 21. September wird ein Stück für Kontrabassquartett und Jazzklavier aus der Feder des Regensburger Komponisten S. J. Hanke uraufgeführt - in einem Konzert des Oslo Fat String Quartet, das unter dem Titel „Von Bach bis ABBA“ ein genreübergreifendes Programm spielt, begleitet von Kellhuber am Klavier.

Das Oslo Fat String Quartet ist am 21. September im Jazzclub im Leeren Beutel zu erleben. Neben Auszügen aus ihrem Programm wird auch eine Uraufführung desRegensburger Komponisten S. J. Hanke zu hören sein, der eigens für dasFestival ein Stück für Kontrabassquartett und Jazzklavier komponiert. Foto: Clean Shot Photography
Das Oslo Fat String Quartet ist am 21. September im Jazzclub im Leeren Beutel zu erleben. Neben Auszügen aus ihrem Programm wird auch eine Uraufführung desRegensburger Komponisten S. J. Hanke zu hören sein, der eigens für dasFestival ein Stück für Kontrabassquartett und Jazzklavier komponiert. Foto: Clean Shot Photography

Beethoven im Techno-Club

Das Festival wird finanziert durch Sponsoren, Fördermittel der Stadt Regensburg und die Einnahmen aus dem Ticketverkauf. Die Initiatoren blicken über 2020 hinaus und planen das Projekt als jährliche Veranstaltung. Wiedmann sagt: „Das ambitionierte Ziel wäre, das klassische Publikum nicht zu vergraulen und ein neues Publikum zu generieren, auch Leute, die noch gar keinen Kontakt zu klassischer Musik haben.“ Es sei wichtig, potenzielles Publikum dort abzuholen, wo es sich gerne aufhalte.

Release

„Samadhi“ begeistert das Publikum

Lorenz Kellhuber stellt seine CD auf einer Tour vor. Es gibt Konzerte in der Region.

Kellhuber: „Wir wollen Leute ansprechen, die zum Beispiel samstags in den Techno-Club gehen und auch dann kommen, wenn dort Beethoven gespielt wird. Auf lange Sicht schwebt uns vor, alles ein bisschen experimenteller, mit jugendlicherem Touch, auszurichten.“ Dann seien auch ungewöhnliche Formate denkbar wie Konzerte, die nur als Hörerlebnis im Dunkeln stattfinden oder „classic in the pub“. Kellhuber betont: „Die oberste Prämisse ist Qualität, dafür stehen wir selber als Musiker und der ordnen wir alles unter.“

Das Festival

  • Locations:

    Bespielt werden bewährte Konzertorte wie Neuhaussaal, Thon-Dittmer-Palais und Schloss Höfling bei Burgweinting, aber auch ungewöhnliche: der Gemeindesaal der neuen Synagoge, der Kunst- und Gewerbeverein oder der Festsaal des St.-Marien-Gymnasiums.

  • Festival-Lounge:

    Im Degginger klingen die Abende von 20. bis 27. September mit Jazzkonzerten aus. Es gibt auch Auftritte von Nachwuchskünstlern, Meisterkurse und Schulkonzerte.

  • Termine:

    Alle Konzerte beginnen um 19.30 Uhr. Ausgenommen ist die Matinee des Barbican String Quartets am 27.09. um 11 Uhr.

  • Tickets:

    Karten gibt es über okticket, an den üblichen Vorverkaufsstellen oder über www.kammermusikfestival-regensburg.de. Im Vorverkauf kosten Tickets 30 Euro (Kategorie1) und 22 Euro (Kategorie 2), ermäßigte Karten kosten 50 Prozent des ursprünglichen Ticketpreises.

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