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Konzert

Ein phänomenales Crossover

Zum 40-jährigen Bühnenjubiläum gastierte Bassist Manfred Bründl mit seiner Band Double Image in seiner Heimatstadt.
Von Michael Scheiner

Manfred Bründl begeisterte in Regensburg.  Foto: MICHAEL Scheiner
Manfred Bründl begeisterte in Regensburg. Foto: MICHAEL Scheiner

Regensburg.Mit einem Schlag flogen einem fast die Schlagzeugsticks und Klaviertasten um die Ohren. Beim Einstieg zum Jubiläumskonzert anlässlich seines 40-jährigen Bühnenjubiläums im Leeren Beutel hielt sich Manfred Bründl nicht lange mit einem sanften Ansatz oder schrittweiser Steigerung auf. Pianist Sammy Lukas und Tom Friedrich am schmalen, klanglich dennoch gewaltigen Drumset, gestalteten das freejazzig heftige Intro wie einen lauten Fanfarenstoß oder einen wilden zweimaligen Freudenschrei. Den muss dann erstmals der polnische Schlagzeuger Janusz Stefanski musikalisch ausgestoßen haben. Der hat das polyrhythmisch dichte, emotional aufgewühlte Stück geschrieben und seiner Frau „Eva“ gewidmet.

Stefanski, der in Bründls erster eigener Gruppe Brüma Brüma an der Schießbude saß, ist vor drei Jahren in Frankfurt verstorben. Nach zwei weiteren Stücken, die Bründl der englischen Cellistin Jacqueline de Pré und dem amerikanischen Künstler Barnett Newman gewidmet hat, beide schon seit längerem verstorben, meinte er entschuldigend, sein Pianist habe schon angemerkt, dass wohl alle schon tot seien, über die er schreibe. „Ich werde mich bessern“, grinste Bründl zu seinem Pianisten und stimmte ein wunderschönes Stück von George Gershwin – schon lange tot – in einer poetisch-sensiblen Duobearbeitung an.

Altes im neuen akustischen Gewand

Mit Neubearbeitungen eigener älterer Stücke, wie „Crosshatched“ vom gleichnamigen Album und „Tip of the Tongue“ vom programmatischen „Silent Bass“, machte der gebürtige Regensburger, der seit langem als Professor an der Weimarer Musikhochschule arbeitet, klar, dass er mit dem Kopf ganz im Hier und Heute steckt. Wechselnde Rhythmen, ein mächtiger Groove und eine vielschichtige Expressivität machen seine Musik – und das Konzert – so aktuell, packend und eindringlich wie eh und je. Für seine Jubiläumstour hat Bründl zudem ein ganz besonderes Konzertprogramm zusammengestellt: Eigene Kompositionen spielte er im Trio mit Lukas und Friedrich.

Der Musiker

  • Jazzpreis:

    Bründl ist der Initiator und künstlerische Leiter des weltweit ersten transkulturellen Jazzpreises ACHAVA Jazz Award, der erstmals 2017 unterm Dach der Achava Festspiele im Erfurter Heizwerk vergeben wurde. Seit 1999 ist er auch künstlerischer Leiter des Internationalen Jazzmeile-Workshops, der jährlich an der Musikhochschule Weimar stattfindet. Er lehrt seither als Professor an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar.

  • Alben:

    Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen zählen die Alben „SilentBass“, das vom Deutschlandfunk hoch gelobte „Crosshatched“ und das mit dem SWR-Jazzpreis ausgezeichnete „Tip of the Tongue“.

Stücke von Sängerin Tasíya, die einen eigenen elektronisch-experimentellen Charakter haben, spielte Bründl dagegen im Quartett. Praktisch gingen beide Besetzungen ineinander über, standen in einem spannenden Wechselspiel. Am Ende waren beide Teile wieder in einem längeren Stück vereint, welches verschiedene Stimmungen und stilistische Formen zum Ausdruck brachte. Da waren die folkloristischen Schnipsel und Melodiefragmente von Sängerin Tasiya, die eigentlich Nastja Voloktina heißt und im Duo mit Pianist Lukas mehrfach für ihre eigenwilligen Vokalgestaltung und ein faszinierendes Crossover mit elektronischen Sounds mit Preisen bedacht wurde. Dazu Bründls harmonische Dichte und seine poetische Handhabung dynamischer Feinheiten.

Eigenwillige Vokalgestaltung

Wie eine Hohepriesterin zelebrierte die charismatische Ukrainerin mit Glöckchenklang, vokalen Loops und ausgreifender artifizieller Gestik das stilistische Crossover, sang, lachte und setzte mit rhythmischen Schreien dramatische stimmliche Akzente.

Den breiten Raum, den die mitreißende Sängerin im Quartett, wie im Duo mit Lukas einnimmt, deutet auf die hohe Wertschätzung hin, die Bründl dieser Musikerin entgegenbringt. Das ist keineswegs selbstverständlich, wenn ältere erfahrene Musiker mit jüngeren, die noch ihren Weg finden müssen, unterwegs sind. Tasiya ist mit ihrem eigenwilligen Ansatz von russisch-ukrainischer Volksmusik, vokaler Avantgarde, Kammermusik und modernem Jazz auf dem besten Weg dazu. Für Bründl ist diese Form der Kooperation musikalisch-künstlerische Herausforderung und Nachwuchsförderung. Die geht soweit, dass er das Duoalbum, welches Tasiya und Lukas aktuell herausgebracht haben, mit produziert hat. Noch zu Lukas und Friedrich: Beides exzellente Musiker, voller Power und kreativem Esprit, die sich ausdrucksstark in allen Stilen bewegen. Es ist ein wenig unverständlich, wieso diese Besetzung so geringe Beachtung in der Jazzstadt erfahren hat.

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