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Klassik

Ein Spiel mit großen Gefühlen

Das zweite Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orchesters begeistert. Streichern und Bläsern gehört je eine Programmhälfte.
Von Gerhard Dietel

Das Philharmonische Orchester bereitete seinem Publikum einen genussvollen Abend. Foto: Dietel
Das Philharmonische Orchester bereitete seinem Publikum einen genussvollen Abend. Foto: Dietel

Regensburg.Eigenwillig ist die Programmgestaltung beim zweiten Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orchesters im Regensburger Neuhaussaal, denn an diesem Konzertabend ist das Ensemble nie zur Gänze zu hören, wobei das tiefe Blech sowie das Schlagzeug pausieren. Gehört die zweite Programmhälfte allein den Holzbläsern nebst Hörnern, so wird der Anfangsteil von den Streichern dominiert.

Vom Cembalo aus leitet Generalmusikdirektor Chin-Chao Lin eine Aufführung von Bachs zweiter Orchestersuite in h-Moll, bei der die hohen Streicher im Stehen musizieren und sich wohl informiert über die Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis zeigen, wenn sie etwa in scharf punktierten Rhythmen die einleitende Ouvertüre in Bewegung setzen.

Konzert

Eine besondere Stimme in der Jazzszene

Mal gehaucht, mal gerockt: Die koreanische Sängerin Youn Sun Nah eroberte das Regensburger Publikum mit ihre Vielfältigkeit.

Ein Mitglied der Bläser-Fraktion darf sich bei der Aufführung von Bachs Suite allerdings hinzugesellen: Gabriella Damkier, die ihre Querflöte federleicht über dem Streicherklang schweben lässt. Erwartungsgemäß wird die finale „Badinerie“ zum Höhepunkt, deren rasante Figuren die Flötistin in den Wiederholungsteilen nach barocker Musizierpraxis noch mit zusätzlichen Ornamentierungen bereichert.

Variantenreiche Stimme

Beifall und Bravi gibt es danach besonders für Gabriella Damkier, und später mit wachsender Intensität auch für den Sopran-Sänger Onur Abaci. Abaci, der vor kurzem im Theater als Osmino in Vivaldis „La fida ninfa“ zu erleben war, brilliert beim Sinfoniekonzert mit drei weiteren Opernarien Vivaldis und dem berühmten Händelschen „Lascia ch’io pianga“ als Zugabe.

Musik

Mozarts letztes Werk im Mittelpunkt

Die Chorphilharmonie Regensburg führt das Requiem in d-Moll am 20. Oktober um 17 Uhr in der Herz-Jesu-Kirche auf.

Berückend sanft vermag er seine Stimme anzuheben und dann an Intensität wachsen zu lassen, wobei er ein immenses emotionales Spektrum abdeckt: vom Tonfall sanfter Klage bis hin zu überschäumendem Jubel, in dem die Stimme sich in wahnwitzigen Koloraturen und riesigen Sprüngen zwischen hohem und tiefem Register ergeht. Mit akzentuierten Staccati oder raffinierten Mischungen aus Arco- und Pizzicato-Tönen begleiten die Streicher des Philharmonischen Orchesters den Sänger, dürfen ihre interpretatorischen Künste aber auch nochmals eigenständig zeigen: in dem ebenfalls aus der Feder Antonio Vivaldis stammenden Concerto g-Moll RV 157. Kantig formen sie das einleitende Allegro über einem chromatisch absteigenden Ostinato-Bass, schließen ein fließenderes Largo an und entfachen im Schluss-Allegro dann einen wahren Klangsturm, bei dem die Bögen nur so über die Saiten tanzen.

Klassik

Löwenmähne und Adlerblick

Hector Berlioz ist vor 150 Jahren gestorben. In Erinnerung bleibt er als Schöpfer der populären „Sinfonie fantastique“.

Mozarts umfangreiche „Gran Partita“ für Bläserbesetzung erklingt nach der Pause. Dass die Partitur des Werks genau für dreizehn Musiker bestimmt ist, wird nicht zum unheilvollen Omen, sondern führt im Gegenteil zu reinem Mozart-Glück. Trotz der Länge des Werks reißt die Faszination durch Mozarts Musik nicht ab, in der abwechslungsreich aus dem kompakten Gesamtklang immer wieder einzelne Stimmen solistisch hervortreten und für Ausdrucksvielfalt zwischen Adagio-Entrücktheit und zeremonieller Menuett-Gravität gesorgt ist, zwischen volkstümlichem Ländlerton und Janitscharen-Klängen im Finale.

Die Mitwirkenden

  • Besetzung:


    Gabriella Damkier (Flöte), Katharina Rosenfelder und Anne Dufresne (Oboen), Michael Wolf und Franz Gärtner (Klarinetten), Susanne Strelow und Jakov Galperin (Bassetthörner), Ralf Müller und Laurens Zimpel (Fagotte), Roland Back (Kontrafagott), John Manganaro, Alexander König, Ernesto Moya Moreno und Leszek Waskowski (Hörner), Gesang: Onur Abaci (Sopranist)

  • Termin:

    Das Konzert ist am Donnerstag, 14. November, 19.30 Uhr, im Neuhaussaal zu erleben, Info: www.theater-regensburg.de

Gelenkt werden die Musiker durch die Impulse Chin-Chao Lins, der nicht nur mit Händen, sondern auch schon einmal wie ein Vortänzer mit bloßem Hüftschwung dirigiert. Viel Beifall spendet das Publikum im Neuhaussaal den beteiligten Musikerinnen und Musikern am Schluss und wird dafür noch mit einem Da Capo von Mozarts temperamentvollem Finalsatz belohnt. Eine Wiederholung des Konzerts gibt es heute um 19.30 Uhr im Neuhaussaal, eine Einführung zuvor um 19 Uhr im angrenzenden Foyer.

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