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Kultur
Dienstag, 17. Juli 2018 30° 3

Bühne

„Ein Spielplan der Dickköpfe“

Am Freitag werden die Luisenburg-Festspiele 2018 mit dem Volksstück „Andreas Hofer – Die Freiheit des Adlers“ eröffnet.
Von Udo Fürst

Jürgen Fischer (Mitte) gibt den Andreas Hofer im gleichnamigen Volksstück, mit dem am Freitag die Luisenburg-Festspiele eröffnet werden. Foto: Udo Fürst
Jürgen Fischer (Mitte) gibt den Andreas Hofer im gleichnamigen Volksstück, mit dem am Freitag die Luisenburg-Festspiele eröffnet werden. Foto: Udo Fürst

Wunsiedel. Das Theatervolk blickt seit Monaten gespannt auf die älteste Felsenbühne Deutschlands: Dort hat mit Birgit Simmler die erste Frau die Nachfolge von Michael Lerchenberg angetreten, der die Luisenburg-Festspiele 14 Jahre als Intendant nachhaltig prägte. Dass die 44-Jährige auf der Luisenburg keine Revolution anzetteln, aber halt doch eigene Akzente setzen will, wird mit dem Programm der diesjährigen Spielzeit deutlich, die am kommenden Freitag mit dem Volksstück „Andreas Hofer – Die Freiheit des Adlers“ offiziell eröffnet wird.

Sie wolle mit anspruchsvollen Stoffen möglichst viele Menschen erreichen, sagt Simmler. Die Besucher sollen mehr als reine Unterhaltung bekommen und im besten Falle innerlich wachsen. „Das ist ein Spielplan der kantigen Charaktere und Dickköpfe.“ Die Stücke müssten exakt auf die gigantische Naturbühne zugeschnitten sein. Deshalb setze sie auf Stoffe, die zum Ort und den Menschen passen und die zum überwiegenden Teil neu entwickelt werden. „Als Erstes kommt der Stoff, dann der Text“, so die künstlerische Leiterin.

Simmlers Konzept sieht vor, Geschichten und Geschichte des Ortes und der Region zu großen Musical- und Schauspielproduktionen zu verarbeiten. Neben der Zusammenarbeit mit namhaften Autoren und Komponisten wird sie dabei auch selbst zur Feder greifen. Die 44-Jährige geht davon aus, dass spezifische Stoffe an spezifischen Orten die Identität eines Ortes nach außen und nach innen schärfen und etwas Unverwechselbares schaffen. Ziel ist eine Uraufführung alle zwei Jahre.

Aderlass an Know-how blieb aus

Wie das anspruchsvolle Theater aussehen wird, davon geben die Stücke einen guten Eindruck. Favorit auf den Höhepunkt der neuen Spielzeit könnte neben dem gewohnt beliebten Familienstück (für das bereits gestartete „Dschungelbuch“ wurden schon 44 000 Karten verkauft) der Klassiker „Andreas Hofer“ in einer Version von Felix Mitterer werden. Der österreichische Dramatiker schrieb im Auftrag von Birgit Simmler eine eigene Luisenburg-Fassung des Dramas um den Tiroler Freiheitskämpfer. In die Rolle des Andreas Hofer wird auf der Luisenburg ein alter Hase schlüpfen: Jürgen Fischer, der seit 2004 diese besondere Bühne kennt.

Die Festspiele

  • Tradition:

    Die Luisenburg-Festspiele finden auf der ältesten Felsenbühne Deutschlands statt. 2017 hat Birgit Simmler die künstlerische Leitung übernommen. Infos und Karten unter www.luisenburg-aktuell.de

  • Etat:

    Der Etat der Festspiele liegt bei fünf Millionen Euro. 500 000 Euro davon werden für Investitionen genutzt.

Der von Lerchenberg prophezeite Aderlass an Know-how ist weitgehend ausgeblieben. Musiktheater im besten Sinne stellt „My Fair Lady“ dar. Bei der Besetzung ist der künstlerischen Leiterin nach eignen Worten ein Coup gelungen: Sie hat Zodwa K. M. Selele für die Hauptrolle der Eliza Doolittle engagiert. Selele ist in Kirchenlamitz aufgewachsen und in Wunsiedel und Gefrees zur Schule gegangen. Mit Tim Zimmermann aus den USA führt ein Musicalmacher von internationalem Format die Regie bei „My Fair Lady“.

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Eine weitere Uraufführung gibt es mit der Kriminalkomödie „Sherlock Holmes – Der Tod des Bayernkönigs“. Interessant dürfte werden, wie die lediglich vier Schauspieler es schaffen werden, 32 verschiedene Rollen zu spielen. Mit Otto Beckmann gibt ein von zahlreichen Fernsehrollen bekannter Schauspieler den Sherlock Holmes. Das Familienmusical „Das Dschungelbuch“ ist eine Neufassung von Birgit Simmler und Paul Graham Brown mit Livemusik.

„Jedermann“ als Gastspiel

Erstmals wird es heuer ein Theatergastspiel auf der Luisenburg geben: Die Landesbühnen Sachsen gastieren mit Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ Ende August. Eine gute alte Tradition führen die Operettenbühne Wien mit der „Gräfin Mariza“ und die Landesbühnen Sachsen mit der Verdi-Oper „La Traviata“ fort. Ferner gastieren die japanischen Yamato-Trommler mit ihrer Show „Chousensha“, „The Queen Night“, „One Night Of Abba“ und das Symphonie-Orchester Prag mit „Rock The Opera“.

„Wir steuern auf eine saustarke Saison 2018 zu“, freut sich Wunsiedels Bürgermeister Karl-Willi Beck. Und er ist überzeugt, mit Birgit Simmler die richtige Intendantin gefunden zu haben. „Sie hat das Zeug, die Fußstapfen ihres Vorgängers gut auszufüllen.“

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