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Ein wärmender Prolog zum großen Fest

Vornehmer Klangrausch mit dem Regensburger Motettenchor unter Leitung von Wolfgang Hörlin in der Alten Kapelle
Von Andreas Meixner, MZ

Wolfgang Hörlin leitet den Regensburger Motettenchor, der traditionell vor dem Heiligen Abend ein Konzert in der Alten Kapelle gibt.
Wolfgang Hörlin leitet den Regensburger Motettenchor, der traditionell vor dem Heiligen Abend ein Konzert in der Alten Kapelle gibt. Foto: Meixner

Regensburg.Die Geschichte um Josef Rheinbergers „Stern von Bethlehem“ ist tragisch. Als das Oratorium am Heiligabend 1892 in der Dresdner Kreuzkirche uraufgeführt wurde, saß der Komponist bereits am Sterbebett seiner geliebten Gattin und vielfach begabten Künstlerin Franziska von Hoffnaaß. Rheinberger hat später keine einzige der zahlreichen Aufführungen ihres gemeinsamen Werks mehr besucht. Auf ihrem 1889 entstandenen Gedichtszyklus „Der Stern von Bethlehem“ basiert seine Kantate. Spätromantisch bis in den letzten Winkel erlebt der Zuhörer trotz großer Besetzung einen vornehmen und bis auf wenige Momente zurückhaltenden Klangrausch, als wenn die Heilige Nacht nicht allzu viel Lärm an der Krippe vertrüge. Stiftsorganist Wolfgang Hörlin und sein Regensburger Motettenchor traten am Vorabend von Weihnachten an, dieses Werk in der Alten Kapelle mit Leben zu erfüllen. Und sie taten es mit viel Feingefühl und Gespür. Dem erfahrenen Chor schien die Musik förmlich auf dem Leib geschneidert zu sein. Obwohl gar nicht groß besetzt, agierten die Sänger stets textverständlich und in großer dynamischer Vielfalt.

Gespür für feine Nuancen

Selten fehlte es an Durchschlagskraft. Die Gefahr, im völligen Kitsch zu versinken, vermied Hörlin durch das richtige Maß in der Tempo- und Phrasierungsgestaltung. Rheinbergers Musik konnte zärtlich und unaufdringlich aufblühen. Das war auch Verdienst der Solisten. Marcus Weigl führte seinen edlen Bass durch die Partie mit dem richtigen Gespür für die kleinen, notwendigen Nuancen der Dramaturgie.

Als Sopranistin war Doris Döllinger an diesem Abend die Idealbesetzung. Ihre noble und technisch klare Art des Musizierens war in allen Momenten goldrichtig und trug wesentlich zur intimen vorweihnachtlichen Stimmung des Konzerts bei. Das Kammerorchester grundierte das alles mit einem warmen Klangteppich bis in die Blechbläser hinein. Die symphonische Erfahrung der Instrumentalisten (meist Mitglieder des Philharmonischen Orchesters Regensburg) zahlte sich im differenzierten Zusammenspiel von Streichern, Holz- und Blechbläsern vollends aus. So wurde Rheinbergers Weihnachtskantate zu einem wärmenden Prolog am Vorabend des Weihnachtsfests. Ergänzend dazu erklang am Anfang Felix Mendelssohn-Bartholdys prächtige Vertonung von „Vom Himmel hoch“, die mit der beeindruckenden Kulisse der Alten Kapelle zu einer großen Einheit verschmolz und das Tor in die Weihnachtstage weit aufstieß. Ein beseeltes Kirchenkonzert im besten Sinne.

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