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Jubiläen

Ein wahres Sängerfest mit Chormusik vom Feinsten

Cantabile Regensburg und Regensburger Kammerchor feiern mit einem Gemeinschaftskonzert.
Von Gerhard Heldt, MZ

Regensburg. Wenn zwei hochkarätige Chöre zusammen Geburtstag feiern, ist ein Sängerfest zu erwarten. Die zahlreichen Zuhörer, die am Samstag trotz Pokalendspiel in den Neuhaussaal gekommen waren, wurden reich belohnt. Es gab Chormusik vom Feinsten: Der Kammerchor unter der Leitung von Angelika Achter wurde 25 Jahre alt, das Vokalensemble Cantabile Regensburg feierte mit seinem Leiter Matthias Beckert den 20. Jahrestag seiner Gründung. Der Kammerchor brachte „Lieder ohne Worte“, Cantabile stellte „Festliche Chormusik bis zu zwölf Stimmen“ vor. In vier Blöcken kamen beide Chöre mit gleichen Anteilen zu Wort; Eingangs- und Schlusschor erklangen gemeinschaftlich. Zusammen waren an die siebzig Sänger, überwiegend junge Stimmen, angetreten, um das begeistert mitgehende Publikum mit großenteils unbekannten Werken der jüngeren und jüngsten Zeit bekannt zu machen. Die drei Romantiker Mendelssohn, Brahms und Rheinberger hinterließen tiefen Eindruck, allen voran die doppelchörigen Fest- und Gedenksprüche op. 109 von Johannes Brahms, die Cantabile ins Zentrum seines Programmanteils gerückt hatte. Hier wie auch im gemeinsam gesungenen sechsstimmigen „Abendlied“ op. 69,3 von Josef Gabriel Rheinberger kamen die Qualitäten beider Chöre zum Tragen: absolute Intonationssicherheit, homogener Chorklang, dynamische Feinstarbeit, agogische Flexibilität und ein hohes Maß an Textverständlichkeit. Die Akustik des Neuhaussaals ist für Chormusik dieser außerordentlichen Qualität bestens geeignet, alle intendierten Feinheiten der Interpretation waren perfekt mitzuerleben. Die beiden Chorvorstände begrüßten drei der aufgeführten Komponisten: Heinz Werner Zimmermann, Wolfram Buchenberger und Zsolt Gárdonyi. Karl Weindler, Präsident des Bayerischen Sängerbundes, zeichnete Cantabile mit der Orlando-di-Lasso-Medaille aus, neben der Zelter-Plakette die einzige Auszeichnung für Chöre.

Im Programm überwogen Arrangements und Originalkompositionen von Komponisten der Gegenwart bzw. der jüngeren Vergangenheit. Angelika Achter hatte es ihrem Chor insofern schwer gemacht, als sie die Interpretationsebene Text in ihre Programmwahl nicht einbezogen hatte. Ausschließlich mit Tonsilben und Vokalisen umzugehen, heißt aber, die rein musikalische Seite des Chorgesangs mit den Parametern Intonation, Rhythmik, Dynamik und Artikulation hervorzuheben. Was bei Glockenimitationen und Musikalisierungen z. B. von Abstraktem wie Wind, Klage und Abschied gefordert ist, überschreitet die Grenzen traditioneller Chorinterpretationen. Denn mit den Mitteln gemeinsamen Gesangs müssen konkrete Ebenen geschaffen werden, auf denen Nachvollziehbares geschieht.

Cantabile hatte diese Hürden nicht zu überwinden, dafür aber vielstimmige Kompositionen wie die von Eric Whitacre, die sich beim ersten Hören nicht erschließen, sondern erst längere Anlaufzeit benötigen. Wo sich die Musik folkloristisch gibt wie in Maierhofers Jodler „Der Verliabte“, Piazzollas Tango „Milonga del Ángel“, sind die Zuhörer schnell zu begeistern. Whitacre, den Cantabile dreimal auf dem Programm hatte, fordert selbst vom Kenner höchste Aufmerksamkeit, damit alle Feinheiten seiner höchst artifiziellen Arbeiten auch wahrgenommen werden. Beide Chöre heimsten reichlich Beifall ein. Der Kammerchor riss mit Lautmalereien wie der Nachahmung eines aus den Fugen geratenen Geläuts (Valery Gavrilin) oder „Der Wind“ von György Bárdos zu großer Begeisterung hin, Cantabile mit der bravourösen Wiedergabe der Buchenberg- und Zimmermann-Chöre ebenso wie mit den grandios gelungenen „Fest- und Gedenksprüchen“ von Brahms. Gratulation an beide Chöre! Der Wunsch: Noch viele weitere interessante Begegnungen mit Chormusik der Gegenwart!

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