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Konzert

Ein Zyklus schauerlicher Lieder

Jochen Kupfer und Marcelo Amaral gingen auf „Winterreise“.
Von Claudia Böckel

Bassbariton Kupfer und Pianist Amaral im Neuhaussaal  Foto: C. Böckel
Bassbariton Kupfer und Pianist Amaral im Neuhaussaal Foto: C. Böckel

Regensburg.Für uns gehören Franz Schuberts Liederzyklen „Die schöne Müllerin“ und „Die Winterreise“ zum Kernrepertoire des Musikbetriebs. Im frühen 19. Jahrhundert, die „Winterreise“ entstand von Februar bis Herbst 1827, in der Zeit des Biedermeier also, war es nicht unüblich, Gedichte zu einer lyrischen Novelle zusammenzustellen. Allerdings war es neu, aus so einem Gedichtzyklus einen Liederzyklus zu formen.

Schubert war mit seinen beiden Zyklen der erste, der das lyrisch-literarische Problem des Zyklus musikalisch-kompositorisch reflektierte und zu einem überzeugenden Ganzen gestaltete. Durch seinen Freundeskreis hatte er engsten Zugang zu literarischen Diskussionen. „Unser Zusammenleben in Wien ist jetzt recht angenehm, wir halten bei Schober wöchentlich 3mahl Lesungen, u. eine Schubertiade.“ Die Freunde stellten ihre eigenen Dichtungen vor, aber eben auch die Neuerscheinungen des literarischen Betriebs. Und Schubert formte aus Wilhelm Müllers Gedichten einen „Zyklus schauerlicher Lieder“, der den Freunden zunächst nicht gefiel. Schubert sagte hierauf nur: „Mir gefallen diese Lieder mehr als alle und sie werden euch auch noch gefallen“.

Bassbariton Jochen Kupfer und der Liedbegleiter Marcelo Amaral ließen die Winterreise in all ihren Facetten vom Fremden und Eisigen blitzen und schillern. Das Theater Regensburg hatte den renommierten Lied- und Opernsänger, seit 2016 Bayerischer Kammersänger, seit 2019 Professor für Gesang an der Hochschule Würzburg und Gast auf den wichtigen Bühnen Europas, eingeladen in den Neuhaussaal.

Gute Textverständlichkeit ist Kupfer ein großes Anliegen. Dabei bleibt seine Diktion durchaus natürlich, wirkt nicht „gemacht“. Dunkle Klangfarben stehen ihm zur Verfügung, heftige Ausbrüchen gelingen ebenso wie sanfte Passagen. Während die erste Abteilung der Lieder noch nicht ganz so konzentriert dargestellt war, nicht zwingend den Zuhörer zu packen schien, die „Rast“ zum Beispiel ein wenig zu glatt gestaltet wurde, war die zweite Abteilung von der „Post“ bis zum „Leiermann“ zu Herzen gehend. Hier fand auch der brasilianische Pianist Amaral, international wirkender Liedbegleiter und seit 2014 Professor für Liedgestaltung an der Hochschule Nürnberg, schon bei den Vorspielen zu den Liedern sofort den richtigen Tonfall, legte quasi vor und Kupfer nahm die Fäden auf. Die Nachspiele im Klavier können auch eine Welt für sich aufmachen, den Stillstand der Gefühle, die Erstarrung noch einmal mit anderen Mitteln klarmachen. Kleine Unkonzentriertheiten und etwas nachlässige Pedalisierungen im Klavier fielen dennoch nicht ins Gewicht, bei so viel Innigkeit, bei so genauer Textbehandlung und so kultivierter Gesangskunst.

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