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Konzert

Eindrucksvoll: Bachs Johannespassion

Sänger und Orchester der Chorphilharmonie Regensburg führten das dramatische Werk in der Kirche Herz Jesu auf – als überzeugende Gesamtleistung.
Von Gerhard Dietel, MZ

Chor und Orchester der Chorphilharmonie Regensburg führte die Johannespassion von J. S. Bach auf. Foto: Veranstalter

Regensburg. Wie gemeisselt repetierte Bass-Achtel, unruhig wogende Sechzehntelfiguren der übrigen Streicher, darüber langgezogene, immer wieder schmerzhaft sich reibende Töne der Oboen und Flöten: so stimmt das Orchester der Chorphilharmonie Regensburg die Hörer in der Regensburger Kirche Herz Jesu auf die Leidensgeschichte Jesu ein, wie sie Johann Sebastian Bach in seiner Johannespassion vertont hat. Machtvolle Anrufungen des Chores folgen: den Herrn als „Herrscher“ sprechen sie an, der er in aller Erniedrigung durch den Tod am Kreuz trotzdem bleibt. Das musikalische Fundament für die folgende Schilderung des Passionsgeschehens bildet die vorzüglich agierende Continuogruppe mit Marianna Maxim (Orgel), Johannes Klier (Violoncello) und Andreas Brand (Kontrabass). Nur kurz spielen sie jeweils die Grundharmonien an und lassen so dem Tenor Juan Carlos Falcon viel Freiheit für die Ausgestaltung der Evangelistenrolle. Falcon nutzt den Spielraum und wandelt sich immer wieder vom wie unbeteiligt beginnenden Berichterstatter zum Mit-Empfinder. Dass ihm hier wie in seinen Arien bei steigendem Erregungspegel mancher Spitzenton ein wenig instabil gerät, fällt nicht ins Gewicht. Thomas Hamberger (Bass) gestaltet einen seiner Sendung bewussten, noch im Moment des Todes majestätischen Christus.

Gleichermaßen kräftige Kontur verleiht Stefan Sevenich dem Pilatus und zeigt sich in der Arie „Eilt, ihr angefocht’nen Seelen“ überaus koloraturgewandt. Die beiden Altarien erfüllt Vera Egorova mit viel Wärme und Empathie, während Doris Döllinger (Sopran) ihr „Ich folge dir gleichfalls“ ganz leicht und locker im Tonfall freudiger Verzückung intoniert.

Horst Frohn, der die ganze Aufführung mit Umsicht leitet, hat die Sängerinnen und Sänger der Chorphilharmonie offenbar intensiv auf ihre Aufgaben vorbereitet. Reaktionssicher zeigen sie sich bei ihren teils recht unvermittelten Einsätzen wie auch der komplexen, gelegentlich chromatisch durchwirkten Polyphonie Bachs jederzeit gewachsen. Den oft kurzen Volkschören verleihen sie zudem charakteristische Färbungen: Spöttische Untertöne kann man vernehmen („Sei gegrüsset, lieber Judenkönig“) und fanatisch hämmernde „Kreuzige“-Rufe, Rechthaberei („Wir haben ein Gesetz“) und Fanatismus („Weg, weg mit dem!“). Ruhe ins Geschehen bringen die Choralstrophen, die in gemessenem, doch stets vorwärts strebendem Tempo erklingen, wobei einzelne dynamische Abschattierungen oder das Herauszeichnen wichtiger Textworte möglich bleiben. Ein Moment der Stille herrscht nach dem Zuversicht verbreitenden Schlusschoral „Ach Herr, lass dein lieb’ Engelein“; dann erst setzt der anhaltende Beifall ein, der allen Beteiligten für eine geschlossene, eindrucksvolle Gesamtleistung gilt.

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