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Geschichte

Eine bayerische Reise durch die Zeit

Regensburg ist Star einer Folge der neuen BR-Fernsehserie „Das Bayerische Jahrtausend“ –und bekam die Folge deshalb exklusiv vorab vorgestellt.
Von Heike Siegel, MZ

Begeistert von der Serie (v.l.): Gerhard Schiechel (Studioleiter BR-Regionalstudio Ostbayern), OB Hans Schaidinger, BR-Intendant Ulrich Wilhelm, BR-Moderatorin Ursula Heller und Schauspieler Udo Wachtveitl Foto: Siegel

Regensburg. . Die Sendereihe „Das Bayerische Jahrtausend“ ist eine Produktion der Superlative, ein „Leuchtturmprojekt“ des Bayerischen Rundfunks, wie sich BR-Moderatorin Ursula Heller ausdrückt. In 124 Drehtagen entstanden 400 Stunden Filmmaterial, wurden 900 Komparsen, 35 Reiter und Pferde sowie 1800 Kostüme benötigt. Den Programmverantwortlichen, allen voran BR-Intendant Ulrich Wilhelm, ist der Stolz auf die insgesamt zehn 45-minütigen Folgen am Dienstagabend bei der Filmpremiere im Thon-Dittmer-Palais deutlich anzumerken.

Die Idee der Historien-Reihe ist bestechend: Am Beispiel zehn bayerischer Städte werden zehn Jahrhunderte – vom frühen Mittelalter bis ins 20.Jahrhundert – und ihre prägenden Charakteristika vorgestellt. Überraschend ist, dass Regensburg nicht für das 17. oder 18. Jahrhundert, damals tagte der Immerwährende Reichstag in der Domstadt, sondern für das 13.Jahrhundert ausgewählt wurde. Dieses steht für das Jahrhundert des Aufbruchs in die „weite Welt“, das „Jahrhundert des Fernhandels“, der die Regensburger Kaufmannsfamilien reich gemacht hat.

Geschichte spannend vermitteln

„Für jedes dieser Jahrhunderte der Sendereihe hätte man nur die Stadt Regensburg zu nehmen brauchen, da hätte es die anderen Städte gar nicht gebraucht“, meinte Regensburgs Oberbürgermeister Hans Schaidinger bei der Premiere des „Regensburg-Films“ vor prominentem Publikum augenzwinkernd und fügte an: „Regensburg war schon bayerische Hauptstadt, als München noch eine Sandbank an der Isar war.“

„Sie hätten als selbstbewusster Regensburger Bürger gut in unseren Film über das 13. Jahrhundert gepasst“, konterte die Moderatorin des Abends, Ursula Heller, schlagfertig und auch BR-Intendant Ulrich Wilhelm bekannte, er könne dem OB „in Sachen Selbstbewusstsein“ nicht das Wasser reichen. Der ehemalige Regierungssprecher hofft, durch das aufwändige Fernsehprojekt die Renaissance des Schulfaches Geschichte anstoßen zu können. Mit der zehnteiligen Serie erfülle der BR die „vornehme“ Aufgabe der Geschichtsvermittlung, die bereits „in der DNA des Bayerischen Rundfunks“ angelegt sei. „Die Zuschauer erwarten das von uns“, zeigte sich Wilhelm überzeugt. „Die Globalisierung führte auch zu einer Gegenbewegung, nämlich Geborgenheit in der engeren Heimat zu suchen.“

Als fachlicher Berater für „Das Bayerische Jahrtausend“ fungierte unter anderem der Geschichtsprofessor Dr. Hans-Michael Körner. Der Historiker verbrachte seine Studienzeit in Regensburg und lobte den „geschichtswissenschaftlichen Sachverstand“ der BR-Redaktion: „Die Reihe schafft den Spagat zwischen Geschichtstreue und unterhaltender Fiktion.“

Weil der Zehnteiler natürlich auch unterhalten soll, wurde der Schauspieler Udo Wachtveitl als Moderator der Reihe verpflichtet. In Hemd und Sakko, nicht etwa im historischen Kostüm, begleitet er den Zuschauer im Film kompetent aber locker durch das 13. Jahrhundert. Als Spurensucher und Fragender tritt der als Münchner Tatort-Kommissar bekannte Wachtveitl in allen Folgen in Erscheinung.

Der Streifen mit Regensburg als Mittelpunkt wird am 3.April um 22Uhr im Bayerischen Fernsehen gezeigt. Obwohl erst der dritte Film der Sendereihe, fand die erste Preview von „Das Bayerische Jahrtausend“ in Regensburg statt. Die aufstrebende Kaufmannsfamilie Zant fungiert darin als Klammer und roter Faden. In Spielszenen wird die steile Karriere der Kaufmannsfamilie als symptomatisch für den Aufstieg des Regensburger Bürgertums und damit der ganzen Stadt portraitiert. Im 13. Jahrhundert beanspruchen die Patrizier bald die Herrschaft in Regensburg. Sie emanzipieren sich vom Bischof und vom Herzog und prägen mit dem Bau imposanter Wohntürme und des Alten Rathauses auch heute noch das Stadtbild.

Aufbruch in die Welt

Auch der Bau des Doms wird entscheidend vom Bürgertum angestoßen und finanziert. 1245 wird Regensburg Freie Reichsstadt. Die Regensburger Kaufleute wagen sich aus der Enge der Stadt („Viel Herrschaft – wenig Raum“) hinaus in die Welt, nach Kiew, Venedig oder Straßburg, um Handel zu treiben. Man verpflegt sich in Garküchen, weshalb im Film selbstverständlich auch die Historische Wurstkuchl nicht fehlt. Udo Wachtveitl beißt herzhaft in eine Wurstsemmel, kann aber trotz Nachfrage das Rezept der bekannten Würstl nicht ergründen.

Am Ende des 13. Jahrhunderts ist Regensburg zum zentralen Marktort geworden und genauso groß wie Wien. Zwischen zehn- und fünfzehntausend Menschen lebten auf rund 95 Hektar in der aufstrebenden Stadt des Mittelalters.

Die Bilder sind malerisch, üppig und gefällig. Mit der etwas pathetischen Musikuntermalung fließt der Film so ruhig dahin wie die Donau in diesen kalten Wintertagen. Themen wie das rigide Rechtssystem der Zeit, die mangelnde Hygiene und der bestialische Gestank, der in den mittelalterlichen Gassen geherrscht haben muss, werden – in dieser Folge zumindest – ausgeklammert. Die Spielszenen und Computeranimationen (hervorragend: der computeranimierte Mittelbrückenturm der Steinernen Brücke!) sind detailgetreu gemacht.

Schade nur, dass die Schauspieler so gut wie nie selbst zu Wort kommen. Die Kommentare des Sprechers aus dem Off wirken manchmal sehr dozierend. Der Film ist zwar dennoch unterhaltend, zieht einen aber emotional nicht wirklich in seinen Bann.

Regierungspräsidentin Brigitta Brunner hat der Film ausgesprochen gut gefallen. „Die Filme müssen für ein breites Publikum ansprechend sein. Sie dürfen nicht nur für Wissenschaftler, aber auch nicht zu trivial gemacht sein. Ich habe mir vorgenommen, alle zehn Folgen der Reihe anzuschauen“, sagte sie im MZ-Gespräch.

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