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Bühne

Eine Freundschaft auf dem Prüfstand

Prima Besetzung, die Regie klar und treffsicher: Witalji Schmidt inszeniert „Kunst“ im Theater an der Uni Regensburg.
Von Michael Scheiner

Yvan (Benjamin Ernstberger) zwischen Serge (Pascal Simon) und Marc (Tobias Schmid, r.) Foto: mic
Yvan (Benjamin Ernstberger) zwischen Serge (Pascal Simon) und Marc (Tobias Schmid, r.) Foto: mic

Regensburg.In den Stücken der französischen Autorin Yasmina Reza verfeinden sich Menschen – giften sich aber weiterhin an, haben also über die abgründigsten Feindschaften hinweg noch eine Beziehung. In ihrer Komödie „Kunst“, die keineswegs durchweg zum Lachen ist, obwohl es ums Lachen geht, wird die Freundschaft dreier Männer auf eine harte Probe gestellt.

Das Theaterstück, 1994 in Paris uraufgeführt, wurde schnell zu einem Welterfolg, holte mehrere Preise und wurde bisher in 40 Sprachen übersetzt. Jetzt kommt es im Theater an der Uni Regensburg auf die Bühne. Der Straubinger Regisseur Witalij Schmidt hat es zusammen mit der Gruppe „VarieTäter“ umgesetzt.

Serge (Pascal Simon), ein kultiviert auftretender Arzt, hat sich ein teures Bild gekauft. Weiß, das der schwer angesagte Künstler mit weißen Streifen bemalt hat und das Serges Freund Marc (Tobias Schmid) zu einem deftigen Kommentar reizt. „Für diese Scheiße…“, höhnt er den Freund, „hast du 200 000 Euro bezahlt?“ Das trifft den ins Bild vernarrten Kunstkenner zutiefst, auch wenn er es zunächst mit abfälligen Erklärungen zum Charakter des Freundes und intellektuellem Geschwafel abtut.

Marc (Tobias Schmid, rechts) regt sich über Serge` Bild auf (Foto: Scheiner)
Marc (Tobias Schmid, rechts) regt sich über Serge` Bild auf (Foto: Scheiner)

Der Dritte im Bund ist Yvan (Benjamin Ernstberger), ein Opportunist, der in den Vorbereitungen zu einer Heirat steckt, die vermutlich seinen Untergang bedeutet, wie während der folgenden Auseinandersetzungen deutlich wird. Marc erzählt Yvan von seiner Begegnung mit Serge und gibt sich zerknirscht: „In Zukunft will ich ihm die Dinge freundlich sagen!“ Das geht freilich auch daneben, denn der wortgewandte Kunstliebhaber riecht den Braten, der hinter dem plötzlichen Gesäusel Marcs steckt, und wird erst recht sauer. Yvan versucht derweil zu vermitteln – oder abzulenken, indem er die grimmig sich gegenüberstehenden Freunde auffordert, mit ihm essen zu gehen. Die Wortgeplänkel, die zunehmend schärfer und heftiger werden, entwickeln sich zur handfesten Rauferei, bei der Yvan eine aufs Ohr bekommt. Als die tieferliegenden Ursachen des Streits zum Vorschein kommen, setzt eine Versöhnungsdynamik ein. Schließlich brechen die Freunde in befreiendes Gelächter aus.

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Bei karg ausgestatteter Bühne gelingt es den drei Schauspielern verblüffend überzeugend, die emotionalen Zustände, die Verdruckstheiten, Aggressionen, die Überheblichkeiten und das Beleidigtsein auszuspielen. Die komödiantischen Momente sind erfreulich zurückhaltend gesetzt, dürften aber durchaus mehr ausgekostet werden. Prima Besetzung, die Regie klar und treffsicher, da lohnt ein Besuch.

Am Theater an der Uni gibt es noch Vorstellungen am 24. und 25. Mai, je um 19.30 Uhr. Details: www.varietaeter.de/; www.facebook.com/varietaeter/

„Die letzten fünf Jahre“ war eine der jüngsten Inszenierungen im Theater an der Uni: Lesen Sie hier „Zwei große Träumer und die Liebe“

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