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Eine Hommage an die Lieblingsfilme

Am letzten Abend der Internationalen Kurzfilmwoche feierten Jurys, Publikum und Sponsoren im Regensburger Ostentorkino die Favoriten des Festivals.
Von Katharina Kellner, MZ

  • Vereint bei der Preisverleihung (v.l.): Preisträger Peter Kollross, der stellvertretende MZ-Chefredakteur Holger Schellkopf, Lehrer Berthold Foit, Magdalena Simmel, Anna Schönecker (Volksbank), Melanie Klos, Lola Werner, Sonja Vu und Erwin Schoch, Vorstandschef der Volksbank.Foto: altrofoto.de
  • Szene aus „Slum GmbH“, dem Gewinnerfilm des Online-Wettbewerbs Foto: Kurzfilmwoche
  • Peter Kollross’ „Ein Leben in Quadern“ Foto: Kurzfilmwoche

Regensburg.„Emotional“, mit diesem Wort lässt sich diese 20. Ausgabe der Kurzfilmwoche vielleicht treffend beschreiben. Nicht nur, dass die „Herzensangelegenheiten“ der Cineasten einen Schwerpunkt in diesem Jahr bildeten. Auch Oberbürgermeister Hans Schaidinger gebrauchte gestern Abend bei der Preisverleihung diesen Ausdruck. Eine „emotionale Angelegenheit“ sei das Festival auch im 20. Jahr, sagte er bei der Verleihung des Kurzfilmpreises der Stadt Regensburg. Und auch für ihn selbst mag Emotion im Spiel gewesen sein, war es doch seine letzte Kurzfilmwoche als oberster Repräsentant Regensburgs.

Emotional war auch die Reaktion von Magdalena Simmel, Melanie Klos, Lola Werner und Sonja Vu, die stellvertretend für die Filmgruppe des Regensburger Goethe-Gymnasiums den Online-Preis des Regionalfensters entgegennahmen. „Miteinander“ hieß in diesem Jahr das Thema des Preises, den Volksbank Regensburg und Mittelbayerische Zeitung vergeben. Den Preis für den Film „Slum GmbH“ überreichten Erwin Schoch, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Regensburg, und Anna Schönecker von der Volksbank an die Mädchen und ihren Lehrer Berthold Foit, den Leiter der Filmgruppe. Im Film geht es um eine originelle Geschäftsidee, mit der sich die Mädchen das Taschengeld aufbessern möchten. Das Preisgeld von 1300 Euro soll in die Arbeit der Filmgruppe fließen, sagte Foit der MZ.

„Trocken, lakonisch, authentisch“

Der zweite Regionalfenster-Preisträger beschimpfte erst einmal die Jury – im Spaß. Bevor der Preis übergeben wurde, war Peter Kollross in einer launigen Filmeinspielung zu sehen. Er schimpfte, dass er seit 15 Jahren Filme zeige und noch nie berücksichtigt worden sei. „Wir haben den Film bei der Entscheidung noch nicht gekannt“, konterte Juror Martin Hofer augenzwinkernd. Er hatte mit BR-Journalistin Silke Droll und Lehrerin Gaby Eisenhut die Qual der Wahl: Die drei mussten aus 19 regionalen Beiträgen wählen. Entschieden haben sie sich für Kollross’ aktuellen Film. Die Jury urteilte über den Zweiminüter „Ein Leben in Quadern“: „Der Regisseur zeigt eine überraschende Perspektive aufs Leben, die uns zum Nach- und Weiterdenken anregt – und das mit extrem wenigen Mitteln. Nichts ist zu viel, jede Sekunde hat ihren Sinn. Als Darsteller überzeugt er mit seinem Nicht-Darstellen, mit seiner trockenen, lakonischen und authentischen Art.“ Kollross ist ein „Urgestein der Regensburger Filmszene“, so drückte es Philipp Weber aus, der organisatorische Leiter der Kurzfilmwoche. Kollross hat nicht nur thematisch höchst unterschiedliche Filme eingereicht, auch als Schauspieler war er im Regionalfenster bereits zu sehen, so in Erik Gruns „Fleischeslust“.

Der Hauptpreis des Festivals, der Kurzfilmpreis des Bayerischen Rundfunks ging an „Welkom“, einen Film des belgischen Filmemachers Pablo Munoz Gomez, Jahrgang 1989. Dieser hat bereits den Preis für den besten belgischen Kurzfilm gewonnen. Es geht es um Jorge, der für seinen senilen Vater einen Hühnerstall im Garten bauen möchte. Der aber liegt auf der anderen Seite der belgischen Sprachgrenze, in Flandern. Und so ist Jorge gezwungen, einen Integrationskurs für Ausländer zu besuchen, um die bürokratische Hürde zu meistern. Die Internationale Jury (Barbara Dukas, Sonia Hadchity, Sydney Neter) urteilte: „Ein ernstes Thema perfekt, witzig und originell verpackt.“

Den Kurzfilmpreis der Stadt Regensburg vergab die Jury der Jungen aus Wladimir Fuhrmann, Eva Haimerl, Rafael Herrmann, Anika Schiller und Veronika Zieglmeier. Das Rennen machte „Cartwheels“, ein Familiendrama des britischen Regisseurs James Lewis. „Dieses Drama erfasst unserer Meinung nach das Wesen des Kurzfilms in einer perfekten Art und Weise“, heißt es in der Begründung.

Film über Wiener Zuhälter Sobota

Die Jury des Deutschen Wettbewerbs wählte als ihren Lieblingsfilm für den Regensburger BMW-Kurzfilmpreis „Nashorn im Galopp“ vom deutschen Filmemacher Erik Schmitt. Dieser lässt seinen Protagonisten Bruno neue Blickwinkel auf Berlin entdecken. Die Jury lobte: „In dem modernen Großstadtmärchen findet unser Held das Glück, indem er den Zeichen folgt, und die Bedeutung hinter den Dingen erkennt. Er findet die Seele der Stadt, eine Seelenverwandte und sich selbst.“

Johannes Betz, Bettina Schoeller und Andrea Wink von der Regensburger Druckerei Kartenhaus Kollektiv, das den Max Bresele-Gedächtnispreis vergibt, wählten den deutschen Film „Kathedralen“ von Konrad Kästner. Die Jury freute sich, mit diesem „politischen Film von unschlagbarer Relevanz“ einen „würdigen Preisträger“ gefunden zu haben. Es geht um die Hybris von Städteplanern, die in China eine Stadt für zwei Millionen Menschen aus der Erde stampfen, die menschenleer ist. Dies passe zum Künstler Max Bresele, der „bekanntlich Skulpturen aus Müll“ gebaut habe.

Den Förderpreis des FilmFernsehFonds Bayern vergab die Bayernfenster-Jury aus Sarah Bräuer, Natja Brunckhorst und Martin Rehbock. Sie kürten Marie Elisa Scheidts „Sobota“ zu ihrem Favoriten. Die Filmemacherin hat Sobota besucht, der einst als gefürchtetster Zuhälter und gnadenlosester Gangster des Wiener Rotlichtbezirks bekannt war und die meistverkaufte Autobiografie Österreichs veröffentlichte. Die Juroren lobten das „künstlerische Gesamtkonzept mit hervorragender Kameraarbeit und poetischem Ansatz“.

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