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Jazzclub

Eine Hommage an Udo Jürgens

Jörg Seidel interpretierte eindrucksvoll Erfolgstitel und unbekanntere Nummern.
Von Michael Scheiner

Jörg Seidel präsentierte ein großartiges Tribut-Programm. Foto: Scheiner
Jörg Seidel präsentierte ein großartiges Tribut-Programm. Foto: Scheiner

Regensburg.Ganz am Schluss ist Jörg Seidel aus der Rolle des Interpreten in die des Komponisten und Texters geschlüpft. Sein durchweg großartiges Tribute-Programm mit Liedern und Songs des 2014 verstorbenen Udo Jürgens beschloss er mit „Merci… My personal tribute to Udo Jürgens“. Es war die einzige Eigenkomposition des Bremenhavener Sängers und Gitarristen im ansonsten mit Riesenhits, großen Erfolgstiteln und wenig bekannten Nummern gespickten Konzerts.

Kreativ war der famose Sänger aber auch bei allen Jürgens-Titeln. Schon die Auswahl aus dem gewaltigen Oeuvre des Klagenfurters von über 1000 Liedern muss ein Kraftakt gewesen sein. Seidel hat dann die Songs neu arrangiert, für die er sich entschieden hat. Von der gefühlvollen Rumba, getragenen Balladen, temporeichem Postbop bis zu eingängigen Swingnummern schrieb er dazu zugängliche Musik, ohne anbiedernd oder gefällig zu wirken. Dabei hat er Raum für Improvisationen gelassen, der von den drei Begleitern genüsslich ausgefüllt wurde.

Für die Minitour durch einige Clubs hat sich das Nordlicht mit drei Musikern aus der Region zusammengetan. Am Flügel glänzte der Straubinger Multiinstrumentalist Norbert Ziegler mit sensibler Begleitung und packenden Soli, Karsten Gnettner spielte Bass und Scotty Gottwald hatte man selten so abwechslungsreich und spannend am Schlagzeug erlebt. Alle drei füllten die Freiräume mit leidenschaftlichem Einsatz und musikalischer Finesse aus. Instrumental gestalteten sie den Abend ebenso sensibel, sinnlich und eindrücklich wie der Sänger mit seinem bemerkenswerten Organ.

Vom „Ehrenwerten Haus“, das bigotte Nachbarn aufspießt, bis zum klugen „Ein Narr sagt Dankeschön“ lotete er die Lieder des großen Entertainers bis in kaum beleuchtete Ecken und Stellen aus. Er scattete mit hingebungsvoller Lust, dass sich die Balken bogen, kostete die Stimmungen und Haltungen der Poesie Jürgens‘ bis in versteckte Nuancen aus – ließ Welthits wie „Come share the wine“ (Griechischer Wein), mit dem Bing Crosby eine Nr. 1 in den amerikanischen Charts landete, und „Walk away“ in einem ganz neuen, erfrischend starken und swingenden Licht erscheinen.

Dazwischen erzählte er interessante und amüsante Geschichten, wie die, dass er sich beim Kärntner Onkel Ottmar das Knie mit Udo Jürgens geteilt hat. Der durfte als Kind dort ebenfalls „Hoppe, hoppe Reiter“ machen.

Seidels Einsatz, Lieder von Udo Jürgens, der für Shirley Bassey, Frank Sinatra und Sarah Vaughan geschrieben hat, aus der Versenkung zu holen, hat sich gelohnt. Inzwischen hat der Jazzsänger zwei großartige Alben mit Jürgens-Songs aufgenommen.

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